Mit Schwung in die Bullenfalle?

30. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Einige der Bullen vom Wochenbeginn könnten in Wirklichkeit ein Bärenfell tragen. Gut möglich, dass ein Teil dieser großen Adressen nur deswegen eingestiegen ist, weil schließlich jede Großbank ihre eigenen Fonds und Hedgefonds hat und diesen unmittelbar vor einem Quartalsende nicht ohne Not die Performance ruinieren will. Das wäre aber passiert, hätte man am Montag nicht entschlossen gekauft und so den Bruch der 200 Tage-Linien und/oder wichtiger Unterstützungen verhindert. Das würde bedeuten, dass genau diese Klientel nur darauf wartet, dass heute zum Handelsende das zweite Quartal und damit ihre Performance in trockenen Tüchern ist, um wieder auf der bearishen Seite aktiv zu werden. Was hieße, dass wir ein ähnliches Bild wie im April bekommen könnten, als plötzlich zu Beginn des neuen Quartals die Käufer ausblieben und die Aktienmärkte in eine Korrektur übergingen, siehe Chart des DAX.

Damals waren die Quartalsergebnisse noch dergestalt, dass sie am Gesamtmarkt Käufe hervorriefen und die Aufwärtsbewegung vom März dadurch ein zweites Bein bekam. Diesmal allerdings würde es mich sehr wundern, wenn die Quartalsbilanzen der Unternehmen dazu animieren würden, weiterhin einzusteigen!

Man müsste einfach wissen, wie viele derjenigen, die sich seit Montag bullish geben, in Wirklichkeit getarnte Bären sind. Aber nach wie vor kann niemand in die Köpfe all dieser Marktteilnehmer hineinsehen. Wir müssen es also abwarten … insbesondere der Freitag, der erste Tag des neuen Quartals, könnte da schon entscheidende Hinweise geben.

Aber insgesamt stellt sich mir die Situation derartig wackelig da, dass ich weiterhin davor warne, gar zu entschlossen auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung bei Euro, Rohstoffen und Aktien zu wetten. Das Risiko, dass diese momentane Rallye eine Bullenfalle ist … und möglicherweise sogar eine heftige, weil sie die letzte vor einer faktischen Trendwende der Börsen nach unten sein könnte … ist in meinen Augen, obwohl die Verkaufswelle nach der Abstimmung in Griechenland gestern wieder aufgekauft wurde, nicht einen Deut geringer geworden.

Es gilt aber zu unterstreichen: Ich kann mich irren! Ich sammle Indizien, trage Verdachtsmomente vor und versuche aus vielen Mosaiksteinchen, die sich indes Tag für Tag verändern, ein Bild zu machen. Im Augenblick zeigt es Gefahr an und eine Aufwärtsbewegung, die trügerisch ist wie Treibsand. Trotzdem darf man nicht auf die Idee kommen, dass eine jetzt getroffene Conclusio auch in einer Woche zwingend richtig sein muss. Die Gemengelage verändert sich permanent und viele auch große Adressen tun morgen das Gegenteil dessen, was sie vorgestern eigentlich tun wollten. Ob diese Aufwärtsbewegung wirklich eine Mausefalle ist oder wider meiner momentanen Erwartung weitergeht, werden wir erst sicher wissen, wenn es zu erneuten, starken Abverkäufen kommt, die nicht wieder aufgekauft werden können.

Mit besten Grüßen
Ihr Ronald Gehrt
(www.system22.de)

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4 Kommentare auf "Mit Schwung in die Bullenfalle?"

  1. DAX – eine Standortbestimmung…

    Durch den starken Anstieg des DAX der letzten Tage hat sich das Marktsentiment plötzlich geändert. Wo zuvor Angst und Krisenstimmung gewütet haben, sind diese nun einer Lösung der Schuldenkrise und einer möglichen Sommerrallye …

  2. Stuelpner sagt:

    „…dass heute zum Handelsende das zweite Quartal und damit ihre Performance in trockenen Tüchern ist,…“
    Wahrscheinlich ist tatsächlich das Hauptziel die Übererfüllung der Quartals- bzw. Halbjahresplans, dass soviele freundliche DAX-Signale ausgesendet wurden. Hätte nicht eigentlich der heute bekanntgegeben 2,8%ige Minus-Superkaufboom den DAX eher drücken müssen oder spielen solche äußeren Einflüsse schon gar keine Rolle mehr? Versteh ich nicht, werd doch kein Broker mehr.
    Jedenfalls was getürkt hochsteigt muss dann auch echt tieffallen in die „Bullenfalle“ bzw. Bärenhöhle, oder?
    Also wäre jetzt die richtige Zeit um einzusteigen, entweder in den DAX oder Riesterrente.

  3. wolfswurt sagt:

    Aktien aufgekauft von wem?

    In einem System, welches permanentes Wachstum und Aufschwung benötigt um Kreditgeld zu erzeugen und naturgegebener Maßen das Bedürfnis der Massen nach Wohlstandssteigerung erfüllen muß, ist die Frage leicht zu beantworten: die Inhaber der Macht.

    Diese sind zu finden in den Chefetagen der Banken, Großkonzernen, in diversen Denkfabriken und nicht zu vergessen die Marionetten unter der Kuppel in Berlin.

    Der Markt ist tot – es lebe das Regulativ!

    Gutes Beispiel die Banken in England, die Hypothekenrückzahlungen von Privaten und Gewerblichen strecken um ihre Ausfallrate nach unten zu drücken.

    Die weitere Entwicklung der Papierwerte kann nominal nur nach oben gehen, denn das Gegenteil wäre für das System das Ende.

    In der DDR pflegte man bis zum November 1989 in der Jahresmitte die stetig steigenden Produktionsergebnisse zu verkünden während in den Betrieben nicht genügend Rohstoffe vorhanden waren und selbst die Versorgung der Bevölkerung und Fernwärmekraftwerke mit Braunkohle im Winter 88/89 nur durch Verschieben der Vorräte quer durch die Republik gewährleistet werden konnte.

    Merke: bis zur letzten Minute muß das Gegenteil der Realität behauptet werden.

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