Ohne Moos nix los… Ein Money-Fest…

26. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Beschäftigung mit dem Thema Geld und dem damit verbundenen Wahn und (Un)sinn ist leider keine einfache Sache. Es braucht Zeit in Zeiten, in denen es das Geld immer eilig hat. Solange unser „Geld“ aus der Wand kommt, wird kaum einer nachfragen, was da aus der Wand oder aus der Steckdose kommt…

Ich setze bewusst Anführungszeichen, denn mit Geld hat das „Geld“ heute nicht viel zu tun und ist dennoch welches. Wir nennen es so –  mangels Vergleich halten wir es für das. Solange wir glauben, dass es einen Wert hat, funktioniert das mit den Zetteln und den digitalen Verrechnungseinheiten auf dem Konto.

Es heißt: Erst geht das Geld kaputt, dann die Wirtschaft und am Ende die Gesellschaft – gefolgt von einem Neustart. Wir haben bereits mit einem Geld begonnen, dessen Sargnagel in der Schöpfung mit in seine Wiege gelegt wurde – der Zins. Wenn es um Krisen geht, dann geht es meistens um den Ausfall von Zinszahlung und Rückzahlungen, gefolgt von einer Pleite und dem Ausbuchen der Schulden beim Gläubiger. Danach kommt die Pleite. Das ist auch der Grund, warum wir in inzwischen zinslosen Zeiten leben.

Es wird uns täglich erzählt, die Lage wäre im Griff und es scheint auch so. Diese Überzeugung ist so stark, dass Chefvolkswirte großer Banken die Krisen für beendet erklären, weil sie es sich wünschen, weil sie es müssen oder weil es ihnen so oft gesagt wurde, dass ihnen keine andere Wahl bleibt. Wenn sie sich nicht wundern, reden sie. Und wenn sie reden, müssen sie sich nicht wundern. Außer die Erklärer von purem Sonnenschein sind überrascht. Und dann reden sie wieder – was mich dann wieder wundert. Egal…

Wir werden nicht das bekommen, was wir uns wünschen, sondern das, was wir verdienen. Außer natürlich, unsere lieben Notenbanker und Politiker schaffen es endlich mal, die Naturgesetzmäßigkeiten auszuhebeln. Spätestens bei der Mathematik werden sie scheitern.

Die letzten Jahre haben nicht nur die Nützlichkeit unseres „Geldes“ gezeigt, sondern auch die Gefährlichkeit des Geldsystems. Inzwischen gehören seine Auswüchse zur Normalität. Manchmal war es knapp. Mit einer Sache allerdings, wurde ich überrascht –  dass man mit Rechtsbrüchen die Fehler noch größer machen konnte. Ich hätte doch wissen müssen, dass mangels solventer Nachschuldner letztlich die Notenbanken Schuldpapiere aufkaufen werden, um das Zinsniveau am Boden zu halten.

Oder brauchen wir diese „Krisen“ sogar, um Rechtsbrüche, als alternativlos scheinende Mittel, zu legitimieren?

Heute bin ich mir sicher, wir stehen erst am Beginn des Umbaus mit weniger Freiheit – und wo „Scheitern ist keine Option“ auf den Fahnen weht. Damit werden die Fehler nicht bereinigt, sondern nur die Fallhöhe etwas größer. Ob wir dann aus dem 48. oder 58. Stock fallen, spielt ohnehin keine Rolle, wenn es an das Ausbuchen der Schulden geht, das Umbuchen unmöglich geworden ist. Ist es nicht sogar hilfreich, dass die Leute nicht wissen was „Geld“ ist? Selbst in der NSA wird man kaum wissen was Geld ist. Denn sonst würden die Leute in den Überwachungsstellen nicht das tun, was sie tun – für Geld.

Geld, Geld, Geld?

