Mit Schwung in die Bullenfalle?

30. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Kombination Quartalsende / neues Geld als Sprungbrett … oder Mausefalle?

Aber eben diese entscheidenden Verkäufe am Montagmorgen wurden vehement aufgefangen. Noch in der Nacht, im asiatischen Handel, gab es weitere Abgaben, doch zu Handelsbeginn in Europa entstand plötzlich eine kräftige Kaufwelle. Warum? Nun, weil die Bullen unter den großen Adressen unbedingt handeln mussten und sich anhand der Struktur dieser Handelswoche hinreichende Chancen ausrechneten, erfolgreich zu sein. Die gestrige Abstimmung über das Sparpaket in Griechenland war dabei nur das Vehikel. Die entscheidenden Aspekte waren die berechtigte Erwartung, dass gezielte Käufe auch die bearishen Akteure unter den großen Adressen aufgrund des nahen Quartalsendes dazu animieren würden, zu versuchen, aus einer letzten Freitag noch aussichtslos scheinenden Lage doch noch eine einigermaßen gute Quartalsperformance zu erreichen, die sie ihren Kunden vorlegen konnten.

Damit das gelingen konnte, mussten auch sie sich an den Käufen beteiligen und haben immerhin den Erfolg, dass aus einem deutlichen Minus im S&P 500 im zweiten Quartal plötzlich nur ein kleines Minus geworden war. Und was den DAX anging, so stand dieser plötzlich sogar gegenüber dem 31. März im Gewinn.

Dass es in letzter Minute durch diese Käufe noch zu einer versöhnlichen Performance im zweiten Quartal kommen kann („kann“, da es ja erst heute endet) und dies auf positiv zu wertenden charttechnischen Formationen (Doppeltiefs) beziehungsweise verteidigten 200 Tage-Linien basierte, ist eine ideale Basis dafür, die großen Adressen zu locken, das per Freitag, sprich zu Beginn des dritten Quartals, neu zufließende Kapital so schnell wie möglich zu investieren, aus Angst, bei der „großen Rallye“ zu spät zu kommen.

Fazit: Die verbliebenen Bullen unter den großen Adressen haben ganz gezielt und bislang auch erfolgreich zurückgeschlagen und können – jedenfalls bis jetzt – mit Blick auf die gezielten Käufe vom Montagmorgen auf ansehnliche Gewinne blicken, die ihnen nervös eindeckende Bären, auf den Zug aufspringende kurzfristige Träger und hoffnungsschwangere Privatanleger durch ihre Käufe eingebracht haben.

Das ist die aktuelle Situation. Und das ist der Grund, warum die Gewinnmitnahmen vom gestrigen Nachmittag wieselflink wieder aufgekauft wurden. Man wollte und man musste das positive Bild seitens der Stimmung und in den Charts aufrecht erhalten, um zu erreichen, dass zum heutigen Quartalsende ein ansehnliches Ergebnis erhalten bleibt … und die Verlockung eines sofortigen Einstiegs mit neu zugeflossenem Kapital per 1. Juli ebenso.

Einen Penny für ihre Gedanken

Damit wissen wir, warum in den ersten drei Tagen dieser Woche passierte, was passierte. Vorausgesetzt, dass meine Überlegungen soweit richtig sind. Was wir nicht wissen – und das ist eben das Problem – ist, wie es nun weitergeht respektive weitergehen soll!

Denn sicherlich wird es eine Reihe von großen Adressen geben, die zu Wochenbeginn gezielt kauften, um tatsächlich einen neuen, großen Aufwärtsimpuls zu provozieren. Aber auch unter den Bullen bei den großen Adressen ziehen natürlich nicht alle an einem Strang. Und die meisten von ihnen dürften sich vollkommen darüber im klaren sein, dass die Chancen, einen wirklich ausnutzbaren Aufwärtstrend zu starten, angesichts der momentanen Gesamtlage und mit Blick auf die relativ bald beginnende Saison der Quartalsbilanzen einfach zu gering sind, um jetzt auf Biegen und Brechen weiter steigende Kurse zu erzwingen. Was hieße(—>Seite 3)

Homepage von Ronald Gehrt

 

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4 Kommentare auf "Mit Schwung in die Bullenfalle?"

  1. DAX – eine Standortbestimmung…

    Durch den starken Anstieg des DAX der letzten Tage hat sich das Marktsentiment plötzlich geändert. Wo zuvor Angst und Krisenstimmung gewütet haben, sind diese nun einer Lösung der Schuldenkrise und einer möglichen Sommerrallye …

  2. Stuelpner sagt:

    „…dass heute zum Handelsende das zweite Quartal und damit ihre Performance in trockenen Tüchern ist,…“
    Wahrscheinlich ist tatsächlich das Hauptziel die Übererfüllung der Quartals- bzw. Halbjahresplans, dass soviele freundliche DAX-Signale ausgesendet wurden. Hätte nicht eigentlich der heute bekanntgegeben 2,8%ige Minus-Superkaufboom den DAX eher drücken müssen oder spielen solche äußeren Einflüsse schon gar keine Rolle mehr? Versteh ich nicht, werd doch kein Broker mehr.
    Jedenfalls was getürkt hochsteigt muss dann auch echt tieffallen in die „Bullenfalle“ bzw. Bärenhöhle, oder?
    Also wäre jetzt die richtige Zeit um einzusteigen, entweder in den DAX oder Riesterrente.

  3. wolfswurt sagt:

    Aktien aufgekauft von wem?

    In einem System, welches permanentes Wachstum und Aufschwung benötigt um Kreditgeld zu erzeugen und naturgegebener Maßen das Bedürfnis der Massen nach Wohlstandssteigerung erfüllen muß, ist die Frage leicht zu beantworten: die Inhaber der Macht.

    Diese sind zu finden in den Chefetagen der Banken, Großkonzernen, in diversen Denkfabriken und nicht zu vergessen die Marionetten unter der Kuppel in Berlin.

    Der Markt ist tot – es lebe das Regulativ!

    Gutes Beispiel die Banken in England, die Hypothekenrückzahlungen von Privaten und Gewerblichen strecken um ihre Ausfallrate nach unten zu drücken.

    Die weitere Entwicklung der Papierwerte kann nominal nur nach oben gehen, denn das Gegenteil wäre für das System das Ende.

    In der DDR pflegte man bis zum November 1989 in der Jahresmitte die stetig steigenden Produktionsergebnisse zu verkünden während in den Betrieben nicht genügend Rohstoffe vorhanden waren und selbst die Versorgung der Bevölkerung und Fernwärmekraftwerke mit Braunkohle im Winter 88/89 nur durch Verschieben der Vorräte quer durch die Republik gewährleistet werden konnte.

    Merke: bis zur letzten Minute muß das Gegenteil der Realität behauptet werden.

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