Mir kann keiner etwas von Preisstabilität erzählen

12. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

Die Leute hören das, was sie hören wollen. Sie sehen das, was sie sehen wollen und glauben das, was man ihnen sagt. Es war schon immer so. In der Masse handelt es sich geschützter wie in einem Fischschwarm. Sonst gäbe es ja keinen Herdentrieb mit den dann verbundenen überraschenden „Überraschungen“…

Andreas Marquart von www.misesde.org interviewte mich vor einigen Tagen zu meinem Buch „Meyer’s MONEY-FEST’

Herr Meyer, Ihr Buch handelt vom „Wahn und Sinn“ an den Kapitalmärkten. Wird man da nicht selbst wahnsinnig, wenn man täglich über diese Märkte berichtet?

Nein, wenn man weiß, womit man es heute zu tun hat. Und ja, wenn man sich emotional komplett hineinbegibt. Ich berichte also über Wahnsinn und stehe mitten in ihm. Das bedeutet nicht, dass ich den Wahnsinn gut heiße wie die meisten aus der Finanzbranche. Wobei der Wahnsinn für die meisten ja als Normalität daher kommt. Hier sehe ich mich als eine der wenigen kritischen bzw. warnenden Stimmen.

Oft wird die Börse als Ort des Wahnsinns bezeichnet. Die Quelle des Wahns wäre in erster Linie bei den Notenbanken zu suchen und in weiterer Hinsicht bei den Geschäftsbanken, die mit dem Privileg der Geldschöpfung ausgestattet sind. Wer am nächsten an der Geldquelle sitzt, kann die größten Räder drehen, die größten Spekulationen eingehen, wohl wissend, dass im Notfall andere das Risiko tragen werden. An den Börsen sieht man nur die Folgen. Hinzu kommt staatlicher Eingriff und Lobbyismus.

Nach 14 Jahren auf dem Börsenparkett hat sich vieles getan. Aus einem Sinn wurde inzwischen eine Art von Wahn, der mehrheitlich von Computerprogrammen und Billiggeld befeuert wird. Natürlich sind die Handelsprogramme von Menschen gemacht und ebenso die „Liquidität“. Dazu kommt die etwas wahnsinnige Idee, Ökonomien und das Verhalten von Menschen anhand von Modellen berechenbar zu machen. Das mag eine Zeit lang funktionieren, aber nicht immer. Jeder Unfall als Folge unseres Geldsystems wird mit einem Mehr vom Alten, also mehr Kredit und damit Schulden bekämpft. Und dann gibt es eines Tages ein böses Erwachen. Es wäre sogar unterhaltsam, dem Ganzen zuzuschauen, allerdings hängt an diesen Finanzmärkten das Wohl oder Wehe von Millionen Menschen.

MinaturMoneyfestKann man also sagen, dass es die Schöpfung von Geld aus dem Nichts ist, die den Wahnsinn erzeugt?

So kann man es bezeichnen. So muss man es bezeichnen. Wenn man die Entwicklung der großen Börsen nach 1971 anschaut, und diese Kurve mit der Geldmenge vergleicht, dann gibt es doch erstaunliche Parallelen. Das Jahr 1971 ist deshalb wichtig, weil seitdem keine Währung mehr an Gold gekoppelt ist, weder direkt und seit dem Ende der Eintauschbarkeit des US-Dollars in Gold durch Zentralbanken in den USA auch nicht mehr indirekt. Seitdem ist die Geldmenge explodiert. Und auch Preise an den Börsen. Nicht nur das – auch die Preise im normalen Leben haben sich mit unterschiedlich schneller Intensität dieser Geldmenge angepasst.
Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten

Apropos ‚Preise im normalen Leben’, da wären wir im ‚Leben des Normalbürgers’ angekommen. Wie viel Glauben schenken Sie der offiziellen Teuerungsrate?

Ich glaube das, was ich sehe und zahle. Mir kann keiner etwas von Preisstabilität erzählen. Offiziell hat der Euro seit seiner Einführung 30 Prozent an Kaufkraft eingebüßt. Diese Teuerungsrate ist mehr Propaganda statt Realität. Ein paar Stellschrauben in der Statistik, und schon sieht alles ganz harmlos aus. Quittungen und Rechnungen aus früherer Zeit zeigen eine andere Wirklichkeit. Mit 2.000 D-Mark kam man in Frankfurt locker über die Runden, aber nicht mehr mit 1.000 Euro ohne gewaltige Einschränkungen. Das Alltägliche wird teurer, der Spaß billiger. Wenn ich mehr elektronischen Schnickschnack kaufen würde, dann könnte ich dem statistischen Durchschnitt genügen. Außerdem müsste man in die Teuerung die gestiegenen Preise der Anlageklassen wie Aktien, Immobilien, Grund und Boden mit einbeziehen. Die steigenden Preise sind ebenfalls das Ergebnis wachsender Geldmengen. Was für ein Witz: Die Notenbanker geben vor, die Teuerung im Zaume zu halten, dabei schaffen sie diese erst über steigende Geldmengen.

