Minuszeichen und Minusgrade

26. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Wegen der Klimaerwärmung habe ich die Heizung wieder angestellt. Wenigstens war es an der Börse warm. Kein Wunder, wenn verbale Verpuffungen von Experten und US-Notenbankchef Dr. Bernankenstein den Kursen richtig einheizen…

Auf die Frage, ob Amerikas oberster Gelddrucker einen Gang niedriger schalten würde, antworte er mit einem klaren „Jein!“ Vor Schreck fiel mir die Glühweintasse aus der Hand. Die Indizes sprangen auf Allzeithochs.

Je höher sie stiegen, desto schlechter wurden aber die Späße der Experten. Sie behaupten, Aktien wären billig und können nie wieder fallen. Dann fielen sie. Und sind jetzt noch billiger geworden. Mussu kaufen!

Was habe ich gelacht über die Ansage, der kleine November möchte bitte aus dem Mai abgeholt werden. Unterdessen bewegte Japans Premierminister die Herzen, als er auf einer Reispflanzmaschine über matschigen Acker fuhr. So sieht Aufschwung aus, während der japanische Druckerpressengeneral Dr. Harakiri wieder ein paar Billionen Yen herstellte. Der Nikkei crashte die ganze Woche. Mal nach oben, mal nach unten. Auch der Rentenmarkt versuchte zu kollabieren. Nein, wir kaufen keine Staatsanleihen direkt auf, sagte ein Verantwortliche. Zehn Minuten danach wurde den Inhabern ein neues Angebot zum Ankauf gemacht. Soweit zur japanischen Variante des gebrochenen Wortes.

An der Börse werden übrigens bald Schließfächer eingerichtet, in denen man sein Hirn parken kann, bevor man die heiligen Hallen betritt. Das soll angeblich helfen. Letztlich ist es aber die Frage, was Anleger in Aktien treibt. Ich habe drei Vermutungen. Zum einen mag es Dummheit sein, weil andere es auch tun. Zum anderen der Hang vieler Leute mit Überschüssen an Verrechnungseinheiten und nötigen Willen, diese zu vermehren, ihr Hirn den Experten zu überlassen… Oder aber auch eine gewisse Abneigung gegenüber Forderungen, also gegenüber Anleihen und Spargeldern – und das, obwohl Aktien unter Kleinanlegern so beliebt sind wie Steinbrück, saure Milch oder Schneefälle im Mai.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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