Mindestens zehn Jahre Eiszeit…

12. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Wir bleiben dabei: die Fed wird die Zinssätze nie mehr ernsthaft erhöhen. Und sie wird auch nicht bereitwillig ihre Bilanz „normalisieren.“ Was ist also wirklich los?

Bei all dem Treibgut und Irrsin, der in der Presse zu lesen ist, gibt es doch ein paar Gegenstände, die es zumindest wert sind, aus dem Wasser geschöpft und näher begutachtet zu werden.

Da wären zum Beispiel die jüngsten Inflationsdaten, die ja deutlich unter der Zielmarke der Fed von zwei Prozent hereinkamen. In der Tat sind die letzten Zahlen niedriger als vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.

Die Inflationserwartungen sind in den letzten 35 Jahren im Allgemeinen rückläufig gewesen. Im vergangenen Jahr schien der Trend zu einem Ende zu kommen, als die Renditen und die Inflation vor der Trump-Wahl einen scheinbaren Boden bildeten und anzogen.

Seitdem sind sie aber wieder gefallen.

Sehr schwache Inflationserwartungen

Derzeit prognostiziert der Markt eine Inflationsrate von nur 1,72%. Und zwar für den sehr langen Zeitraum der nächsten zehn Jahre.

Zuerst hat sich bisher der „Reflations-Trade“ als einziger Flop erwiesen. Statt anzuziehen ist die Inflation nur nach unten gegangen.

Zweitens bedeutet es auch, dass die Wirtschaft nicht anzieht. Im Gegenteil, sie kühlt sich ab.

Und drittens sind die Real-Zinsen, auch nach der aktuellen Zinserhöhung der Fed, immer noch negativ.

Absurd hoch bewerteter Aktienmarkt

Daraus ergibt sich folgende Frage:

wie kommt es, dass der Aktienmarkt bei der aktuellen konjunkturellen Lage immer noch in der Nähe des Allzeithochs steht?

Expansionen halten nicht für immer an. Sie müssen sich von Zeit zu Zeit ausruhen. Wir wissen nicht, wann die nächste Rezession eintreten wird; aber wir wissen folgendes: sie rückt mit jedem Tag, der vergeht, näher.

Wir wissen nicht, wann der nächste Bärenmarkt endlich beginnen wird. Aber wir wissen folgendes: Bullenmärkte dauern auch nicht ewig. Und je länger es dauer, bis der Bärenmarkt endlich kommt, umso hungriger wird der Bär dann zuschlagen.

Negative Realzinsen im Fokus

Und noch eine Sache möchten wir in dem Kontext erwähnen. Solange die Realzinsen negativ bleiben, wird die Fed nicht zur „Normalität“ zurückkehren. Sie bestimmt nicht den Trend, im Gegenteil. Sie ist Gefangener dessen.

Vor Jahren haben wir Ihnen hier im Tagebuch ja folgende für die meisten eher unschöne Prognose präsentiert; die U.S.-Wirtschaft könnte dem Muster Japans nacheifern. Und zwar mit einer Verzögerung von zehn Jahren. Der japanische Aktienmarkt brach im Jahr 1989 zusammen. Die U.S. Nasdaq bekam ab Ende 1999 Probleme.

Diese Hypothese, diese Annahme stellte sich schon relativ rasch als schwach heraus … wenn nicht sogar als albern.

Japanische Dauer-Malaise

Japan konnte trotz horrender „Stimulus-Versuche“ seine Wirtschaft nicht wiederbeleben bzw. am Aktienmarkt zu den goldenen Zeiten der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückkehren. Es herrschte mal etwas mehr, mal etwas weniger Deflation vor; der Aktienmarkt erlitt Verluste zwischen 50 und 80 Prozent. Und die ganze Malaise hielt 25 Jahre an. Die USA bekam von der Malaise nichts mit. Die Fed senkte die Zinsen. Die Hypothekenindustrie reagierte. Es folgte die Immobilien- / Finanzblase von ’05 -’07 … die Krise von ’08 -’09 … und dann der große Boom von ’09 -’16 … gefolgt von der Reflationsblase von ’17.

Realwirtschaft wächst schwächer

Aber diese Blasen haben wohl den bedeutendsten Trend für die meisten unsichtbar gemacht. Denn obwohl die Fed mit Brachialgewalt die Haus- und Aktienpreise nach oben prügelte, schwächte sich das langfristige Trendwachstum der Realwirtschaft ab. Die Wachstumsraten fielen. Und die Anleiherenditen verharrten in den USA wie in Japan im Abwärtstrend. Hier folgten die USA Japan mit einer Verzögerung von zehn Jahren. Mit anderen Worten, trotz des Feuerwerks der Fed, wuchs die Realwirtschaft kaum noch. Den Käufern ging das Geld aus. Autos wurden auf Halde gebaut. Die realen Löhne stagnierten. Unternehmensgewinne (zumindest im Inland) sanken.

Eiszeit steht an

Albert Edwards, Stratege bei der französischen Großbank Société Générale, verkündete im Jahr 1996 seine „Eiszeit“-Hypothese. Er glaubt, dass die US-Wirtschaft im Würgegriff einer langfristigen Abkühlung ist. Die Leute werden älter. Das Wachstum reduziert sich. Und die Schuldenlast verlangsamt alles.

