Milde Rezession? Unsinn!

9. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Allen offen sichtbaren Verwerfungen zum Trotz mussten sich die Menschen in Europa noch vor einem Jahr anhören, eine Rezession in der Eurozone sei unwahrscheinlich. Vor einem Vierteljahr ändertet die Großauguren dann ihre Prognosen. Man sprach fortan von einer „milden Rezession“. Auch das ist Unfug, die wirtschaftlichen Zeichen in der Eurozone deuten auf Sturm…

Nicht nur in der Eurozone schwächelt die Wirtschaft. Nun hat es auch die Briten erwischt. Seit ein paar Tagen befindet sich das Land offiziell wieder in einer Rezession. Für die meisten Briten war das Land in den letzten Jahren ohnehin in einem Dauerabschwung, was sicherlich keine Fehlinterpretation ist. Neben den Inselbewohnern liefern auch viele Länder vom Festland rote Zahlen. Nicht nur die seit Jahren desolate Lage Spaniens verschlechtert sich weiter. Gejammer über Herabstufungen der Kreditwürdigkeit sind lächerlich und zielen meist nicht auf die Basis der Einstufung sondern auf die zu positiven Ratings anderer Nationen. Nun sind andere Länder offensichtlich zu hoch eingestuft, deshalb allein geht es einem selbst ökonomisch aber nicht besser.

Die wirtschaftliche Entwicklung ist wenig überraschend. Um nicht den Eindruck zu erwecken, nur in Spanien gäbe es Elendsnachrichten, betrachten wir heute einen bunten Strauß an Daten aus der Eurozone. Besonders übel hat neben Spanien und Frankreich auch das Italien unter Monti erwischt. Die Daten deuten auf einen kommenden Absturz der italienischen Wirtschaft hin, der es bei anhaltender Fallgeschwindigkeit mit der Situation der Jahre 2008 und 2009 aufnehmen könnte. Die folgende Grafik zeigt den bisherigen Verlauf des Einkaufsmanagerindex im italienischen Einzelhandel und der Konsumausgaben.

Der Index zum Einzelhandel schrumpft seit 14 Monaten. Aktuell zeigt sich die zweitstärkste Kontraktion dieses Sektors seit Beginn der Datenerhebung. Nur im katastrophalen Dezember 2008 war die Tendenz noch schwächer. Willkommen in der Realität…

Nicht nur auf der Apenninenhalbinsel fällt das Barometer, die gesamte europäische Einheitswährungszone ist in eine überaus bemerkenswerte Talfahrt eingetreten. Besonders unangenehm – wenn auch nicht überraschend – ist der Einbruch der Industrieaufträge. Das europäische Amt für Statistik hat auch sogleich beschlossen, diese Datenreihe nicht mehr fortzusetzen. Interessant ist die Begründung seitens Eurostat:

 (Eurostat) Die Pressemitteilung, die das Referenzjahr 2011 abschloss, war die letzte Pressemitteilung zu den Auftragseingängen in der Industrie. Unter Berücksichtigung der methodischen Schwierigkeiten bei der Verbesserung der Datenqualität der Auftragseingänge der Industrie, wurde die Produktion dieses Indikators auf EU Ebene beendet.

Die methodischen Schwierigkeiten bei der Verbesserung der Datenqualität sind also schuld am Ende dieses sehr interessanten Indikators. Interessant, aber so muss man das Elend nicht mehr sehen.

Bei Markit wird man nicht von derlei Hindernissen geplagt, so dass zumindest von dieser Seite weiterhin mit den entsprechenden Daten zu rechnen ist. Schöner werden die Datenreihen leider auch bei diesem Anbieter nicht.