‘Notenbanker’ ordnen Sie in Ihrem Buch ja der Spezies der ‘Zombifizierer’ zu … erklären Sie den Begriff doch bitte kurz …

Die Notenbanken sorgen letztlich dafür, dass jede Krise mit dem gleichen Rezept bekämpft wird, das die Krise ausgelöst hat. Mit einem künstlich, nicht marktgerechten Zins bevorteilen sie die Marktteilnehmer, die am nächsten am Geldtopf stehen und zugleich verhindern sie Bereinigungen im Markt. Dadurch entstehen Zombies. Der Finanz – und Autosektor ist ein anschauliches Beispiel. Statt Unternehmen pleitegehen zu lassen, werden diese künstlich am Leben gehalten. Es entstehen systemrelevante Marktteilnehmer, deren Scheitern systemrelevant wäre. Ein Markt voller Zombies wird irgendwann selbst zum Zombie… (Seite 2)


 

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3 Kommentare auf "Mir kann keiner etwas von Preisstabilität erzählen"

  1. Argonautiker sagt:

    @ Bankhaus Rott / Meyer

    Meine Hochachtung an sie Herr Meyer. So offen über die Situation zu sprechen ist für Finanzbetreibende schon aufrichtig. Die Enttäuschung wird kommen, das ist nach einer Täuschung nun mal das Gesetz. Und Geld vom „Gut“ zu trennen, war Täuschung, weil Geld nun mal nichts anderes ist, als „Gut“ in Bewegung.

    Was denken sie, wird die BIZ, als Zentralbank der Zentralbanken da eine besondere Rolle spielen? Sie wurde ja einst zur Eintreibung und Abwicklung der Reparationszahlung der Deutschen gegründet. Hat also ihre Wurzel im „Eintreiben und Verteilen von Schulden“, wobei sie dann, schon kurz nach ihrer Gründung, andere Aufgaben übernahm, weil die Reparationszahlungen vorübergehend eingestellt wurden, und später dann anders abgewickelt wurden.

    Könnte es sein, daß sich die BIZ demnächst ihrer Wurzeln besinnt, und,- um es salopp auszuformulieren, wir irgendwann, von dort den Ruf hören, „ALLES MEINS“? Denn irgendwo mündet ja sämtlicher Zinsfluß der Kreditausgabe. Das heißt, ist die Wirtschaft durch die überreizte Geldmenge nicht mehr in der Lage, Zins und Zinseszins zu bedienen, dürfte der Kreislauf zerstört sein, was quasi in einem „ausfließen“ der Geldflüsse ins Meer gleichkommen würde. Könnte die BIZ also das Meer sein?

    Und was denken sie, ist es sinnvoll, dann wieder ein Kreditbasiertes Zinssystem als Basis der Wirtschaft zu installieren?

    Gruß aus Bremen

  2. Michael sagt:

    Das mit der EURO Umstellung :). Können sie sich noch erinnern an die Kommunikation 10 ATS = 1 EUR und 1,5DEM so ca. ist ein EURO. Die meinten den USD.

    http://fxtop.com/en/historical-exchange-rates.php?A=1&C1=USD&C2=DEM&DD1=01&MM1=01&YYYY1=1953&B=1&P=&I=1&DD2=12&MM2=02&YYYY2=2014&btnOK=Go%21

    Finde diese Zahlen in diesem Chart und es wird klar. Die Preisumstellung war nachdem der bspw. der Schilling gegenüber dem USD von 10 auf 15 Schilling gefallen ist. Ähnlich ist es mit der DEM. Man hat praktisch die Landeswährung entwertet, die Preise umgestellt. Dann sind die Hartwährungen von diesem niedrigen Niveau zurückgekommen, aber die Preise sind nicht gefallen.

    Verraten haben sich die Jungs als sie den Bürgern wollten einreden. Ein EURO = 10 ATS. Das ist der 1997er Kurs von ATS gegen USD und 1,5 DEM gegen USD. Die Preise im Supermarkt haben in der Zeit vor der EURO Einführung kaum mehr hinaufgekonnt. Das war meine Beobachtung.

    Heute sind wir genau wieder dort. Die Kaufkraft der Sparguthaben wurde entwertet.

    Schauen sie sich mal den Char mit Italienischer Lira und Spanischer Peseta an… dann weiss man das das nicht gehen kann.

  3. bluestar sagt:

    Hallo Herr Meyer,
    wieder eine saubere, ehrliche Analyse der Situation mit Blick in die Zukunft.
    Wenn mehr Menschen mit scharfem Verstand diesen Mut hätten, wären wohl einige Dinge besser für die Familien Ahnungslos und für die Wissenden.
    Danke und VG

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