Es gibt vermutlich zwei wichtige Dinge in jedermanns Leben: Seine Gene zu verteilen und dem Geld nachzujagen. Letzteres bringt allerhand erstaunliche Beobachtungen: Man tauscht seine Zeit und Arbeitskraft am Ende eines Monats für 50 Gramm Baumwolle ein. Ist das nicht verrückt? Solange aber die meisten der Baumwolle hinterher rennen wollen bzw. wegen ihrer Verpflichtungen hinterher rennen müssen, funktioniert es. Ich bin überzeugt, dass die Leute irgendwann erkennen worum es sich bei unserem „Geld“ handelt. Je früher man dem allgemeinen Trugschluss entkommt, dass es sich bei heutigem Geld ohne inneren Wert um eine „Fata Moneyana“ bzw. einen Kettenbrief handelt, desto besser.

Und das ist genau der Grund, warum ich in Zeiten des finanziellen Analphabetentums mein „Money-Fest“ geschrieben habe, wohl wissend, die Leute werden ohnehin nur das lesen und hören, was sie auch lesen und hören wollen. Zudem leide ich an der Überzeugung, jeder wäre für sich selbst verantwortlich. Etwas Rüttelei an den Synapsen kann in Zeiten der Zerstreuung und Überwachung wenig schaden.

Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten

MinaturMoneyfestDie Leser des Blogs und diejenigen, sie hinter das Geheimnis des Geldes steigen möchten oder gestiegen sind, werden wissen, dass es nich einfach ist, Geld zu verstehen, obwohl es doch einfach erscheint. Innerhalb eines Tages lässt sich die Sache nicht begreifen. Es ist ein Prozess, der, so wie mir scheint, auch nach Jahren noch nicht abgeschlossen ist. Es gibt Alternativen zum Schuldgeld und sei es das von mir weniger favorisierte Schwundgeld, oder das Regionalgeld. Unser Hauptgeld ist Schuldgeld. Es entsteht bei der Kreditschöpfung und es verschwindet, wenn Kredite zurückgezahlt werden. Es ist ein Kontrakt mit Endlichkeit. Dieser muss ständig erneuert werden, wofür Nachschuldner gebraucht werden. Und es taugt im Laufe der Zeit immer weniger als Wertaufbewahrungsmittel… (Seite 2)

 

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6 Kommentare auf "Ohne Moos nix los… Ein Money-Fest…"

  1. cubus53 sagt:

    Die Frage, wann unser Geldsystem kollabieren wird, ist schwer zu beantworten. Zum Vergleich verweise ich auf die Geschichte der Adele Spitzeder, die 1870 in Bayern eine Privatbank gründete und den Anlegern einen Zins von 10% versprach. Am Anfang konnten die Zinsen noch aufgebracht werden, natürlich nur deshalb, weil immer mehr Menschen bei dieser Bank Geld anlegten.

    Die Anleger wurden am Ende um ihr Geld betrogen, es war eben nur ein Schneeballsystem. Frau Spitzeder machte sich mit dem Geld ein schönes Leben. Sie soll eine sechsspännige Kutsche gehabt haben, König Ludwig nur eine vierspännige (eventuell nur eine Legende). Die sechsspännige Kutsche erinnert mich an die heutigen Paläste der Finanzindustrie. Wer hat die erarbeitet ? Die Anleger oder die Banker ?

    Frau Spitzeder flog auf, als mehrere der Anleger die Einlagen gleichzeitig zurück haben wollten. Die Pleite der Frau Spitzeder zog übrigens schon damals weite Kreise. Gemeinden, das Bankensystem und die Wirtschaft stürzten in eine Krise, viele Anleger begangen Suizid.

    Heute ist es nicht anders. Das Schneeballsystem wird durch die Notenbanken kontrolliert. Das System Spitzeder überlebte zwei Jahre. Unser System wird länger leben, unter anderem aus zwei Gründen. Wenn der Anleger, der Markt Geld einfordern, können die Notenbanken problemlos neues Geld erschaffen. Das konnte Frau Spitzeder nicht. Sollte es dennoch mal zu einer „Panne“ kommen wie z.B. im Falle der Lehmann-Bank, können die Politik und die Notenbanken konzertiert Beruhigungspillen ausgegeben. „Das Geld der Sparer ist sicher“ (Merkel/Steinbrück) oder „Der Euro wird gerettet, koste es was es wolle“ ( Draghi).

