Morgen, Kinder, wird`s noch mehr geben!

6. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wie unter Drogen kletterte der DAX in nur drei Wochen um 1.000 Punkte. Was kommt als Nächstes? Die einen sagen so, die anderen so. Nächste Woche ist schon wieder Weihnachten! Dann liefert die EZB weitere hochdosierte Geldspritzen…

… also noch mehr „Crystal Meth“ für die Finanzmärkte. Wir reden hier nicht von 0,6 Gramm! Es spielt schon eine gewichtige Rolle, um welche Drogen es hier geht. Mancher legt ja beim Erwischen damit sein Amt nieder, andere aber bekommen Nobelpreise und andere noble Ehrungen.

Dieses Zentralbank-Geld macht zumindest dauer-high.

„Das ist gute Drogenpolitik für den DAX!“

…wird ein Experte zitiert. Ich weiß nicht, was er genommen hatte, aber er sollte das lassen.

Was anfangs nur als Notfallmaßnahme galt, ist inzwischen ein Dauerzustand. Und ein Entzug ist nicht in Sicht. Und so wartet man mal wieder auf den „Super-Mario“ und den kommenden Donnerstag. Wird die EZB noch mehr Anleihen aufkaufen und damit die Finanzblasen noch gewaltiger aufpumpen? Es scheint so. Von der „Super-Mario-Show“ war in dieser Woche die Rede.

Mit Blick auf den Anleihemarkt denkt man inzwischen schon automatisch an Katzenvideos auf Facebook. Ach, sind die süß, die kleinen Renditen – wenn man noch welche findet. Die zehnjährigen Anleihen brachten in dieser Woche noch gigantische 0,11 Prozent. Schnell zugegriffen, bevor diese Renditen in Kürze auch noch weggeschreddert worden sind.

Große Investoren wie Versicherungen zahlen bei negativen Renditen inzwischen drauf, wenn sie die Gelder von den Versicherten anlegen. Sie müssen diese „sicheren“ Staatsanleihen kaufen.

Der Negativ-Zins ist inzwischen auch in der Realität angekommen. Weil beispielsweise den Privaten Krankenversicherungen ihre zugesagten Renditen um die Ohren fliegt, steigen die Beiträge rasant.

Wahrscheinlich müssen die Banken künftig einen noch höheren Strafzins bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken statt es irgendjemandem als Kredit aufs Auge zu drücken. Was tun? Der bayrische Sparkassenverband wirbt inzwischen dafür, das überschüssige Geld im eigenen Tresor zu bunkern statt Strafzinsen von derzeit 0,3 Prozent zu zahlen.

Kleine Sparer werden bei Strafzinsen ihr Erspartes wohl von der Bank holen.

Endlich verstehe ich auch, warum das Bargeld so gefährlich ist, vielleicht sogar viel gefährlicher als diese moderne Drogenpolitik, Pardon, Geldpolitik. Dabei ist erwiesen, dass Gelddrucken nicht reich macht. Diese Sucht ist wie jede andere zynisch – und endet irgendwann final.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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5 Kommentare auf "Morgen, Kinder, wird`s noch mehr geben!"

  1. Avantgarde sagt:

    Das Problem ist aber, daß bei langjährigem Konsum einer harten Droge der kalte Entzug durchaus lebensgefährlich sein kann.
    Und das wäre auch im übertragenen Sinne unser Problem.
    Lassen wir die Drogen weg dann haben wir den Zusammenbruch vielleicht sehr bald – innerhalb von Tagen.

    Und dabei geht es ja nicht nur um die Wirtschaft.
    Auch unser Gesellschaftssystem mit persönlichen Freiheiten hängen da dran – also sprich unsere Demokratie – die ist zwar durchaus gerade jetzt kritikwürdig – aber besser als in den bekannten totalitären Staaten freilich allemal.
    Redaktionsgebäude werden hier jedenfalls noch nicht mit Tränengas und Schneidbrenner gestürmt….

    • Argonautiker sagt:

      Sollte man denn den Süchtigen das Drogen konsumieren weiter erleichtern, nur weil ein Entzug nun mal hart ist, und voll in die Krise führt?

