Mit Liquidität auf die Lauer legen

20. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Er (DSK) hat gewagt, den durch eine Sperrminorität der der USA von den Amerikanern abhängigen Internationalen Währungsfonds mit dem Ziel stärkerer Regulierung zu reformieren. Das kann man je nach Interessenlage als Schritt in die richtige Richtung oder aber als Affront gegen die USA interpretieren…

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den heutigen Beitrag ganz dem Thema Anlagestrategie zu widmen, die für uns alle selbstverständlich sein sollte, aber oft nur unzureichend realisiert wird. Doch wegen der Affäre um den zurückgetretenen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn muss ich Sie vorher unbedingt auf einen Punkt hinweisen, der in der ganzen Diskussion um Schuld oder Unschuld des Angeklagten unter den Tisch fällt: Er hat gewagt, den durch eine Sperrminorität der der USA von den Amerikanern abhängigen Internationalen Währungsfonds mit dem Ziel stärkerer Regulierung zu reformieren. Das kann man je nach Interessenlage als Schritt in die richtige Richtung oder aber als Affront gegen die USA interpretieren.

Mehr Regulierung bedeutet in diesem Fall unter anderem: Eingriff in den internationalen Kapitalverkehr. Außerdem: „Beschäftigung und Gleichstellung als Basis für wirtschaftliche und politische Stabilität, Wohlstand und Frieden“. (Zitat aus einer Rede von Strauss-Kahn, die er vor kurzem auf dem Höhepunkt seiner Karriere hielt) Er wagte sogar, dieses Credo als IWF-Auftrag und als Kern politischer Aufgaben darzustellen. So schafft man sich Feinde. Und wäre Strauss-Kahn nicht über die jetzige Affäre gestolpert, hätte es ihn früher oder später anderweitig erwischt. Das Thema Regulierung ist auf jeden Fall erst einmal vom Tisch. Das bedeutet für den IWF: zurück auf Los. Und für den internationalen Kapitalverkehr: Es darf weiter gespielt werden – mit Währungen, Anleihen, Aktien, Rohstoffen, Edelmetallen usw.

Womit wir bei Gold und Silber angekommen wären. Die jüngsten Zuckungen der Preise beider Edelmetalle bestätigen, dass die Auffanglinien nach unten, wie hier vor zwei Wochen prognostiziert, beim Gold zwischen 1500 und 1450 Dollar, beim Silber zwischen 35 und 30 Dollar halten dürften. Die Preise werden, wie zuletzt am Freitag geschehen, zwischendurch nach oben auszubrechen versuchen, dann aber wieder gestoppt. Die Kursschwankungen der Edelmetallaktien untermauern diese These.

Anlagestrategisch bedeutet das: Physische Bestände an Gold und Silber auf jeden Fall halten, Edelmetallaktien auspendeln lassen und vor 2009 gekaufte wegen der in diesem Fall nicht zu zahlenden Abgeltungsteuer im Zweifel lieber länger halten als die seit 2009 gekauften. Ich werde ab und zu von meinen Freunden gefragt, wie ich es mit der Liquidität halte. Antwort: Ich liebe sie. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wer in Börsenzeiten wie jetzt – Zinswende hinter uns, relativ hohe Kurse der gängigen Industrieaktien, Zockermentalität wie im Fall des LinkedIn-Börsengangs – über ein ordentliches Liquiditätspolster verfügt, sollte sich damit auf die Lauer legen und auf Kurschancen warten. Derweil verzinst sich das auf dem Konto liegende Tagesgeld mit steigendem Zinstrend immer höher.

Auf die Lauer legen, das erfordert allerdings sehr viel Zeit. Wer allein Kurscharts und Aktienkennzahlen auf den gängigen Internetseiten verfolgt, hat ja noch nicht die ganze Börsenweisheit mit Löffeln gegessen, sondern befindet sich erst am Anfang der Recherchen. Es folgen, um nur einfache Beispiele zu nennen: Zeitungs- und Zeitschriftenlektüre, Auswertung von Geschäfts- und Quartalsberichten, Ad hoc-Mitteilungen und – soweit verfügbar – Analystenstudien (am besten solche, die im Börsenjargon das Attribut „Buy Side“ haben und die man sich von Bankerfreunden besorgen lässt).

Bleiben wir zunächst noch etwas beim Thema Aktien. Zu den Recherchen gehören in diesem Fall natürlich auch Fachgespräche. Aber nicht solche von der Art, ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis X oder das Kursziel Y gerechtfertigt ist, sondern Gespräche – idealerweise mit Freunden, die in Unternehmen tätig sind und dort Einblick in die aktuelle Entwicklung haben – über Märkte, Produkte, Branchentrends, Manager, Betriebsklima, wichtige Kunden und Lieferanten. (—>Seite 2)

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