    Diese politische Macht hatte Frau Spitzeder natürlich nicht. Es kann also noch sehr lange dauern, bis die Pleite, die längst Realität ist, in der Tagesschau verkündet wird.

  2. philly sagt:

    “ Ich benötige ein anderes Speichermedium für Überschüsse als die Bits und Bytes oder Baumwolle.“

    Nein, lieber Herr Meyer. Sie sind kein Goldbug. Sie sind ein Freegoldbug. Man kann den Evolutionsprozess in Ihrer Denke fast sehen. Sind Sie auch auf dem „Goldtrail“ gewandert? Sind bei Another/FOA/FOFOA in die Lehre gegangen?
    Falls nicht, empfehle ich Ihnen und Ihren Lesern folgende Einführungslektüre:
    http://matrixsentry.files.wordpress.com/2012/01/aquilus-matrix-freegold-101-an-intoduction.pdf
    und dann in Tiefe hier:
    http://www.usagold.com/goldtrail/archives/goldtrailone.html
    Sie werden es nicht bereuen!

    lg philly

  3. Skyjumper sagt:

    Und wieder einmal ein nach meinem Verständnis sehr guter Artikel. Allerdings könnte er noch besser auf den Punkt kommen.

    Qua Definition hat Geld DREI Funktionen. Und das schöne an unserem derzeitigen System ist, das mich niemand zwingt alle drei Funktionen mit einer Sorte Geld abzudecken.

    1. Funktion = Tausch-/Zahlungsmittel
    Hierfür ist mir das Fiatgeld sehr lieb. Theoretisch könnten es auch Kaurimuscheln, Bitcoins oder irgend etwas anderes Obskures sein. Aber bisher gab es noch nie etwas was so pragmatisch und unproblematisch war wie die bedruckten Baumwollzettel und die Zahlen auf irgendwelchen Kontoauszügen. Wohlgemerkt: Für diese eine Funktion.

    2. Funktion = Recheneinheit
    Sinngemäß gilt auch hier das bereits zur 1. Funktion gesagte. Mehr Kontinuität wäre zwar wünschenswert, aber sie ist nicht zwingend erforderlich. Je volantiler unsere Währungen sind/werden (und zwar sowohl gegeneinander, als auch im Bezug auf reale Güter) um so geistig flexibler muss man bleiben um da noch mitzukommen. Ab einer gewissen Volantilität würde eine Währung diese 2. Funktion nicht mehr erfüllen, dann verschwindet sie in der Regel auch ganz schnell.

    3. Funktion = Wertspeicher (noch korrekter wäre vielleicht Leistungsspeicherung)
    Wie Herr Meyer schon schreibt, und das ja nun nicht erst seit Heute, erfüllt unser derzeitiges offizielles Geld diese Funktion immer schlechter. Allerdings ist das kein Grund um nun in allzu lautes Wehklagen auszubrechen. Mit ein klein wenig Intelligenz und Interesse kann man das a) erkennen, und b) entsprechend handeln. Ich muss nämlich meine Werte nicht in € / $ / Yen / usw. aufbewahren. Und sowie ich meine Werte in anderen, mir geeigneter erscheinenden, Formen speichere, ist diese Fehlfunktion unseres derzeitigen Geldes für mich egal geworden.

    Tatsächlich darf man sich sogar (wenn auch nur ganz leise und im Keller) darüber freuen wenn es der Masse der Bevölkerung an den Kragen geht. Das ist zwar moralisch verwerflich, aber letztlich hat Geld noch eine indirekte 4. Funktion: Die Menge an Geld über die ich verfüge definiert in unserer Gesellschaft den Rang in der Hackordnung an dem ich stehe. Und dabei kommt es nicht auf die absolute Menge an, sondern auf meine Menge im Verhältnis zu der Menge anderer. Je mehr andere Menschen verlieren, um so besser stehe ich selbst bei unveränderter Menge da. Und auch wenn es vielen zur Zeit vielleicht unmöglich erscheint dass unsere Gesellschaft überlebt – auch wenn das Geld sich ändert, die Gesellschaft bleibt. Davon zumindest gehe ich noch aus.