Viele schieben diese Entwicklung auf „Sparmaßnahmen“ ohne darauf zu achten, dass es sich abseits von Griechenland bis dato eher um drastische Ankündigungen denn um bereits umgesetzte Maßnahmen handelt. Die direkten Auswirkungen auch kleinerer Einschnitte zeigen aber (a) wie dünn der finanzielle Puffer bei vielen Menschen ist, (b) wie schwierig es werden wird, wenn die wirklichen Einschnitte kommen und (c) wie angeschlagen die Realwirtschaft im System „Europa im Währungskorsett“ bereits jetzt ist.

Jetzt den Rückwärtsgang einzulegen, um mit dubiosen und zutiefst undemokratischen Vehikeln die bestehende Fehlkonstruktion beizubehalten, führt lediglich zu einer Verschiebung der Probleme – wenn es überhaupt hilft. Die Eurozone durch noch mehr Transferleistungen zu mehr Wachstum zu bringen, ist ein überaus seltsamer Gedanke. Genau das hat man doch bereits von Anfang an versucht. Vor dem Ergebnis stehen wir gerade. Das Ganze soll jetzt also in doppeltem Ausmaß wiederholt werden und dann funktionieren? Was für ein Irrsinn.

Ein paar ergänzende Kernaussagen zu den oben grafisch abgebildeten Datenreihen. Alle Aussagen beziehen sich auf die aggregierten Daten der Eurozone:

  • Produktion: Siebter Wachstumsrückgang innerhalb der letzten acht Monate
  • Servicesektor: Stärkste Geschäftseinbußen seit fünf Monaten
  • Industrie: Stärkster Produktionsrückgang seit November 2011
  • Auftragseingang: 9. Auftragsminus in Folge so hoch wie zuletzt im Oktober
  • Servicesektor: 8. Auftragsverluste in Folge
  • Industrie: 11. Auftragsminus in Folge fällt höher aus als im März
  • Auftragsbestand: 10. Rückgang in Folge
  • Servicesektor: 10. Rückgang hintereinander
  • Industrie: 11. Rückgang in Folge
  • Beschäftigung: 4. Jobabbau in Folge fällt so stark aus wie zuletzt im Februar 2010
  • Servicesektor: Stärkster Jobabbau seit Februar 2010
  • Industrie: Fünfter Rückgang innerhalb der letzten sechs Monate

Diese Liste lässt sich fortsetzen. Die Arbeitslosigkeit der Eurozone markierte jüngst ein neues Rekordhoch. Der Bankensektor in Europa ist drastisch unterkapitalisiert, da hilft auch kein LTRO-Liquiditätszauber. Der Finanzsektor ist in Relation zur Bevölkerung und zur Wirtschaftsleistung vollkommen überdimensioniert. Dazu gesellt sich eine teils groteske Verschuldungsrate der privaten Haushalte sowie der bekannte Überhang an Immobilien. Die Schuldenproblematik ist übrigens nicht auf die so genannte Peripherie beschränkt, auch in Holland fault so einiges vor sich hin. Wer sich einmal die Situation der privaten Konsumenten in den Niederlanden und das Finanzierungs- und Steuermodell für Hauskäufe anschaut, sieht den Begriff „Kerneuropa“ mit anderen Augen…

Über die mittlerweile beinahe zwanghafte Kategorisierung Peripherie = schlecht, Kern = gut kann man nur noch schmunzeln, scheint sie doch der Vorstellung zu entspringen, selber schon irgendwie davon zu kommen. Auch die Tatsache, warum ausgerechnet Frankreich mit seinen maroden Banken, seinen teils desolaten Industrieunternehmen (z.B. die Autobauer) und einer ungesunden Konsumentenverschuldung weiterhin in vielen Medien munter als Stabilisator der Eurozone eingestuft wird, ist eines der großen Rätsel der letzten Jahre.

Wie nicht anders zu erwarten bekommt auch die deutsche Industrie mit dem üblichen Zeitverzug ihr Fett weg. Gerade dieser zeitliche Versatz führt alle Jahre wieder zur Wiedergeburt der Abkoppelungstheorie. Leider kann sich eine Exportwirtschaft naturgemäß nicht von einer Rezession in Ländern abkoppeln, die gut 50% der aggregierten Nachfrage repräsentieren.

