Mit Finanzplanung, Geduld und Gold gegen Psychotricks

1. August 2009 | Kategorie: Kommentare

von Manfred Gburek

Es ist schon seltsam, welche Kapriolen der Goldpreis schlägt, bevor er in absehbarer Zeit die 1000-Dollar-Hürde überspringen wird: während der abgelaufenen Woche erst tagelang runter, dann am Freitag kräftig rauf, am Ende auf Wochenbasis ohne nennenswerte Änderung…

Lassen Sie sich davon auf keinen Fall nervös machen. Ich sehe in dieser Entwicklung eher eine Bestätigung der hier immer wieder geäußerten These: Je länger das Hin und Her dauert, desto heftiger wird der nächste ganz große Preissprung nach oben. Deshalb stelle ich das Thema heute in einen größeren Zusammenhang.

Die Zukunft lässt sich bekanntlich nicht vorhersagen, wohl aber, welches Ereignis mit großer Wahrscheinlichkeit nach einem Trend kommt, wenn dieser Trend aus bestimmten Gründen einfach nicht mehr lange anhalten kann. Geradezu ein Musterbeispiel dafür ist die Staatsverschuldung. Da schreibt die EZB in ihrem Juli-Monatsbericht so treffend, 2009 und 2010 würden 13 von 16 Ländern des Euroraums Haushaltsdefizite über dem Referenzwert von 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausweisen und in den meisten dieser Länder werde es einen raschen Anstieg der Schuldenquote geben.

Daraus folgt: 1. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren werden alle Euroländer davon betroffen sein. 2. Die Stabilitätskriterien werden erst ausgesetzt und später geändert. 3. Kurz nach der Bundestagswahl vom 27. September wird kein deutscher Politiker mehr die Erhöhung der Mehrwertsteuer leugnen können, ohne sich lächerlich zu machen. 4. Der Staat wird sich so hoch verschulden müssen, dass er zur Gefahr für die Unternehmen wird, die in Konkurrenz zu ihm den Kapitalmarkt anzapfen. 5. Die Klemme für mittel- bis langfristige Kredite wird anhalten, auch wenn die Unternehmen dann vielfach zweistellige Zinsen zahlen müssen, während der Staat sich zu extrem günstigen Zinskonditionen weiter verschulden kann.

Das Pendel wird also in das Gegenteil dessen ausschlagen, was wir während der vergangenen Jahre erlebt haben: Staatswirtschaft statt Turbokapitalismus. Wann genau die Inflation dazukommt, ist zwar noch nicht vorherzusagen; aber dass sie massiv kommen wird, ist nach Adam Riese schon heute abzusehen – schließlich ist die gebräuchlichste Methode der Staaatsentschuldung seit jeher die Rückzahlung der Schulden mit entwertetem, sprich inflationiertem Geld. Dieser Fall wird auch deshalb eintreten, weil die gestärkte Staatswirtschaft ihn jetzt viel besser initiieren kann, als sie das in Zeiten des Turbokapitalismus hätte tun können.

Viel schwieriger als die Vorhersage ist der Rat, den ich Ihnen persönlich geben müsste, damit er zu einem durchschlagenden Erfolg für Sie führt. Das kann ich aber nicht, weil ich Ihre Finanzen nicht kenne. Es gibt indes auch allgemein gültige Ratschläge, die für alle da sind. Knüpfen wir doch gleich an den gerade geäußerten Gedanken an: Gehen Sie bei allen finanziellen Transaktionen von Ihren persönlichen Verhältnissen aus. Das heißt, lassen Sie sich von so genannten Beratern keinen Fonds und keine Kapital- oder fondsgebundene Lebensversicherung, keinen Bausparvertrag und keine Riesterrente, kein Zertifikat, keine Immobilie und keinen Kredit aufschwatzen, wenn Sie selbst zum Ergebnis gekommen sind, dass solche Engagements nicht zu Ihnen passen, Ihre Finanzen zu sehr strapazieren oder ganz einfach überflüssig sind.

