Mit was die Straße in die Hölle gepflastert ist

10. November 2012 | Kategorie: Gäste, Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) Die Welt zu verbessern kostet Geld. Wenn man es hat, dann tragen die eigenen Bemühungen entweder Früchte. Oder sie tun das nicht. Aber wenn man kein Geld hat, wenn man die Welt auf Kredit verbessern muss, was dann?

John Maynard Keynes revolutionierte die Volkswirtschaftslehre zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er änderte die Volkswirtschaftslehre mehr als jeder andere von einem Refugium für Beobachter und Philosophen hin zu einem Platz für „Männer der Tat“. Aber die große Einsicht von Keynes – wie die nützlichen Einsichten der Volkswirtschaftslehre generell – basierte auf einer Geschichte mit einer Moral.

Im Buch Genesis hatte der Pharao einen Traum. In dem stand er bei einem Fluss. Aus dem kamen 7 fette Rinder. Dann kamen 7 dürre Rinder aus dem Fluss und aßen die fetten Rinder. Einen ähnlichen Traum hatte er mit Getreide.

Der Pharao war verwirrt. Seine Traumdeuter ebenso. Deshalb ließ er einen jüdischen Mann kommen, der im Traumdeuten gut sein sollte – Joseph. Der Pharao beschrieb, was in seinen Träumen geschehen war. Ohne Zögern teilte Joseph ihm mit, was die bedeuteten. Die 7 fetten Rinder und die 7 fetten Ähren repräsentierten Jahre mit guten Ernten. Die 7 dürren Rinder und dünnen Ähren repräsentierten Jahre des Hungers. Joseph wurde zwar nicht danach gefragt, aber er gab dennoch seinen Rat: Der Pharao sollte eine aktivistische, anti-zyklische Wirtschaftspolitik durchführen. Er sollte den Output während der fetten Jahre mit 20% besteuern, und dann hätte er Getreide als Rücklage, wenn die Hungersnot kommen würde.

Genesis berichtet, was als nächstes passierte: Als die sieben guten Jahre endeten und der Hunger kam, da öffnete Joseph die Lagerhäuser, und die gelagerten Lebensmittel konnten an die Ägypter verkauft werden. Leute aus aller Herrn Länder kamen nach Ägypten, um Korn zu kaufen, da die Hungersnot überall auf der Erde stattfand.

Man sollte denken, dass private Investoren diese Arbeit effizienter verrichtet hätten, aus Gewinnsucht, indem sie Getreide bei niedrigen Preisen gekauft hätten und bei hohen Preisen (Hungersnot) verkauft hätten. Aber es besteht keine Notwendigkeit, an der biblischen Überlieferung zu zweifeln. Und nebenbei gesagt, das hört sich alles auch wahrscheinlich an.

Keynes hatte die simple Idee, dass moderne Regierungen wie der Pharao handeln sollten. Sie sollten antizyklische Fiskal- und Geldpolitik betreiben. In den fetten Jahren sollten sie Überschüsse erzielen. In den dürren Jahren sollten sie die Tore der Kornspeicher öffnen, damit die Leute essen können. Das scheint vernünftig zu sein, bis man realisiert, dass moderne Regierungen keine Überschüsse kennen. Nur Defizite.

Die USA hatten seit 1969 keinen Haushaltsüberschuss mehr (wenn man Social Security außen vor lässt). Das sind 43 Jahre ohne Auffüllen der Getreidespeicher. Nicht überraschenderweise kann man in die reinschauen. Man wird da nichts finden. Statt in den fetten Jahren Korn zu lagern, haben Regierung und Fed alles daraus gegessen. Und mehr als das. Jetzt, wo die Jahre der Dürre kommen, haben sie kein Korn, um es auszuteilen.

Das könnte das Ende der Geschichte sein. Aber das ist es nicht. Die Volkswirte bestehen darauf, dass die Regierung einer pharaonischen Politik folgen kann, selbst wenn die Getreidespeicher leer sind. Wie? Indem sie sich Geld leiht…und im Extremfall…selber druckt… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

Kommentare sind geschlossen