Mittelstands-Titanic rammt jeden Eisberg

26. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Debakel bei den so genannten „Mittelstands-Anleihen“ setzt sich fort. Viele Unternehmen, die sich mithilfe der wohlklingenden Bezeichnung Geld besorgt haben, verbrennen es mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Die Tragödie erinnert schon jetzt an den Neuen Markt…

Die Chance auf einen glücklichen Verdoppler fehlt allerdings, dafür kann aber immerhin trotzdem alles verlieren …

Während Baumarktketten schon mit oft zitierten Aktionen à la „20% auf alles“ unter die Räder kamen, begnügen sich viele Käufer von „Mittelstandsanleihen“ meist mit rund 7 Prozent. Offenbar wird ohne auch nur einen kurzen Blick auf die Bilanz eines Unternehmens zu werfen, Geld in dessen Anleihen gesteckt, weil sie einen augenscheinlich hohen Zins abwerfen. Angesichts oft trauriger Bilanzen und der der entsprechenden Risikoprofile, die einem die Tränen in die Augen treiben, sind 7% oder auch 8% jedoch oft geradezu lächerlich niedrige Renditen. Einen Ausgleich für die eingegangenen Risiken sollte man sich von diesen Kupons nicht erhoffen.

Die klaren wirtschaftlichen Probleme vieler Firmen sind offensichtlich. Auch eine mehr oder weniger geschliffene Werbebotschaft rund um das Wörtlein „Mittelstand“ kann das nicht übertünchen. Aber dieser Begriff soll vermutlich Bodenständigkeit und Solidität vermitteln. Warum Käufer das glauben, bleibt nebulös. Wenn ein Finanzchef eines Unternehmens mit schwacher Bilanz und dürren Cash Flows ankündigt, er würde sich gerne unabhängiger von seiner Bank machen, und seine „Finanzierung diversifizieren“ ist Vorsicht geboten.

Meistens wird wohl eher anders herum ein Schuh draus, denn so manche Bank wäre vermutlich froh, nicht jedem Geld geliehen zu haben. Für die letze Finanzierungsrunde ist dann der Kleinanleger zuständig. Selbst die unfähigste Unternehmens benötigt natürlich eine ganze Weile, um 30, 50 oder 100 Millionen durchzubringen. Das hat den unschönen Nebeneffekt der Entkopplung, da viele Firmen eine gewisse Zeit brauchen, bis sie umkippen. Die Frage, wer denn vorher die Firmen finanziert hat, stellt sich dann kaum jemand.

Schlussendlich wird natürlich niemand zum Kauf von Schrottpapieren gezwungen, aber über die Art und Weise der Darstellung darf man sich schon Gedanken machen. Aber diese Aufgabe werden, wenn es bald noch dicker kommt, die Gerichte übernehmen.

Es folgt der Blick auf einige Hauptdarsteller der vergangenen Wochen. Beim Betrachten der Charts sollte man im Hinterkopf behalten, dass man neben den laufenden Zinsen am Ende der Laufzeit maximal sein Geld zurückbekommt. Ein EM-TV Tulpenmärchen gibt es hier nicht. Aber das Gegenteil… (Seite 2)

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