Dieser Grundgedanke ist das A und O Ihrer Finanzplanung und gilt für alle, auch für Multimillionäre. Diese haben sogar das Pech, von provisionshungrigen „Beratern“ so oft und so lange umgarnt zu werden, dass sie am Ende ihren Widerstand aufgeben. An sie kann ich nur den Appell richten: Sobald Sie die Einladung zu einem Vortrag des Chefvolkswirts Ihrer Bank mit anschließendem Imbiss (Alarmstufe 1), zu einem Golfturnier mit Damenprogramm auf Mallorca (Alarmstufe 2) oder zu einer Lustreise (zu welcher, überlasse ich Ihrer Phantasie, auf jeden Fall Alarmstufe rot), sobald Sie also eine solche oder ähnliche Einladung erhalten, sollten Sie stur nein sagen und auch jede weitere Einladung ablehnen. Denn was da geschieht, ist allzu durchschaubar: Ihre Bank investiert für Sie einen Hunderter (1), 10.000 (2) oder 50.000 (rot) Euro und zielt natürlich darauf ab, dass ihre Investition sich auf dem Umweg über Provisionen oder sonstige Einnahmen rentiert.

Mit Speck fängt man Mäuse (auch im übertragenden Sinn), mit Events fängt man Menschen, so einfach sind die Spielregeln – nur dass sie nicht von Ihnen, sondern von den Banken und ihren Konkurrenten im Geldgeschäft vorgegeben werden. An sich ist das ein einfacher Psychotrick, sogar ein ganz zeitnaher: Banken, Sparkassen, Versicherer und Finanzvertriebe tun aktuell so, als gingen sie in sich, als schämten sie sich für die über ihre Kunden hereingebrochenen Verluste, und versprechen nun Besserung nach dem Motto: Wir sitzen doch alle im selben Boot, lasst uns jetzt etwas für die Sicherheit tun. Das zieht in diesen Tagen garantiert. Dann warten sie auf die nächste Modewelle an den Finanzmärkten und werden beim Versprechen konkret: Liebe Kunden, Sie haben mit Fonds für Unternehmensanleihen Aussicht auf sichere, doppelt so hohe Renditen wie mit Bundesanleihen. Oder: Unser Sowieso-Garantiezertifikat schützt Sie vor Verlusten. Oder: Nicht alle Eier in einen Korb legen, sondern streuen, indem Sie unseren Multi-Asset-Fonds kaufen. Ich sehe insgeheim schon ganze Legebatterien vor mir, bei denen sich Fondsmanager bedienen.

Lassen Sie sich auf keinen Psychotrick ein und bestimmen Sie aufgrund Ihrer persönlichen Finanzen selbst, welche Eier Sie in welchen Korb legen. Die Sache mit der Streuung ist ohnehin nur ein Werbegag – als wenn ein Fondsmanager wüsste, welche Streuung für Sie gerade angemessen ist, und als wenn er auch nur im Entfernten ahnte, dass Sie jetzt vielleicht lieber auf einen kommenden Megatrend spekulieren wollen.

Womit wir wieder bei den Themen Staatserschuldung und Inflation wären, die Sie unbedingt in Ihre Überlegungen zur persönlichen Finanzplanng einbauen sollten. Aber wie? Die Inflation scheint doch, glaubt man den offiziellen Zahlen, zurzeit tot zu sein. Ist sie aber nicht, es ist nur ruhiger um sie geworden, und sie wird sich in Deutschland spätestens mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer wieder beschleunigen. In die eigene Finanzplanung einbauen, das bedeutet zum einen, noch etwas Geduld mitzubringen, und zum anderen, in aller Ruhe

Sachwerte anzupeilen (Gold, Silber, Immobilien in guten Lagen) und peu à peu auf- oder auszubauen. Machen Sie diesbezüglich Geduld zu Ihrer größten Tugend, es wird sich auszahlen.

Manfred Gburek, 31. Juli 2009


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