Mit Aktien und Edelmetallen gegen die schleichende Enteignung

7. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Die Leitzinssenkung vom vergangenen Donnerstag birgt viel Sprengstoff. Sie wurde von so manchem Medium als historisch bezeichnet, weil Banken sich jetzt zum ersten Mal seit Bestehen der Europäischen Währungsunion Geld bei der Europäischen Zentralbank zu einem Zinssatz unter 1 Prozent leihen können, nämlich zu 0,75 Prozent. Damit ist unter anderem Ländern wie Spanien und Italien Tribut gezollt, während deutsche Sparer, aber auch Kreditnehmer in die Röhre gucken…

Die einen, weil sie auf ihren Spar-, Tagesgeld- oder Festgeldkonten demnächst noch weniger Zinsen gutgeschrieben bekommen, die anderen, weil Banken und Sparkassen den ihnen gewährten Zinsvorteil nur in Ausnahmefällen – bei besonders guter Bonität der Kunden – diesen über günstigere Kreditkonditionen weiterreichen.

Noch mehr als die Leitzinssenkung hat indes eine ihrer gravierenden Folgen das Attribut historisch verdient, und die steht schon seit Monaten fest: Enteignung. Denn die Inflationsrate, sprich Geldentwertung, mag noch so niedrig sein, höher als die Zinsprozente der Sparer bleibt sie allemal. Das heißt, die Realzinsen sind negativ. Nun könnte man meinen, dass die niedrigen Zinsen wenigstens den Kreditnehmern zum Vorteil gereichen. Doch abgesehen davon, dass Banken und Sparkassen hohe Aufschläge kassieren, wenn die Bonität eines Kunden ihnen nicht geheuer erscheint, scheuen sie sich in vielen Fällen, überhaupt Kreditverhandlungen zu führen.

Am vergangenen Donnerstag geschah noch etwas Erklärungsbedürftiges: Sofort nach der Zinsentscheidung fielen Aktienkurse, Edelmetallpreise und der Euro. Das kann man in Bezug auf Aktien und Edelmetalle zweifach interpretieren: Entweder reagierten Anleger enttäuscht, die vorher mit einer Zinssenkung auf 0,5 statt auf 0,75 Prozent gerechnet hatten, oder sie hielten die Zinssenkung für ein Signal, dass eine Rezession drohe, die über niedrigere Zinsen abzufedern sei.

Für die zweite Version spricht zwar mehr, aber das bedeutet nicht, dass die Anleger, die sich hektisch von ihren Aktien und Edelmetallen trennten, richtig handelten. Denn zum einen werden Aktien im Vergleich zu Anleihen umso interessanter, je niedriger sich Anleihen verzinsen, zum anderen lassen niedrigere Nominalzinsen die Realzinsen noch mehr ins Minus rutschen, was neben den Aktien erfahrungsgemäß auch den Edelmetallen zugute kommt.

Nun argumentiert ein Teil der Börsianer, Rezession bedeute: fallende Unternehmensgewinne und damit schon im Vorgriff darauf sinkende Aktienkurse, außerdem wenig Interesse an Edelmetallen, weil die Leute ihr Geld lieber auf die hohe Kante legen. Solchen Argumenten kann man sich zunächst gefühlsmäßig nicht verschließen. Doch dann taucht die berechtigte Frage auf: Rezession hin, Rezession her, warum eigentlich fallen Aktienkurse und Edelmetallpreise, wenn durch die Zinssenkung mehr Geld in die Märkte gepumpt wird und die total ausgereizten Kurse der Bundesanleihen nicht gerade dafür sprechen, dass das zusätzliche Geld diese Papiere begünstigt? Oder werden etwa problematische italienische und spanische Anleihen, bloß weil sie viel höhere Kupons haben als deutsche Bundesanleihen, auf einmal zu den Favoriten der Anleger?

Um die Antwort gleich auf den Punkt zu bringen: Die Reaktion der Aktien und der Edelmetalle war ein kurzfristiger Reflex, mehr nicht. Bei dem in die Mühlen der Politik geratenen Euro mag das anders sein, Konkretes wird sich hier aber erst in den kommenden Monaten zeigen… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Mit Aktien und Edelmetallen gegen die schleichende Enteignung"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Jeder Kaufmann weiß, dass der Gewinn im Einkauf liegt. Das gilt natürlich auch für Aktien.

    Grundsätzlich ist alles, was im Kommentar ausgeführt wird, richtig. Die Frage ist allerdings, ob jetzt schon der Zeitpunkt gekommen ist, Aktien einzukaufen. Offenbar sind sich viele potentielle Käufer nicht schlüssig und stehen an der Seitenlinie. Sie warten auf günstigere Einkaufskurse.

    Nach meiner Einschätzung der Situation spricht manches dafür, dass der günstigste Zeitpunkt erst noch kommen wird. Der Grund dafür ist einfach der bevorstehende Konjunktureinbruch. Nur Träumer vertrauen ja der rosaroten Propaganda der Regierung und der von ihr gesponserten „Konjunkturfachleute“. Nur Träumer glauben daran, dass Deutschland sich als einzige Volkswirtschaft in Europa vor dem Absturz in die Rezession retten könne. Nur Dummköpfe beziehen ihre Informationen von den Jubelmeldungen des Staatsfernsehens. Ich glaube nicht daran. Ein Sturm zieht auf, und so manches Unternehmen und mit ihm so manche Aktie wird noch ganz schön gebeutelt werden. Bevor hier die Talsohle erreicht ist, sollte man vorsichtig sein.

    • FDominicus sagt:

      Ich sehee es wie Sie, frage mich aber auch. Kommt der crack-up-boom? Und wenn ja wann.

      Natürlich weiß ich nicht was die Zukunft bringt und im Augenblick weiß ich nicht was schneller sein wird die Druckerpresse oder der Zusammenbruch. Wahrscheinlich bekommen wir irgendwann einen Zusammenbruch durch glühende Druckerpressen.

      Aber wie schnell werden die Preise zusammenkrachen? Schaut man sich z.B. hier in BW mal nach den Hauspreisen um dann kann man nur feststellen. Der Wahnsinn hat hier durchaus schon angefangen. Hier werden für stinknormale Mietshäuser mehr als das 18-fache an Jahresnettomiete aufgerufen. Wie bitte soll das funktionieren?

      In NRW sind wir inzwischen runter auf 10 – fache Jahresnettomiete. Und dort bekommen Sie dafür schon schwer etwas los. Wenn man mal so grob überschlägt was passsiert wenn das hier in BW „nur“ auf Wert in NRW absackt dann verschwinden die Milliarden wie Schnee in der Sonne. Und wir können davon ausgehen die meisten Häuser werden durchweg Spitz-auf-Knopf finanziert. Also wird es ein Verkaufsdruck geben den man heute kaum überschätzen kann. Nehmen wir mal die USA als Beispiel dann geht es mindestens 33 – 50% nach unten. Was soll da die Druckerpresse noch machen? Wer kauft die Häuser? Kurz wer soll das dann noch bezahlen?

      Es ist doch klar dieses Zusammen-krachen wird man versuchen zu verhindern /mildern etc. Was nur heißt wir landen in eine Spirale von Interventionen die man nur noch „albtraumhaft“ nennen kann.

      Niemand kann doch glauben der Staat würde da einfach nur sagen: „Pech gehabt“ …. Ich kann dazu nur Empfehlen einmal einen Blick in „The great Depression“ von Rothbard zu werfen. Von wegen laissez-faire….

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