Morgen Kinder, wird’s was geben…

17. November 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Ist es schon wieder so weit? In neun Wochen ist Weihnachten. Es wird ein glückliches Fest, steht in den Meldungen aus den USA. Der Verbraucher ist noch nicht tot, schreibt Bloomberg. Von Intel bis T.J.X. – die Weihnachtssaison wird noch viel besser als bisher vorhergesagt.“ Sie bringen mich zum Lachen…

Intel hebt die Umsatzprognose um wenige hundert Millionen USD an. Bei T.J.Maxx and Marshalls, einer Bekleidungskette rechnet man statt zwei bis vier Prozent mehr Umsatz jetzt mit drei bis fünf Prozent mehr. Holla! Steigende Umsätze sind gute Nachrichten für eine Wirtschaft, sagt man, die zu 71,22 Prozent vom Konsumieren lebt. In der Tat. Nachdem die Pullover und Hemden wohl etwas länger getragen wurden als gewöhnlich, die USA sind nicht zuletzt wegen sinkender Einzelhandelsumsätze in der Rezession, hat die Kleidung jetzt vielleicht Flecken, fehlende Knöpfe oder eine fehlende Elastizität. Bei Mc Donalds ging es ja ständig aufwärts. In den Schlagzeilen von morgen wird wohl von einem „Nachholbedarf“ geschrieben werden. Bei Intel als Exporteur liegen die Dinge anders. Seine Chips werden vor allem im Ausland verkauft. Die Erlöse in schwächer werdenden Dollar gerechnet, werden somit immer mehr.

Niedrigere Heizkosten würden die Käufe anfachen, lesen wir weiter. Zwischen Oktober und März 2010 wird ein Haushalt statt 1.022 USD dann nur 940 US-Dollar mit Heizkosten belastet – eine satte Ersparnis um acht Prozent oder 84 USD, prognostiziert der Energie Informationsdienst EIA. Das hört sich nach Geldschwemme an. Nur kalt werden darf es nicht.

Ach, die Ökonomen… Ich bin keiner. Sie nehmen sich ein paar Nachrichten und Statistiken und drehen sich daraus einen Joint. Ich lese ihr Geschwätz und vergleiche es mit dem Alltag. Und dann muss ich husten.

Das Haushaltsvermögen ist mit steigenden Kursen an den Börsen ebenfalls gestiegen, wird als weiterer Grund angeführt, in froher Erwartung auf den Santa Claus. Im Herbst 2007 betrug das Vermögen noch 6.400 Milliarden USD, bevor es im ersten Quartal 2009 auf 5.100 Milliarden sank, um im Frühsommer mit der Börsenerholung auf 5.300 Milliarden USD zu klettern. Das Dumme ist nur, es sind Durchschnittswerte. Die Masse hat davon nichts, außer ihre abzutragenden Schulden. Das obere Fünftel besitzt mehr als die Hälfte des Reichtums und steht für 37 Prozent aller Konsumausgaben. 5.300 Milliarden an Vermögen bedeuten statistisch für jeden Amerikaner 17.300 USD. Was man davon alles kaufen könnte…

Dagegen gerechnet beträgt die Verschuldung der Konsumenten 2.500 Milliarden USD. (Kreditkartenkredite, Konsumkredite, Autokredite, Studentenkredite) Zusammen mit den Hypothekenkrediten sind es 13.600 Milliarden USD Schulden, berichtet die FED in ihrem „Flow of Funds Accounts“.

Ohh!

Noch ein paar Zahlen…

Seit Beginn der Rezession sind 7,2 Millionen Jobs „verloren gegangen“.

Von 306 Millionen US-Amerikanern stehen 83,2 Millionen dem Arbeitsmarkt „nicht zur Verfügung“, steht in den Statistikbögen.

Von allen im erwerbsfähigen Alter arbeiten 58,8 Prozent der Leute.

US-Löhne sanken im August um 7,1 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.

Die Sparrate steigt in den ersten acht Monaten 2009 auf jetzt vier Prozent.

Die Zwangsversteigerungen bei Immobilien steigt auf Jahressicht um 29 Prozent.


Wo liegt Amerika?

Wie machen das die US-Amerikaner das bloß? Sie nehmen weniger Kredite auf, finden weniger Jobs, die schlechter bezahlt werden, und arbeiten mit 33 Stunden pro Woche so wenig wie seit 45 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig kaufen sie aber angeblich mehr Dinge und und sparen nebenbei auch noch..

Hmmm… Sagen Sie bitte, wo geht es nach Amerika? Das Amerika, von dem immer berichtet wird, muss sich in einer anderen Galaxie befinden. Dort scheint immer Weihnachten zu sein…

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