Wie wir gesehen haben, können die Zentralbanken die Finanzmärkte zwar mit noch mehr Schulden nach oben treiben; dies gelingt aber mit Blick auf die zugrundeliegende Realwirtschaft nicht mehr. Sie wird immer schwächer.

In der nächsten Krise denkt Edwards (so wie wir auch) werden die Zentralbanken gezwungen sein, mit einer noch expansiveren, laxeren und unkonventionelleren Geldpolitik zu reagieren Die Fed wird wie die japanische Zentralbank immer mehr Anleihen kaufen und die Zinsen werden auf unvorstellbare tiefe Stände nach unten manipuliert.

Diese „Eiszeit“ wird die kommenden Jahre hinweg anhalten, sagt er. Das ist gut für Anleihen, aber schlecht für Aktien. Aktien werden den Investoren vermutlich in den kommenden 10 Jahre wenig Sicherheit und Gewinne einbringen. Edwards fügt hinzu, dass es mindestens zehn Jahre sein werden…
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

Print Friendly, PDF & Email

 

Ein Kommentar auf "Mindestens zehn Jahre Eiszeit…"

  1. Argonautiker sagt:

    „In der nächsten Krise denkt Edwards (so wie wir auch) werden die Zentralbanken gezwungen sein, mit einer noch expansiveren, laxeren und unkonventionelleren Geldpolitik zu reagieren“

    Nun, dann werden es sicherlich nun Einige eilig haben, und ein Bargeldverbot bis dahin durchzusetzen versuchen, denn sonst wird selbst die Laxeste, (tolles Wort), Geldpolitik nicht viel bringen. Aber auch ein Bargeldverbot und Umlage via minus Zinsen, oder was auch immer, wird nichts an der Realwirtschaft bringen, weil es schlichtweg Sanktionen für die Realwirtschaftler sind und keine Stimuli. Der Impuls für die Realwirtschaft müsste nun mal von der Realwirtschaft ausgehen, und dafür bräuchte es vor allem Eins:

    Zukunftsperspektive!

    Aber wenn man in einem System lebt, welches die potentiellen Käufer, Geschäftsgründer, Entwickler,…ständig benachteiligt bis sanktioniert, aber Systemrelevantes subventioniert, und dadurch Verhältnisse schafft, in dem der Tellerwäscher immer verliert, und nur Systemrelevante verhätschelt werden, dann dürfte das noch nicht mal mehr zum Tellerwaschen motivieren, sodaß dadurch auch nichts anderes geschehen wird, als ein weiteres Umschichten von Unten nach Oben.

    Warum sollte man sich aber noch in eine Welt investieren, in dem eine Systemrelevanz über alles steht, und dadurch stetig ein Damoklesschwert über einem hängt, daß es als Rechtens ansieht, erbrachte Leistung mal einfach so zu enteignen, wenn es der Systemrelevanz dient. Folglich werden Viele in das System schlüpfen, mit dem Effekt, daß weil das System eben nicht die Leistung erbringt, sondern sie nur ab- und umschöpft, das nicht besser wird.

    Weil auch noch eine Millionen Arbeitsberater, und noch eine Millionen Polizisten, und noch eine Millionen Sozialarbeiter, und noch eine Millionen Berater, und noch eine Millionen Sachverständiger, und noch eine Millionen Versicherungsangestellte, und noch eine Millionen netter Dabeisteher, daran irgend etwas ändern werden.

    Wenn man die Löhne derer, die wirklich einen Realwirtschaftlichen Mehrwert erschaffen, anheben würde, sodaß Bauern, Metzger, Handwerker, also die Basis der Berufe der Arbeitsteiligen Gesellschaft, wieder attraktiver würden, dann könnte da eventuell etwas gehen. Aber man hat diese Berufe halt durch die Bewertung und politische Umverteilung ewig sanktioniert, und Dienstleistungsberufe wesentlich höher bewertet, als es gut war.

    Aber nicht nur das, man hat den Beruf als solches sanktioniert, indem man die Industrie subventioniert hat, sodaß man heute eigentlich kaum Berufsausübende, sondern nur noch Maschinenbediener hat, weil man in einem Beruf nichts mehr verdient, in einem Identitätslosen Maschinenbedienerdasein aber schon.

    Wenn sich halt selbst Einige mittels Positionen zu Königen machen und von dort aus die Welt gestalten wollen indem sie sie alleinig bewerten und bestimmen wollen, dann kommt halt nur Mist raus. Schon mal einen netten Dabeisteher und oder Bewerter kennengelernt, der die Situation wirklich verstanden hätte? Ich nicht. Die Immer alles Besserwisser, die aber an jeder praktischen Aufgabe scheitern, sitzen leider auf den Königsstühlen, und nicht die Erschaffer der Welt.

    „Und die Könige der Welt hatten sich auf einem hohen Berg zusammengefunden um zu beraten was mit ihr geschehen solle, und siehe ich werde mit ihnen rechten…“

    Na besser konnte man vor 2000 Jahren Gipfeltreffen doch nicht beschreiben.

    Apropos Gipfeltreffen, es sind ja nun immer mehr Videos im Netz aufgetaucht. Anfänglich gab es eher so Aufnahmen die eine Totale zeigten. Nun gibt es viele Details. Sehr viele! Und die sind schlimm. Wer auch immer da nun angefangen hat, da hat sich auf beiden Seiten echt viel Hass entladen, und wir sind wohl nur knapp einem Maidan oder einem Platz des Himmlischen Friedens entgangen.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.