Mit Gold und Aktien auf Nummer sicher

14. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Der hier in der vergangenen Woche angekündigte Ausbruch des Gold- und Silberpreises nach oben ist schneller als erwartet gekommen. Die Begründung fällt zunächst scheinbar leicht: „Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten“, behauptete ihr Präsident Mario Draghi vor Finanzfachleuten in London. Daraufhin fielen die Kurse der Anleihen, stiegen die Kurse der Aktien und die Preise der Edelmetalle….

Denn Anleger wollen inzwischen kaum noch wissen, ob der griechische Patient ein Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende vor sich hat. Auch sind sie wenig erpicht, zu erfahren, welcher Professor schließlich recht behält oder was Moody’s weiterhin gegen Euroland im Schilde führt. Nein, die meisten Anleger wollen einfach nur erfahren, wo ihr Geld sicher ist.

Sicher, das bedeutet: nachhaltige Erhaltung der Kaufkraft. Dass Sie sich also in Zukunft dasselbe leisten können wie heute. Wobei die Nachhaltigkeit sich im Regelfall nicht auf Jahrzehnte bezieht, sondern auf einen bestimmten Zeitabschnitt begrenzt ist, etwa bis die Kinder aus dem Haus sind, bis die Karriere voraussichtlich ihren Höhepunkt erreicht, bis das Haus schuldenfrei ist oder bis die Altersvorsorge feststeht. Nebenbedingung: Klumpenrisiken sollten vermieden, Anlagen bis zu einem gewissen, individuell abgestimmten Grad gestreut werden.

Nun von der Theorie zur Praxis. Angenommen, Sie wollen Ihre Kaufkraft in den kommenden fünf Jahren erhalten. Dann bedeutet das: Geldeinsatz jetzt + Habenzinsen und Wertsteigerungen – Sollzinsen und Wertverluste in dieser Zeit = Ergebnis daraus – in fünf Jahren auflaufende Inflationsrate. Das Problem: Was vom Schema her zunächst recht einfach erscheint, ist in Wahrheit kompliziert. Denn mag die Berechnung des Geldeinsatzes, der Haben- und Sollzinsen – trotz ihrer zu erwartenden Änderungen – noch ein Kinderspiel sein, so wird der Umgang mit kommenden Wertsteigerungen und -verlusten sowie Inflationsraten zu einer regelrechten Herausforderung.

Also was tun, das Geld im Großen und Ganzen einigermaßen kalkulierbar auf dem Tagesgeldkonto stehen lassen oder sich der Herausforderung stellen? Wie Sie sicherlich ahnen, plädiere ich für die zweite Variante. Das spricht zwar nicht gegen Tagesgeld, aber dieses sollte nur in Maßen als liquide Reserve bzw. als Geldparkplatz zu Ihrer Anlagestrategie gehören. Versuchen Sie erst gar nicht, mit dem Gedanken zu spielen, die Tagesgeldzinsen – von, sagen wir, 2 Prozent (was derzeit schon ziemlich hoch gegriffen ist) – in die Zukunft zu projizieren und sie mit einer gedachten Inflationsrate auf demselben Niveau gegenzurechnen, denn das geht auf Sicht von fünf Jahren garantiert schief.

Jetzt wissen Sie also, dass Sie an der Gegenrechnung von kommenden Wertveränderungen und Inflationsraten nicht vorbeikommen. Das hat leider den großen Nachteil, dass Sie beide Größen nur Pi mal Daumen einkalkulieren können. Folglich sind hier keine mathematischen Modelle gefragt, sondern der Phantasie entspringende Was-ist-wenn-Gedanken: Was ist, wenn ein Land den Euro verlässt und andere mitreißt, wenn die Zinsen noch für längere Zeit im Keller bleiben oder alternativ zu steigen beginnen, wenn die aktuell heiß diskutierten Zwangsanleihen als Einleitung der finanziellen Repression auf breiter Front eingeführt werden, wenn die Krise im Nahen Osten eskaliert, wenn die Konjunktur weltweit einbricht oder im Gegenteil einen neuen Anlauf nach oben nimmt, wenn die Inflation schneller als erwartet kommt oder die Deflation in eine Depression zu münden droht? (Seite 2)

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