Morgen, Kinder, wird nix geben!

6. Dezember 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

… auch wenn Sie in diesen Tagen etwas anderes hören. Das ist normal in Zeiten, in denen sinnlose Prognosen für 2014 Hochkonjunktur haben. Eine Kostprobe?

Nächstes Jahr hat jeder Deutsche 586 Euro mehr in der Tasche. Halleluja! Und heute ist auch noch Nikolaustag! Na? Waren auch alle artig? Aber sicher. Was bleibt den Leuten schon übrig…

Alle Jahre wieder… Und die Zeit der Rück – und Ausblicke beginnt doch erst. Die Wahrsagerinnen von früher haben nichts anderes gemacht, als die Zukunft zu deuten, dabei haben sie mehr Wahres von sich geben als die Experten von heute. Ihre Bezahlung war damals schlechter als die der heutigen Experten. Zwar werfen sie keine Knochen mehr, aber sie beschmutzen Papier und belasten die Luft und meine Nerven.

Nach wenigen Wochen sieht immer alles ganz anders aus: Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Teuerung, Aufschwung, DAX. Ihre Glaskugeln sind trotz so vieler verfügbarer Daten nicht besser als die Prognose schwarzer Raben der dunklen Frauen aus dem Mittelalter. Aber die Leute scheinen so etwas zu mögen.

Je näher das Jahresende kommt, desto süßer werden die Aussichten bzw. die Wünsche. Es ist die Zeit, in der sich die Christstollen selbst gerne eine Insulinspritze setzen möchten. Aber es ist normal, je dunkler es draußen ist. Je kürzer die Tage, desto größer auch die Lügen. Wobei sich das Verhältnis zum Sommer hin umkehrt, wenn die Aussichten noch heller werden, je heller dann die Tage sind. 

So ist jetzt die GfK ist als Engel für Unbedarfte im Dauereinsatz. Eigentlich sind die Konsumforscher aus Nürnberg so etwas wie das Johanniskraut der Neuzeit. Die Stimmungsaufheller kommen regelmäßig zu Einsatz, vor allem im Dezember. Überhaupt gilt der Dezember als der Monat der großen Momente und noch größerer Versprechen.

Was bringt 2014?

Die Antworten liefern die Experten. Der Begriff ist nicht geschützt. Da werden Sie zwar nicht geholfen, aber es wie ein nicht zugelassenes Medikament, dessen Nebenwirkungen ein sofortiges Verbot nach sich ziehen sollte. In Bezug auf den eigenen Geldbeutel ist das etwas anderes. Da ist Optimismus angesagt, wenn das reale Mehr ausbleibt. Also werden jetzt wieder die Geldbeutel verbal gefüllt und von anderen real geleert, während man freudig dabei zusehen kann.

So erstaunt mich doch eine neue Studie der GfK, wonach jeder Deutsche im kommenden Jahr 586 Euro mehr in der Tasche haben soll. Ein Hoch auf die Statistik, die Phrasenmäher und die Meister falsch justierter Rechenschieber. Das sind zusätzliche 1,60 Euro am Tag! Es sind endlich mal wieder richtig gut gehen lassen, wenn es denn so käme.

Die GfK sagt für 2014 steigende Kaufkraft bei stagnierenden Löhne und steigenden Preisen voraus, also so etwas wie Mischwetter bei gefühlten 30 Grad und Blitzeis. Und wissen Sie, was das Beste an allem ist? Es steht überall geschrieben. Und weil es überall geschrieben steht, glaubt es auch jeder. Doch Moment…

Nominal rechnet die Zentrale zur Erzeugung statistischer Wunder (GfK, Deckname „ZESW“) mit einem Plus bei den Einkommen von 2,85 Prozent und einer Teuerung von 1,7 Prozent. Ich liebe diese Prognosen im Dunst von Glühwein und Räucherkerzen, vor allem wenn die Prognosen später wieder korrigiert werden. Theoretisch bleiben also 1,1 Prozent mehr Kaufkraft übrig. Dabei frage ich mich, warum man das Ding eigentlich Kaufkraft nennt, wenn diese Kraft immer kraftloser wird? (Seite 2)

 

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14 Kommentare auf "Morgen, Kinder, wird nix geben!"

  1. FDominicus sagt:

    Also ich fand die Zeit in der Herr Meyer Satire schrieb „besser“ 😉 Also wo haben Sie Herrn Meyer versteckt? Herr Meyer würde doch niemals die Wahrheit so schreiben.

  2. Schubidu sagt:

    Wie immer voll ins Schwarze getroffen, Herr Meyer. Übrigens, Ihr Buch habe ich gelesen und kann es vorbehaltlos weiterempfehlen. Ich werde es an Weihnachten auf jeden Fall verschenken und hoffe, dass der Leser die vielen „politisch unkorrekten“ Statements versteht. Weiter so!

  3. Avantgarde sagt:

    Und hier mal die nüchternen Zahlen vom Statistischen Bundesamt:

    „WIESBADEN – Die Einzelhandelsunternehmen in Deutschland setzten im Oktober 2013 nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) nominal 0,8 % mehr und real 0,2 % weniger um als im Oktober 2012. Beide Monate hatten jeweils 26 Verkaufstage. Im Vergleich zum September 2013 lag der Umsatz im Oktober kalender- und saisonbereinigt (Verfahren Census X-12-ARIMA) nominal um 0,4 % und real um 0,8 % niedriger.

    Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2013 nominal 3,9 % und real 1,1 % mehr um als im Oktober 2012. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten nominal um 4,2 % und real um 1,5 % höher als im Vorjahresmonat. Im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln wurde dagegen nominal 0,3 % und real 2,8 % weniger umgesetzt als im Oktober 2012.

    Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln lagen die Umsätze nominal 1,4 % und real 1,5 % unter den Werten des Vorjahresmonats.

    Von Januar bis Oktober 2013 wurde im deutschen Einzelhandel nominal 1,5 % und real 0,2 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum umgesetzt.“

    Aber klar doch kann ich immer und jederzeit die Hypothese aufstellen, daß nächstes Jahr wie immer alles besser wird und die Menschen ausschweifend konsumieren werden bis der Arzt kommt.
    So ist das halt im Wirtschaftswunderland…

  4. Avantgarde sagt:

    Und:

    „WIESBADEN – Im dritten Quartal 2013 verringerten sich die deutschen Ausfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,8 % auf 272,6 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, lag der Ausfuhrwert für den Zeitraum Januar bis September 2013 bei 817,9 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 0,9 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert entspricht.“

  5. bluestar sagt:

    Wenn mehr konsumieren in einer Überflussgesellschaft als Fortschritt angesehen wird, dann ist doch allen hoffentlich klar auf welcher Stufe der Evolution wir uns befindet, oder ?
    Mehr, mehr, mehr, schneller, schneller, schneller, das wird als Fortschritt verkauft und die Mehrheit der Primaten glaubt an diesen geistigen Müll auch noch.

  6. FDominicus sagt:

    Definieren Sie Überflussgesellschaft. Wie kann es Überfluss geben wenn doch wohl die Mehrzahl gerne etwas mehr hätte? Was ist überflüssig? Das 1 te, 2 te oder 3 te Mobiltlefon? Oder die 2 te Brotschreibe? Bei der ersten oder bei der vierten Hose. Wieviel Schuhe darf ich haben bevor es zuviele sind?

    Mehr, mehr. Nun wer will denn speziell immer mehr haben. Mehr Abgaben, mehr Bevormundung und mehr Enteignung. Warum? Wo doch alles im Überfluss da ist.

    Was ist denn die bessere Stufe der Evolution? Wenn wir all aufhören etwas zu essen?
    Es ist Ihnen offenbar nicht aufgefallen, daß ein Mensch alleine für seinen Erhalt etwas verbraucht. Wie man das übersehen kann ist mir völlig unverständlich…

  7. bluestar sagt:

    Ihnen ist leider nicht aufgefallen, dass ich nicht vom Erhalt der Grundbedürfnisse eines Menschen spreche sondern vom Überfluss. Die ganzen sinnlosen Dinge und den Müll die sich der normale verwöhnte Durchschnittsdeutsche in den Mund und in den Kopf schiebt aber sein dauerhaftes Glücksgefühl nicht verbessern.
    Es geht nicht darum ob die Mehrheit gerne etwas mehr hätte; denn jeder möchte gerne alles und das auch noch sofort und ab morgen dann noch mehr.
    Mehr Ausgaben, mehr Schulden, mehr Bevormundung, mehr Steuern, mehr Enteignung, mehr Bestrafung, mehr Bürokratie, mehr Gängelung, mehr Abhängigkeit,
    mehr Regulierung, mehr Umverteilung. Genau das sind die negativen Folgen wenn
    alle mehr haben wollen und der Staat dabei als Heilsbringer und Erfüller aller Wünsche und Bedürfnisse ( sogenannter „Sozialstaat“ ) von der Masse anerkannt wird.
    Freiheit, Unabhängigkeit, Eigenverantwortung, Bescheidenheit, Genuss, Niveau – das
    ist in der auf ständig erhöhten Konsum getrimmten Überflussgesellschaft uninteressant.
    Geiz ist geil ist das Motto, auch wenn es Arbeitsplätze im eigenen Land vernichtet.
    Mehr, mehr, mehr, neu, neu, neu,noch mehr, noch mehr – Müll, Dreck, Schulden, Sklaverei.

    • FDominicus sagt:

      @Bluestar: “ Die ganzen sinnlosen Dinge und den Müll die sich der normale verwöhnte Durchschnittsdeutsche in den Mund und in den Kopf schiebt aber sein dauerhaftes Glücksgefühl nicht verbessern.“

      Und das entscheiden Sie? Sie wissen „natürlich“ was das „dauerhafte Glückgefühl“ verbessert. Genau diese Arroganz verachte ich derzeit so, danke für den neuerlichen Beweis….

      • bluestar sagt:

        @FDominicus
        Ich habe niemals den Anspruch formuliert entscheiden zu wollen was andere Menschen tun und lassen sollen. Insofern ist Ihre Frage aus der Luft gegriffen.
        Von mir aus können die Menschen konsumieren was und wie viel sie wollen, auch materiellen und geistigen Müll und auch ihre Freiheit an den Staat abgeben.
        Jeder ist für sein Handeln und deren Folgen selbst verantwortlich.

  8. Avantgarde sagt:

    @bluestar

    Ein anhaltendes Nullwachstum oder gar eine Schrumpfung in unserem Wirtschaftssystem bedeutet den sicheren Zusammenbruch.
    Das ist systemisch bedingt und hat nichts mit den eigenen Präferenzen zu tun.

    Ob das Mindestwachstum nun bei 1,2 oder 3% liegt mag noch strittig sein – nicht diskutabel ist aber, daß die Wirtschaft entweder wachsen muß oder zusammenbricht.

    Wachstum könnte aber auch durchaus etwas Umwelt – und Sozialverträglicher stattfinden.
    Wo das Wachstum stattfindet ist letztlich egal – Hauptsache die finanziellen Mittel werden beständig umgewälzt – gut wäre es wie gesagt wenn man das Wachstum in möglichst verträgliche Bereiche lenken kann.
    Da sind wir vielleicht sogar einer Meinung.

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