      Und es wäre natürlich interessant, was hier passieren würde, wenn unsere Medien nicht die Schere im Kopf hätten, sondern wirklich, wie angedacht, Gegenpol zur Regierung wären. Ich glaube nicht, daß die hier lange berichten dürften, wenn sie zum Beispiel mal recherchieren würden, wie die vollzogene Politik unserer Politiker, die Zustände im Nahen Osten und Afrika hervorgerufen haben, wodurch die Menschen von dort flüchten.

      Oder wenn die Leitmedien anfangen würden, die Menschen über das Geldsystem aufzuklären, und zwar so lange, bis sie es alle verstehen. Also anstatt eines täglichen Börsenberichtes, täglich das Einmal Eins des ungedeckten Geldes erklären würden.

      Daß es hier noch so ruhig ist, ist sicherlich nicht dem System, oder „Denen“ zu verdanken. Und ob es so richtig ist, daß es noch so ruhig ist, ist fraglich, denn das Problem beim Ruhe bewahren ist ja, daß es die auffordert, einfach weiter zu machen. Was sie ja auch leider tun.

      Es ist ja nicht so, daß man darauf hoffen könnte, daß die es schon im Interesse Aller richten werden, wenn man ihnen nur mehr Zeit gäbe und weiter Ruhe bewahrt. Das würde nur funktionieren wenn man es mit aufrichtigen Menschen zu tun hätte.

      Wie man aber sieht ist das nicht der Fall, denn sie nutzen diese Ruhe eben nur weiter dazu aus, die von ihnen verursachte Schuld, Schritt für Schritt weiter zu sozialisieren, und das System in der Zeit so umbauen, damit sie weiter ihre Macht Position behalten können, wodurch dann so Ideen wie zum Beispiel ein Bargeldverbot entstehen, was sich so herrlich zum sozialisieren von Verlusten eignen würde. Oder daß die Freihandelsabkommen Gestalt annehmen, die letztendlich eine Umverteilung des Unternehmerrisikos auf den Konsumenten darstellen.

  2. bluestar sagt:

    Meiner Meinung nach ist der Punkt für einen geordneten Entzug längst überschritten. Die Falle ist zu, die Situation schlimmer wie 2008. Alle haben Muffe vor einem kalten Entzug und erhöhen die Drogendosis bis zum bitteren Ende.
    Bis dahin gibt es dann wohl keine freiheitlich-bürgerliche Demokratie mehr, jedenfalls läuft alles in diese Richtung und das mit enormer Geschwindigkeit.
    @Avantgarde
    Redaktionsgebäude von auflagenstarken oppositionellen Zeitungen werden bei uns natürlich nicht gestürmt, denn es gibt sie nicht mehr. Die Mainstream-Medien sind doch alle auf Staatskurs, die Chefredaktionen entsprechend besetzt. Das läuft hier viel subtiler und strukturierten als in Schwellenländern. Oder glauben Sie an Zufälle ?
    Die kleinen Unabhängigen Blätter und Blogs dienen als Feigenblatt einer Scheindemokratie und zur geistigen Betreuung selbständig Denkender, Marktwirtschaftler, Liberale, Verschwörungstheoretiker, Golbbugs, Putinversteher usw.

    • Avantgarde sagt:

      Natürlich verbreiten die Staatsmedien die Meinung der Einheitspartei – und das muß einen auch mit Sorge erfüllen.
      Manchmal ist es derart Plump, und so offensichtlich und schon so lächerlich, daß selbst der Mainstream darüber lachen muss…
      http://www.tagesschau.de/schlusslicht/klatschen-fuer-maas-101.html
      🙂

      Dennoch aber leben wir natürlich nicht in einem totalitären Staat bei dem wir für das was wir hier gerade öffentlich schreiben ins Gefängnis kommen – und das ist schon ein sehr großer Unterschied zu einem Staat wie z.B. bereits der Türkei.

  3. Insasse sagt:

    „Redaktionsgebäude werden hier jedenfalls noch nicht mit Tränengas und Schneidbrenner gestürmt…“

    Das könnte auch daran liegen, dass solche Maßnahmen hierzulande aus sich des Einheitspolit-Establishments gar nicht nötig sind. Die „vierte Gewalt“ (Mainstream-Medien) ist doch in diesem Staat durch entsprechende Postenbesetzung zur willfährigen Propagandaschleuder der politischen Machthaber mutiert. Von kritischer Berichterstattung sowie Recherche kann man schon lange nichts mehr viel erkennen.

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