Sehr schwach ist folgerichtig auch der Auftragseingang der deutschen Industrieunternehmen. Der aktuell seit neun Monaten anhaltende Rückgang der Exportbestellungen in Deutschland ist übrigens der längste des laufenden Jahrzehntes.

In der Pressemitteilung von Markit heißt es dazu:

(Markit, April 2012) Beim Auftragseingang schlug wieder ein erheblich höheres Minus als im Januar und Februar zu Buche. Am schlechtesten schnitt in dieser Kategorie der Investitionsgüterbereich ab, der die Ausgabenzurückhaltung der Kunden am deutlichsten zu spüren bekam. Lediglich die Automobilhersteller trotzten dem Trend rückläufiger Nachfrage, so die aktuelle Umfrage.

Die Branchenakteure mussten im März zum neunten Mal hintereinander Verluste bei den Exportbestellungen hinnehmen, wobei der Rückgang noch stärker ausfiel als im Februar. Verantwortlich hierfür war laut Umfrageteilnehmern der abgeschwächte Welthandel. Detailergebnissen der aktuellen Umfrage zufolge wurde die anziehende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen ‚Made in Germany’ aus den USA von nachlassenden Bestellungen aus China und der Eurozone überkompensiert.

Die vor einigen Tagen innerhalb von gerade einmal 24 Stunden vollzogene Umkehr der europäischen Parteien, jetzt doch nicht zu sparen, sondern „einen Pakt für Wachstum“ zu schließen, wird kein Problem lösen. Aber es ist immer wieder unterhaltsam zu beobachten, wie offensichtlich koordiniert die Vertreter aller Parteien zu solchen Anlässen mit staatstragenden Gesichtern aus ihren Höhlen krabbeln. Sicher kann man über die Sinnhaftigkeit und Ausgestaltung so manches Sparpaketes diskutieren, aber man darf die ökonomischen Realitäten nicht ausblenden. Die Krise der Eurozone ist eben nicht einem „exogenen Schock“ – der Standardausrede der neoklassischen Ökonomie – zu verdanken. Sie liegt in der Natur der Sache einer vorangegangenen absurden Kreditausweitung.

Der Kontinent befindet sich bekanntlich nicht im finanziellen Schlamassel, weil er so wettbewerbsfähig und investitionsfreundlich ist. Man sollte sich daher von vielen Vertretern der Finanzwelt nicht irritieren lassen, wenn diese im Chor für ein munteres Drucken plädieren. Dieses Drucken hielte den Sektor schlichtweg in der jetzigen aufgeblähten Form über Wasser. Kämen die Kreditausfälle und würden Banken zum Beispiel über einen groß angelegten debt-equity Swap rekapitalisiert, so stünden viele dieser Branchelobbyisten ohne Hosen da. Zahlreiche gemachte Versprechen – von der sicheren Lebensversicherung bis zu den Fondsparplänen und Pensionszusagen von Unternehmen – würden als das entlarvt, was sie sind und immer sein werden: Risikobehaftete Anlagen. Da sich mit diesem Unsinn jedoch prächtig verdienen lässt, plädiert man gerne für ein „weiter so“ und verkauft dies als einen Prozess „im Sinne der ganz normalen Bürger“. Dummerweise kommt dieser ganz normale Bürger so oder so für die Kosten auf. Ein Staat verteilt bekanntlich nur um.

Die immer zerfahrener wirkende Diskussion innerhalb der Eurozone wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Für ein besonders erfreuliches Investitionsklima werden die ungelösten Probleme und die nicht vorhandene Bereitschaft zum strukturellen Wandel nicht sorgen. Die Mittel werden angesichts derartiger Unsicherheiten auch per Saldo aus der Eurozone abfließen, ganz egal wie tief man das Zinsniveau auch drücken mag. Auch eine Finanzierung zu null Prozent macht ein Verlustgeschäft nicht attraktiv. Garniert mit der Gefahr von Enteignung – direkt oder über neue Steuerkreationen – ist dies für Investitionen ein überaus schlechtes Klima.

