Mogelpackungen

26. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Es scheint, als wäre das halbe Leben voller Mogelei. Ob es sich bei der anderen Hälfte um Wahrheit handelt, ist noch nicht geklärt. Überall das Gleiche: In Kaufhäusern, Politik, Wirtschaft, im Finanzmarkt oder in der Liebe: Meist geht es um ein Vortäuschen nicht vorhandener Eigenschaften. Der Preis, den man bezahlt, ist meistens zu hoch…

Lügen sollen kurze Beine haben. Wäre dem so, würde die Zahl der Knochenbrüche in der Politik in den letzten Wochen exorbitant gestiegen sein. Und Bernanke würde mit seinen Kollegen vergipst in Kameras schauen. Keine Zeitung könnte dieses Phänomen mehr ignorieren. Die Nachrichtensendungen wären eine Dauerschaltung zum „Krankenhaus am Rande der Stadt“ oder in die Schwarzwaldklinik. Ich finde das mit den Lügen aufregend, interessant und manchmal sogar unterhaltsam. Egal, wie man es dreht, es kommt offenbar darauf an, damit durchzukommen.

Doch es gibt Widerstand. Wollen Sie dabei sein? Dann werden Sie doch Verbraucherschützer! Das ist ein krisenfester Job wie der von Robin Hood, wenn auch nicht so gefährlich. Und dann machen Sie sich auf die Suche nach Mogelpackungen und tun Sie empört. Die Bürger dürften sich dafür interessieren. Dank des Internets spricht sich ja vieles schnell herum. Und Mogelpackungen sind in Mode gekommen.

In guter Absicht

Was haben Kekse, Chipstüten und Kosmetika gemeinsam? Oft ist darin mehr Luft als Inhalt. Damit wirkt die Ware attraktiver für Konsumenten. Nicht anders ist es am Finanzmarkt, wobei die Finanzprodukte oft mit heißer Luft verpackt werden. Sie kommen in Hochglanzprospekten daher und basieren auf einer noch größeren Mogelpackung, dem Geldsystem, welches auf Schulden aufgebaut ist und permanent wachsen muss. Verantwortliche reden immer vom Vertrauen wie Pfarrer von der Kanzel von Heiligen Geist. Der Unterschied ist nicht so groß, außer dass die Kirche bisher nie Beweise liefern musste. Nicht umsonst ist sie älter als das Finanzsystem, denn das scheitert in der Regel nach einer gewissen Zeit, was man in vielen Büchern nachlesen kann. Und dann Gnade Gott…

Das mit den Ratschlägen von Experten finde ich interessant und vermute, dass die meisten in guter Absicht unterwegs sind. Sie analysieren das Bild auf der Kinoleinwand, ohne sich um den Filmvorführer zu kümmern. Kommen sie mit Tipps daher, wie man Geld vermehren kann, erinnern sie mich an Kinderüberraschungs-Eier. Beim Auftauchen von „Standardabweichungen“ sind die Experten meist ratlos. Gut gemeint ist eben immer noch das Gegenteil von gut. Leider wohnt den meisten Finanzkonstrukten heute ein Zauber inne. Später kriecht der oft aus dem Zylinder, wie ein altersschwacher Hase mit Schnupfen… (Seite 2)

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