Milliarden für Loch Bless

9. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Als teilverstaatlichte Bank hat man es schon nicht leicht! Die Staatsbeteiligung verhindert ein Gehalt, das für ein warmes Abendbrot reicht. Alle reden einem ins Geschäft rein, ein echtes Ärgernis. Dazu kommen noch lästigen Gläubiger. So kann doch niemand in Ruhe arbeiten!

Ja, da kommt schon einiges auf die „gelbe Landesbank“ zu. Der Spaß beginnt mit den bestehenden Verbindlichkeiten. An Fälligkeiten und Zinszahlungen kommen auf die Bank laut Bloomberg allein in den nächsten zweieinhalb Jahren mehr als €380 Mrd. zu. Da kann man beim Rollen der Altschulden nur viel Glück wünschen. Dazu kommt ein echter B-Movie, sprich der immer seltsamer anmutende Versuch, mit aller Gewalt eine Kapitalerhöhung durchzupauken. Dieser schwache Film mit nicht sonderlich telegener Besetzung zeigt, wie verfahren die Situation des Instituts zwischen Wünschen, Hoffen und der Realität ist.

Ein paar Daten zum Programm. Die aktuelle Marktkapitalisierung der Bank beträgt bei etwa 1,3 Mrd. ausstehenden Anteilsscheinen rund €5,6 Mrd. Der verlautbarte Plan der Kapitalerhöhung sah einen Erlös von mehr als 8 Mrd. vor. Angesichts dieser Relation verblassen selbst die seinerzeit spektakulären Mittelaufnahmen britischer Banken. Jeder verhebt sich nun einmal so gut er kann. In der vor einiger Zeit veröffentlichten Pressemitteilung heißt es im Detail:

Commerzbank will Stille Einlagen des SoFFin weitgehend zurückführen

  • Ablösung von rund 14,3 Mrd. Euro der 16,2 Mrd. Euro Stillen Einlagen des SoFFin bis Juni 2011
  • 11,0 Mrd Euro aus Kapitalerhöhungen, zusätzliche 3,27 Mrd. Euro aus eigenen Mitteln
  • Bedingte Pflichtumtauschanleihen (erster Schritt), Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht (zweiter Schritt)
  • SoFFin-Beteiligung nach Durchführung der Kapitalmaßnahme unverändert bei 25 % plus 1 Aktie
  • Core-Tier-1-Quote nach Rückführung bei 8,8 %, Equity-Tier-1-Quote bei 8,0 % (auf Pro-forma-Basis)

Wir notieren. Die Kapitalerhöhung führt im Endeffekt zu einer geringeren Eigenkapitalquote. Bemerkenswert. Weiter heißt es:

Die Commerzbank plant, die Stillen Einlagen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) in Höhe von 16,2 Milliarden Euro bis Juni 2011 um rund 14,3 Milliarden Euro zurückzuführen und damit weitgehend abzulösen. Hierzu ist ein Maßnahmenpaket vorgesehen, das darauf abzielt, neue Investoren zu gewinnen, die Interessen der bisherigen Aktionäre zu wahren und größtmögliche Transaktionssicherheit zu gewährleisten.

„Die Politik hat nach dem Lehman-Ausfall beherzt und schnell reagiert: Sie hat das Bankensystem stabilisiert und Überbrückungshilfe gewährt. Dafür gebührt ihr Respekt und auch Dank“, sagte Martin Blessing, Vorsitzender des Vorstands der Commerzbank.

Dank ist eine feine Sache, für eine Bedienung der Stillen Einlagen hat es leider nicht gereicht. So ist das, der feuchte Händedruck ist deutlich günstiger als die Überweisung von einigen Milliarden an Zinsen.

Der Dank an die Regierung ist übrigens ähnlich schwer verdaulich, wie die unseligen Formulierungen, wenn es um Staatsausgaben geht. „Die Regierung finanziert…“. Die Regierung finanziert ebenso wenig wie sie etwas einbringt. Es handelt sich um eine reine Kostenstelle, die umverteilt. Das Gremium hat lediglich die Befugnis zur Umverteilung von Mitteln, das diesem Gremium nicht gehört. Es handelt sich schlicht um eine Umverteilung von Geldern, die anderen via Steuern abgenommen wurden, oder die wir auf unser aller Schuldenkonto wiederfinden. (—> Seite 2)

 

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6 Kommentare auf "Milliarden für Loch Bless"

  1. wolfswurt sagt:

    Da verstaatlichen „Eliten“ des Staates die in 60 Jahren eine Staatschuld in Billionen Höhe erwirtschaftet haben eine Bank, deren „elitäre Führung“ sich anmaßte für ihre Kunden die beste Vermögensberatung vorrätig zu halten und ihr eigenes Unternehmen dabei in den Ruin führten.

    Auf deutsch: Unfähige versuchen Unfähige zu retten die wiederum Unfähigen beim Vermögensaufbau helfen wollten.

    Hier weiß ein jeder der noch alle Tassen im Schrank hat was folgen wird!

  2. Kleine Presseschau vom 9. Mai 2011 | Die Börsenblogger sagt:

    […] Rott & Meyer: Milliarden für Loch Bless […]

  3. Mo sagt:

    Wiedereinmal ein Denkanstoß in genau die richtige Richtung.
    Daran kann man erkennen, daß es ausgenutzt wird, wenn die
    meisten keine Ahnung von der Materie haben.
    Dadurch kann man Alles schön reden und jeder sagt dann:
    „Toll die zahlen Ihre Schulden zurück“!
    Ehrlich gesagt, für mich wird das etwas zu kompliziert
    aber allein mein Bauchgefühl sagt mir das da etwas schief läuft und
    wir ständig in allen Richtungen verarscht werden.
    Vielen Dank für den spannenden Artikel.
    Es ist gut zu wissen, daß es Menschen gibt, die den Sachverhalt
    analysieren und sauber darstellen.
    lg Mo

  4. retracement sagt:

    http://www.youtube.com/watch?v=vaXNdVTGT0k

    Mir ist so danach. Meine ersten Ravioli-Dosen verlieren Haltbarkeits-Datum. Und es passt ja auch in Memorian Gunter S.

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