Warum überhaupt noch jemand mehr Geld als unbedingt nötig innerhalb der Eurozone belassen sollte, wird zunehmend rätselhaft. Auch die neuesten Maßnahmen in Griechenland sind feinstes Marketing für eine Beschleunigung der Kapitalflucht aus der Eurozone.

(Ekathimerini.com) The Greek government is to begin seizing money from the bank accounts of suspected tax evaders, Finance Minister Filippos Sachinidis told Skai TV on Thursday.

Sachinidis said that the relevant authorities have been instructed to seize the amount that account holders are suspected of owing to the state. The minister said that this would happen before suspected tax evaders go on trial.

Was vor wenigen Jahren noch von vielen als Paranoia eingestuft wurde, ist heute Realität. Aber wie heißt es so schön: Nur weil jemand paranoid ist, heißt das nicht, dass niemand hinter ihm her ist.

Guten Abend, Europa.
© Bankhaus Rott


 

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22 Kommentare auf "Milde Rezession? Unsinn!"

  1. gilga sagt:

    Wie immer ein herrlich geschriebener Beitrag des Bankhaus Rott in dem in gewohnter Manier jede Behauptung auch sauber mit Daten unterfüttert wurde! Und wie immer einen herzlichen Dank dafür!

    „Unter Berücksichtigung der methodischen Schwierigkeiten bei der Verbesserung der Datenqualität der Auftragseingänge der Industrie, wurde die Produktion dieses Indikators auf EU Ebene beendet.“

    Da riecht man doch förmlich ein Totschlagargument, oder? Irgendwann führen wir dann auch keine Arbeitlosenstatistik mehr. Warum? Na ihr habt Euch da jahrelang aufgeregt wie geschönt die Zahlen sind! Leider fällt uns keine Methodik ein die unseren/euren hohen Ansprüchen gerecht wird, deswegen machen wir den ganzen Kram einfach nicht mehr. Spart Geld und der Politik viel Ärger…

    Seit letzten Herbst/Winter riecht es schon immer wieder nach Deflation (weshalb ich zum Jahreswechsel auch kein zusätzliches Cash irgendwo hineingesteckt habe). Irgendwie beschleicht mich in der letzten Zeit immer wieder das Gefühl, dass wir seit 2010 eine Wiederholung von 2008 in Zeitlupe erleben. Nur das dieses Mal das massive globale „herumreissen“ des Ruders ausbleibt. Ob da einfach nicht genug Leute gleichzeitig und mit ausreichender Stärke am Steuer drehen, oder ob der Antrieb und der Einfluss den man so ausüben kann schlicht zu degeneriert ist mag ich nicht beurteilen.

    Aber schauen wir mal wo wir dieses Mal den Boden finden (bzw. die Zentralplanung den Boden zieht)… Was mir Angst macht ist, wie schon so oft geschrieben, die Gegenreaktion die vielleicht irgendwann doch einmal „gelingt“ bzw. zu heftig ausfällt… Es heißt also sich den Seemannsgang anzugewöhnen, damit man nicht von einer der ruckartigen Bewegungen nach Back- oder Steuerbord (rechnen muss man mit Beidem) über die Schiffsreling befördert wird.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Gilga,

      vielen Dank!

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

    • pat sagt:

      “Unter Berücksichtigung der methodischen Schwierigkeiten bei der Verbesserung der Datenqualität der Auftragseingänge der Industrie, wurde die Produktion dieses Indikators auf EU Ebene beendet.”

      Für mich klingt das eher nach: „Leider konnten auch unter Ausschöpfung aller unserer Zahlentricks, die vergegebenen Zahlen nicht erreichen.“

  2. Johannes sagt:

    Schließe mich gilga an und ein dickes fettes Lob ans Bankhaus, der mittlerweile einer meiner Lieblingsautoren aller Blogs geworden ist.