    • Michael sagt:

      Denke der Trick ist dem Menschen vorzugaukeln etwas wäre wertvoll. Ein hoher Preis ist wenn überhaupt wertvoll für den Verkäufer. Auf Seite des Käufers heißt ‚wertvoll‘ eher teuer.

      Gaunereien in der Finanzindustrie, die Kleinbetrügerei am Bankschalter und im Beraterraum, basieren an sich auf dem präsentieren von Bewertungen und dem suggerieren von steigender Werthaltigkeit.

      Der Preis eines Fonds thesaurierend vorzüglich wird gepriesen mit, ‚Ist gestiegen‘. Diese Charts zeigen gerne nach oben.

      Würde der sog. ‚Finanz’berater sagen, ‚Der Fonds ist immer teurer geworden‘ könnte der Kunde auf die Idee, dass das der Fons auch billiger mal hergeht.

      Ähnliches gilt für Aktien genauso. Wer kauft denn bitte am Markplatz am Abend noch das faulige Gemüse zum doppelten Preis. Der Vergleich ist angesichts der Vorkommnisse des letzten Jahrhunders durchaus gerechtfertigt. Die Fäulnis ist in dem Fall noch dazu über die Bewertung, den Preis, definiert und nicht zwingend über Probleme in der Substanz allein. Die Wäre fault, da sie zu teuer wird. Nicht erfüllte Gewinnerwartung ist nicht zwingend ein Problem in der Substanz. Das Problem sitzt eher zwischen den Ohren des Analysten.

      Die Logik der Aktienbewertung ist eher, ich verkaufe ihnen die Festplatten zum doppelten Preis, da sie morgen die doppelte Datenmenge draufschreiben. Das heißt Inflationsschutz. Der Verkäufer schützt sich vor der Inflation. Da wäre der halbe Preis die bessere Alternative für den der Kauft.

      Diese Konvertierung in Sachgüter ist auch mühseelig. Aber potentiell stimmts. Unser ‚Geld‘ funktioniert ganz gut zum Ausgleich kurzfristig orientierter Transaktionen.

      Der Gauklertrick ist an sich – die Bank macht die Logistik der offiziell anerkannten Zahlungsmittel und damit wird der Eindruck erweckt die Geldscheine (selbst die sind für uns bereits Scheingeld für die Bank vs. Zentralbank noch nicht ganz) seien gleichbedeutend mit einer beliebigen Zahl auf Papier jeder Form versehen mit einer nicht stabilen nicht existenten ‚Maßeinheit‘.

      Zumal wir im Leben uns wohl auf stabile Messgrössen verlassen, sei der Urmeter genannt (zumindest in unserem Bezugssystem), so wäre es an sich günstig auch hier mal zu messen. Schauen bevor man kauft.

      • Michael sagt:

        Was wäre das für eine Kreuzung über die man nach 10 Jahren bei gleicher Geschwindigkeit doppelt solange brauchte sie zu überqueren. Die Ampel sei es die Kaufkraft schaltet immer innerhalb einer absoluten/konstanten Zeitspanne um.

  4. bluestar sagt:

    „Der Kredit wurde notleidend“
    Daran sind aber nicht Immobilien Schuld sondern die Kreditnehmer. Meist beginnt so etwas mit tollen Einweihungspartys, die ja meistens zur Bewunderung durch die Gäste veranstaltet werden. Statt dem Haus für 250.000.- hätte es ja vielleicht auch eine ETW für die Hälfte gemacht, dann ohne Party mit bewundernden Gästen.
    Wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, kommt meist die Lehrstunde.
    Grundsätzlich ist die selbst genutzte, lastenfreie Immobilie aber ein sehr wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. Allerdings sollte man da schon ein paar wichtige Regeln und Fallen kennen, so wie bei jedem anderen Investment auch.

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