Mit Vollgas aufs Glatteis

18. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Je heißer der Markt für Firmenübernahmen läuft, desto skurriler werden die Bewertungen. So darf man sich wundern, wie sehr mancher Firmenkäufer sich über ein halbes Prozent weniger Zinsen für seine Kredite freut und gleichzeitig 50% Aufschlag beim Kauf aus dem Fenster wirft…

Trotz der Korrektur am Rentenmarkt bewegt sich das Volumen der Firmenübernahmen auf ein Rekordniveau zu. Schon die letzten Jahre waren nicht ohne, in Asien wurden neue Höchststände markiert und auch in Europa ließen sich die Unternehmen nicht lange bitten.

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Besonders die Pharmabranche war aktiv, aber auch alte Bekannte wie die Telcos stehen in der Rangliste weit oben. In diesem Jahr steht aber infolge der Verwerfungen durch den Ölpreiseinbruch der Energiesektor im Fokus.Hier wurden bereits neue Rekorde vermeldet.

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Nun sind Firmenübernahmen nicht generell eine schlechte Idee, sie dürfen jedoch nicht zum Selbstzweck oder Vehikel für das übersteigerte Ego der obersten Angestellten mutieren. Denn wenige Ideen sind auf Dauer teurer als schlechte Firmen in guten Zeiten zu kaufen. Das klingt logisch, wird aber leider selten als Handlungsanweisung verstanden. Zu groß ist die Sogwirkung gerade am Ende eines Bullenmarktes, also gerade zu dem Zeitpunkt, wenn auch so manche Depotleiche kurzfristig noch einmal zu zucken beginnt. Das gilt für Kleinanleger wie für Firmenchefs.

So schließt sich der Kreis zur vermeintlich alternativlosen Aktie. Es gibt einige Versionen, die zu dem merkwürdigen Schluss kommen, weil die Zinsen so niedrig seien, müsse man nun doch erst recht in Aktien investieren. Auch von vermeintlich „elitären“ Vermögensverwaltern liest man Sätze wie „wenn es keine Zinsen gibt, muss es halt die Dividende sein“. Bei einer derartigen Schlichtheit bleibt nur zu hoffen, dass die Portfolios der betreuten Kunden nicht mit der Hoffnung, es gäbe nur einen halben Zyklus und damit keine Verluste mehr, verwaltet werden.

Ob die Zahl der geplatzten Transaktionen als Indikator für eine rückkehrende Vernunft herhalten kann, darf bezweifelt werden. Oftmals wurden sich die Firmen über die Konditionen nicht einig. Man darf gespannt sein, ob nicht zukünftig manch ein Dankeskerzchen für das Scheitern einer Fusion angezündet wird.

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Ausschließen kann man eine wachsende Risikoneigung nach gestiegenen Preisen selbst angesichts der zahlreichen Debakel der letzten 15 Jahre leider nicht. Auch dies gilt für die Kleinen und Großen der Investmentwelt. Es ist übrigens, worauf wir regelmäßig hinweisen, keinesfalls eine generelle Abneigung gegen Aktien (oder andere Assetklassen) die uns angesichts solcher Ansätze die Stirn runzeln lässt. Allein aus der Abwesenheit der Möglichkeit eine wie auch geartete Zielrendite mit Zinspapieren zu erwirtschaften darauf zu schließen, mit Aktien sei das allein aus diesem Grund möglich ist fahrlässig. 

Jeder ist seines Glückes Schmied lautet ein ziemlich abgedroschener Satz. An den Finanzmärkten haben leider viele Marktteilnehmer den Schmiedehammer zweckentfremdet und damit ihre Aufmerksamkeit auf dem Amboss weich geprügelt. Bevor man gänzlich einschlummert, sollte man noch zur Kenntnis nehmen, dass es auch zukünftig wieder Verluste geben wird. Lediglich bei welchen Investoren diese anfallen ist noch nicht entschieden.



 

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