    Solch fundierte Artikel sind eher rar gesät und ich bin wirklich dankbar dafür, dass das Bankhaus uns daran teilhaben lässt.

    Kann mich noch gut an die GR- CDS- Panik-Geschichte erinnern, in der das Bankhaus völlig richtig gelegen ist.- Nochmals Gratulation und Dank allein dafür.

    „Seit letzten Herbst/Winter riecht es schon immer wieder nach Deflation (weshalb ich zum Jahreswechsel auch kein zusätzliches Cash irgendwo hineingesteckt habe).“

    Sah und sehe ich auch so wie Du, habe mich sogar von einem Teil meiner Edelmetalle getrennt, weil ich darin einfach überinvestiert war.

    Gruss

    Johannes

    • gilga sagt:

      Es ist und soll ja eine Versicherung bleiben… ich bin mit einen durchaus guten zweistelligen Prozentsatz meines Vermögens drin und bin der Meinung, dass mir dies als Absicherung (momentan!) auch ausreicht.

      Vor einigen Tagen hatten wir hier ja einen Artikel in dem die Aussage „Eine (Hyper)inflation kann in Sekunden erschaffen werden“ getroffen wurde. Ich schließe mich dem an, habe aber immer auch im Kopf, das in Dtl. auch eine Deflation (der Assetpreise, insb. von Rohstoffen) ebenfalls mit einem Federstrich geschaffen werden kann: Rückkehr zu einer Landeswährung/KernEuro.

      Ja, das ist nicht ganz so einfach wie hier dargestellt, gilt aber meiner Ansicht nach auch für die erste These, wenn man die Konsequenzen für die Entscheider durchdenkt. Und ich persönlich halte beide Varianten in Extremsituationen für ähnlich Wahrscheinlich und sichere mich daher in beide Richtungen ab… in Spanien sollte man diese Strategie im Zweifel sicher anders ausrichten (wenn man denn noch die Wahl/Möglichkeit dazu hat). Mein persönlicher „Favorit“ ist übrigens sogar die Abfolge beider Ereignisse kurz hintereinander, denn 2) wäre die logische Konsequenz aus 1) die dann von der (dt.) Bevölkerung eingefordert wird, oder?

      In letzter Zeit wird ja auch immer wieder die Variante einer schleichenden aber massiven Abwertung des Euro (zu (Papier)Währung und insb. zum Dollar) diskutiert, so dass die entsprechenden Länder davon profitieren können (unterstützt durch Umverteilung im Sinne des ebenfalls diskutierten „Wachstumspaktes“). Dies halte ich jedoch ebenfalls für nicht machbar. Zum Einen spielen die „starken“ Industriestaaten in der Eurozone dann den Rest erst recht an die Wand und zum Anderen ist das Zeitfenster das verbleibt meiner Ansicht nach viel zu klein:

      Wie lange sind diese Arbeitslosenzahlen im Süden denn noch tragbar? (der Hammer kommt ja in vielen Ländern erst noch)

      Wie oft/lang kann man die Bevölkerung enttäuschen? (bis alle politischen Lager durch sind und alle „harten“ Reformen/Sparkurse scheitern)

      Wann folgen darauf die nächsten Wahlen? (siehe Griechenland? 4-5 Jahre sind schließlich nicht viel im Rahmen der Entwicklungen die man „hofft“ anzustossen).

      Eine moderate Inflationierung reicht (inzwischen) einfach nicht mehr aus. Verbleibt Deflation in großen Teilen Europas und damit irgendwann auch Weltweit und in Dtl. oder eben ordentliche Inflationierung die aber schon fast schockartig Verlaufen müsste (wie lange schaut die FED da zu wenn der € zur Parität fällt?) und bei der zumindest ich in Dtl. mit starken Forderungen nach einem Austritt (bei 3€/Liter Benzin etc. dürfte auch die Drohung mit Arbeitsplatzverlust in der Industrie immer schwerer werden) rechnen würde.

