Misstrauen in Währungen, Vertrauen in Gold

8. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

So nervös wie am vergangenen Donnerstag war EZB-Chef Jean-Claude Trichet schon lange nicht mehr. Er lamentierte, machte den anwesenden Journalisten Vorwürfe, fuhr ein ums andere Mal aus der Haut und verteidigte den Kauf maroder Staatsanleihen. Den Rest konnten Sie den Medien entnehmen…

von Manfred Gburek

Leitzinserhöhung wie erwartet, Wiederholung im Herbst möglich. Die Marktteilnehmer reagierten so, wie es dem obersten europäischen Geldwächter gar nicht passen konnte, nämlich ohne seine Aussagen zu würdigen. Das heißt, was auch immer die EZB in Zukunft beschließt, sie wird bis auf Weiteres kaum noch für voll genommen.

Wenn sogar die auf eine ausgewogene Berichterstattung bedachte Börsen-Zeitung Kritiker zitiert, die die EZB „als involvierte Bad Bank“ ansehen, besteht Anlass, ein wenig hinter deren Kulissen zu blicken – und da tun sich Abgründe auf. Bad Bank bedeutet ja nichts anderes, als dass risikoreiche Anlagen ihre Bilanz verunzieren.

Über deren aktuellen Umfang kann man streiten, solange die EZB sogar portugiesische, griechische und irische Anleihen für kaufwürdig hält. Nicht streiten lässt sich dagegen über die Höhe des EZB-Engagements (Kredite und Staatsanleihen) in den sog. PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien). Nach der letztverfügbaren Statistik geht es hier um annähernd 450 Milliarden Euro.

Diese Zahl mag, für sich genommen, in Anbetracht der ganzen Milliarden-Rettungsaktionen noch nicht so viel Aussagekraft besitzen. Aber wenn man sie im Verhältnis zu den Aktiva der EZB-Bilanz (1,9 Billionen Euro) betrachtet, kann es einem schon eiskalt den Rücken herunterlaufen: 23,7 Prozent. Eine Geschäftsbank würde darüber pleite gehen. Dagegen bleibt der EZB, wie jeder anderen Notenbank auch, ein solches Schicksal erspart. Denn sie kann ja, symbolisch formuliert, in Abstimmung mit den Euro-Ländern und zu deren Lasten Geld drucken – was am Ende zwangsläufig zur Inflation führen muss.

Bevor ich mich diesem Thema widme, hier noch zwei Schmankerl aus der Welt des großen Geldes, die verdeutlichen, dass es kaum Alternativen zum Weiter-so gibt. Da antwortete doch tatsächlich EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark am 25. Juni der FAZ auf die Frage, ob er eine Chance sehe, dass Griechenland pünktlich und vollständig Zinsen und Tilgung für die aufgehäuften Schulden zahle: „Das ist die Arbeitshypothese.“

Bei dieser Antwort fiel mir schlagartig das Beispiel von den drei Schiffbrüchigen ein, die auf einer Insel gestrandet waren und eine Konservendose öffnen wollten, ohne einen Dosenöffner zu besitzen. Der erste, ein Physiker, wollte das Dosenblech mit gebündelten Sonnenstrahlen zum Schmelzen bringen. Der zweite, ein Geologe, plädierte dafür, mit Steinen auf die Dose einzuschlagen. Der dritte schließlich, ein Volkswirt, begann zu argumentieren: „Angenommen, wir haben einen Dosenöffner.“

Nimmt man EZB-Chef Trichet mit seinen Anmerkungen zur Bonität Portugals beim Wort, setzt er sich offenbar über die jüngste Ramschniveau-Note von Seiten der Ratingagentur Moody’s hinweg. Seine diesbezüglichen Andeutungen haben am vergangenen Donnerstag unter den Journalisten einiges Erstaunen hervorgerufen. Dabei hat Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel schon am 29. Juni in einem Interview der Süddeutschen Zeitung behauptet: „Wir verlassen uns nicht auf Ratings der Agenturen.“ Und das in Bezug auf ABS-Papiere (Asset Backed Securities), von denen allzu viele Ramschniveau haben dürften.

Sind Ratingagenturen also überflüssig? Sicher nicht, denn weder die EZB noch die Bundesbank oder sonst eine Institution verfügt über ein so umfangreiches Instrumentarium wie Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch. Doch dieses Oligopol kann als Brandbeschleuniger gefährlich werden; und seine positiven Ratings vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 waren nicht gerade Meisterleistungen… (Seite 2)

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