Mit Pump fang an – mit Krach hör auf…

21. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Aktien steigen, alles steigt, auch die Rohstoffpreise und damit die Erzeugerpreise. Diese klettern mit 5,7 Prozent nach offizieller Lesart so schnell wie schon 30 Jahre nicht mehr. Kein Wunder, dass der Einzelhandel über das höchste Umsatzplus seit 17 Jahren jubelt…

Was bleibt den Verbrauchern übrig, als die Zeche der expansiven Geldpolitik zu zahlen? Sie sollten künftig mit noch höheren Kosten rechnen, sagen Experten, und zücken ihre Glaskugeln. Steigende Preise mit Optimismus zu verwechseln erinnert an die Titanic. Bevor das Schiff mit dem Heck versank, ging es mit dem Bug noch einmal steil bergauf. Ein gute Grund, Champagner und Häppchen zu reichen und die Party ihrem Höhepunkt entgegen fiebert. Der Rest ist bekannt. Und die Rente ist sicher.

Das Plus beim DAX von neun Prozent in drei Wochen ist beachtlich und sicherlich auch Grundlage für neue und noch bessere Nachrichten. Heute sorgen Kurse für Schlagzeilen und nicht umgekehrt. Die Musik dürfte wahrscheinlich bald noch lauter gestellt werden. In Sachen Wirtschaft besteht die Hälfte der Dinge aus Psychologie. Sind die Kurse schwach, kann die Losung folglich nur heißen: Esst mehr Pillen! Wann aber kommen die kaum verzinsten Guthaben auf den Konten in Bewegung? Preise und Optimismus werden dann noch weiter steigen.

Eine Jahreslosung der Evangelischen Kirche: „Gott ist kein Automat, in den ich oben Gebet hineintue und unten dann Erfüllung herauskommt – leicht zu verwechseln mit Geld und Börse. Dort ist Geld der Glaube oder umgekehrt. Und Geld wird heute eifrig geliefert wie damals der Champagner auf der Titanic.

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4 Kommentare auf "Mit Pump fang an – mit Krach hör auf…"

  1. crunchy sagt:

    Der Einzelhandel jubelt über das Umsatzplus.
    Wer fragt nach der Marge? Wenn König Kunde mangels Masse nur noch billig kann, wird es irgendwann auch die Erzeuger treffen. Über deren Aktienkurse sollte man mal nachdenken, wenn man zusammen mit Inflation Sachanlagen diskutiert…! Essen: billig! Reisen: billig! Wohnen: (bald) billig! Autos: billig! Wie heisst billig auf global? Oder sind da die Deutschen auch mal wieder Frontrunner wie mit „Kindergarten“ oder heute „Angst“?
    Bei Schlecker läuft ja alles nach Plan(insolvenz).
    Goldig schimmert der SilberPhil.

  2. Japan hatte auch diese Immobilienblase. Aber die Inflation blieb aus. Auch dort ist der Staat bis zur Halskrause verschuldet. Seit Jahrzehnten gibt es in Japan keine Geldentwertung.

    Es wird zwar immer vor der Inflation gewarnt, aber so wirklich sichtbar ist sie in Europa noch nicht.

    • mfabian sagt:

      Ich weiss nicht, ob man Japan 1990ff mit Europa/USA 2002ff vergleichen kann:

      * Japan konnte in den 1990ern seine Produkte in den boomenden Westen verkaufen. Diese Möglichkeit haben EU/USA Exporte derzeit nicht. Weltweit gehen langsam die Käufer aus.

      * Der Yen hat sich gegenüber dem Dollar verdoppelt. Würde man japanische Teuerung, Preise in Dollar rechnen, sähe es nicht mehr nach Deflation aus.

      * Japan ist eine Exportnation. Die USA sind eine Importnation.

      * Die Pumpenkohle der BoJ kam in der japanischen Wirtschaft nicht an, weil sie in den Westen floss, wo höhere Renditen mit Staatsanleihen zu erzielen waren. (Stichwort: Yen Carry Trade). Heute gibt es weltweit nur noch künstlich tiefe Renditen.

  3. rolandus sagt:

    Mit wenig Worten viel gesagt!

    Vieeln Dank udn Schön Gruß ins Ried
    rolandus

    p.s: Als Hamburger darf ich kurz richtig stellen, dass es das Heck der Titanic war. 😉

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