      Aber schauen wir mal… irgendwann werden wir’s wissen.

  3. EuroTanic sagt:

    Ich ziehe eine andere Betrachtungsweisen vor, z.B. Arbeitslosenzahlen. Abgesehen von den arbeitslosen Menschen haben die Wenigsten einen Arbeitsplatz. Die Meisten haben lediglich einen Einkommensplatz, und selbst das ist geschönt. Richtige Arbeit im Sinne von etwas kreatives, sinnvolles oder auch nur weriges schaffen ist in der neokapitalistischen Welt nicht gewollt. Die Menschen werden mit sinnlosen, oder gar zerstörerischen Tätigkeiten beschäftigt die die Menschheit nicht einen Deut weiter in der Entwicklung bringt.

  4. […] viaMilde Rezession? Unsinn! | Rott & Meyer. Share| Mai 9, 2012 at 9:58 am by admin Category: Rezession […]

  5. Reiner Vogels sagt:

    Zunächst möchte ich mich dem von meinen Vorpostern schon geäußerten Dank für den wieder einmal hervorragenden Artikel des Bankhauses Rott anschließen. Kaum irgendwo im Netz, geschweige denn in den Mainstreammedien, habe ich bisher derart sachkundige Analysen mit derart treffsicherem Urteil gefunden.

    Dann zu dem, was uns erwartet: „The future’s not ours to see“, hat Doris Day gesungen. Wohl wahr! Alles ist drin, nicht nur Hyperinflation oder Deflation, sondern auch innere Unruhen und politischer Umsturz. Wer da meint, er hätte eine zuverlässige Methode, seine Ersparnisse zu sichern, ist m.G. größenwahsinnig. Es gilt: Immer wachsam bleiben, für jede Option und vor allem für blitzschnelle Reaktion präpariert sein und, nicht zu vergessen, heute sich seines Lebens freuen. Sorgen machen krank und unzufrieden.

    Die Sorge macht bekanntlich blind (Faust II). Und: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ (Aus der Bergpredigt Jesu)

  6. John Doe sagt:

    Howdy Bankhaus,

    Sie mahnen noch ausstehende, weil immer wieder abgelehnt, strukturelle Reformen an. Welches Schweinderl hätten Sie denn gern?

    Ich rate mal.
    1. Der von Parasiten (www.mises.org) bevölkerte Arbeitsmarkt muß dringendst dereguliert werden (Herr Sinn gestern Abend)damit sich die Angebotsbedingungen als bloße Chance auf Einstellungen realisieren lassen.
    2. Den überdimensionierten Finanzbereich. In Zahlen ausgedrückt:

    unlizensierte(OTC)Schattenbanken: $702 Trillion
    lizensierter Finanzbereich: $ 60 Trillion
    realwirtschaftl. Leistung ww: $ 70 Trillion

    Ich hoffe nicht, dass Sie, wie unter Wiederholungszwang stehend, nur die Nummer 1 wählen werden. Die bildzeitung von heute hat die Nummer 1 gewählt und zu gleich noch die sozialistische Unterwanderung und den Niedergang des Kapitalismus durch Holland an die Wand gemalt. Sie hat sich dabei nicht mal entblödet und behauptet weiterhin die Aktion GR hätte was mit „sparen“ zu tun. Ein nachrichtenchef (Germanist) der ftd verwendete weiterhin den Begriff „sparen“ in seiner Antwortmail, obwohl ich ihn gebeten hatte, doch mal im Duden und bei Gabler vorbei zu schauen, was denn mit „sparen“ gemeint sei. Wer diesen Königsweg (siehe GR) als Lösung der Finanz- und Bankenkrise ansieht, der dokumentiert doch, dass der parasitäre Arbeitsmarkt die Ursache allen Übels ist. Wie haben diese Parasiten es bloß geschafft $762 Trillion beiseite zu schaffen und, wo sind die Trillions bloß gebunkert?

    Die Linken würden jetzt die geschaffene „schöne neue Welt des Kapitalismus“ in GR und anderswo in den Abgrund schubsen. Ich habe ihn gefragt, wie auch Sie, ob er denn nicht gemerkt hat, dass auch ohne, seit über 30 Jahren, „linke“ Regierungsbeteiligung,“linke“ Volkswirte, Experten, Banker, „linke“ Schwindler,Gauckler, Spekulanten, das FED diese, nur von ihnen geschaffene, schöne neue Welt sekündlich in den Abgrund stürzen könne. Ein Fellow aus der Riege der VWL´er rechnete mir in einer Beschreibung vor, wie durch die jetzt geschaffene Chance auf Wertschöpfung das nötige Wachstum generiert werden könne, zusätzlich würde als Paradoxon Kaufkraft beim Arebitnehmer entstehen, und über das Wachstum können jetzt die Schulden ab bezahlt werden. Auf meine Bitte, wie hoch denn das Wachstum sein müsse, antwortete er, dass er sich mit linken Parvenus nicht abgeben wolle.

    Meinen Sie jedoch mit Strukturreformen den Finanzbereich, dann bin ich auf Ihrer Seite. Betrachte ich mir als investorgeiler Alien die Welt (Zahlen oben), dann haue ich sofort die Bremsraketen rein, reiße den Rückwärtsgang rein und mach mich mit Warpgeschwindigkeit aus dem Sternenstaub. Mit den Irren da Unten will ich nichts zu tun haben!
    Sie müssen, wenn Sie unter Nr. 2 subsumieren, die Frage beantworten, wie Sie die $702 Trillion wieder aus der Welt schaffen. Sie stimmen mir sicher zu, wenn ich deren Werdegang so beschreibe: Es werde Kredit, es werde Deregulierung, es werde 50-fach gehebelte Derivate, es werde Steuersenkung=Wertabschöpfung,es werde Geld, es werde Krise. Was halten Sie von einem Geschäftsmodell, welches den aktuellen Wert einer Immobilie mit 125 % des Wertes beleiht, die Bonitätsuntergrenze auf das 6-fache eines Jahresgehaltes taxiert, diesen Kredit mit anderen, ähnlich innovativ taxiert,
    Innovationen vermanscht und untereinander handelt, bis die Wahrheit raus kam. Das Schatzamt hat sich $7.2 Trillion bei der FED gegen Zinsen geliehen, um die der FED angehörenden Finanzinstitute raus zu hauen. Das Fed hat noch einmal $7.0 locker gemacht um die eigenen Leute raus zu hauen. Das Ganze wurde dann in den US Staatshaushalt gebucht und Obama wird jetzt zur Sau gemacht, wie er es wagen könne die USA in den Abgrund zu führen. Die lautesten Schreihälse sind die, die in der Vergangenheit Alles getan haben, um die $702 Trillion zu ermöglichen. Nur mal so,abrissartig erwähnt!

    Was kann passieren? Huffingtonpost von gestern: JPMorgan Chase Whistleblower: ‚Essentially Suicide‘ To Stand Up To Bank. Stimmen sie mir und Ron Paul zu, wenn er fordert das FED, ein privat american business, ab zu schaffen und wieder, was alle abgeschafften Regeln betrifft, die Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand fordert.
    Was können Sie dagegen haben?

  7. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo John Doe,

    Ihren Fragen entnehmen wir, dass Sie unsere Artikel noch nicht allzu lange begleiten. Die gerne herausposaunten „Binär-Lösungen“ sind in der Regel eher Talk-Show- als realitätstauglich. Die in diesen und anderen Artikeln angesprochenen strukturellen Reformen beziehen sich sowohl auf den Bankensektor als auch auf andere Bereiche der Volkswirtschaft.

    Zu den Banken: Natürlich ist eine Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken sinnvoll. Aber auch, wenn es ans Eingemachte geht, ist mehr möglich als von den „Alternativlosen“ vermitttelt wird. Eine Abwicklung von Banken ist möglich. Viele verwechseln Abwickeln leider mit Implodieren. Mit Abwickeln meinen wir jedoch ein geordnetes Vorgehen. Technisch ist das möglich, politisch anscheinend (bisher) nicht. Haftbar für die Verluste sind in der Ordnung der Subordination Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber, nicht der Steuerzahler. Die Kosten werden jedoch dennoch auf viele „Normalbürger“ zurückfallen, die in Produkten wie Lebensversicherungen engagiert sind. Das wollen viele nicht wahr haben, was an der Tatsache nichts ändert.

    Ein Punkt, der in der bunten Kredit- und Bankenwelt gerne vergessen wird, ist das viele Kredite, die nachher in Verbriefungen vor sich hinfaulten, vorher zu echter Nachfrage führten (Bau, Autos, neue Socken, Spesenrestaurants, was auch immer). Von der Aufblähung der Bilanzen haben somit auch diejenigen Firmenchefs und Arbeitskräfte normaler Unternehmen profitiert, die sich später als „Opfer“ gerierten. Was passiert, wenn die Nachfrage auf Normalmaß schrumpft sieht man derzeit in der Peripherie, wo auch ohne Sparmaßnahmen eine Rezession Einzug gehalten hätte.

    Bei den Volumina der Derivate ist generell Vorsicht angebracht. Gerne wird ja mit möglichst beeindruckenden Gesamtnotionals herumhantiert, das ist bei allen tastächlichen Risiken jedoch wenig hilfreich (siehe der Hype um die Griechenland CDS). Ob man diese Papiere braucht ist eine ganz andere Frage. CDS beispielsweise sind nicht das große Kernrisiko, als das sie gerne dargestellt werden. Wenn es diese Swaps aber nicht gäbe, wäre die Welt auch nicht ärmer. Leider sind sowohl der Erfindungsreichtum der Strukturierer als auch die Blindheit der Regulierer schwer zu übertreffen, so dass als heiliger Gral der Eigenkapitalbeschaffung nun die CoCos (contingent convertibles) herhalten müssen. Leider sind diese Papiere nicht sinnvoll zu bewerten, womit wir beim nächsten strukturellen Thema wären: Vereinfachung der Kapitalstruktur.

    Aber strukturelle Reformen und eine veränderte Denkweise sind auch in anderen Branchen durchaus angebracht. Wir finden es schon ziemlich seltsam, wenn eine Regierung bei nachweislich nicht überlebensfähigen Unternehmen davon spricht, eine Pleite sei „keine Option“. Das gilt für Seifenhändler und Autohersteller gleichermaßen.

    Es wird in den kommenden Dekaden zu einer Forsetzung der Wohlstandsverschiebung in andere Länder kommen. Darauf kann man sich (a) vorbereiten, man kann es (b) für unmöglich halten oder (c) auf sich zukommen lassen. Wir plädieren für (a), aber das ist natürlich jedem selbst überlassen. Der Schmerz sinkender Realeinkommen wird derzeit – zumindest bei einigen – über steigende Nominaleinkommen kaschiert. Die Gewöhnung daran, dass Reallöhne über sehr lange Zeiträume fallen können, wird sehr schmerzhaft werden, denn es gibt auch in Deutschland nicht nur unterbezahlte Menschen.

    Das Steuerrecht finden wir ebenfalls interessant. Besonders bemerkenswert, wie sich „der kleine Mann“ allen Fakten zum Trotz davon überzeugen ließ, er sei der Profiteur der Ausnahmeregelungen, weil er 500 Euro Spritgeld zurückbekommt. Ein Witz.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    P.S.: Die Fed können Sie und Ron Paul gerne abschaffen. Man sollte allerdings nicht darauf hoffen, dass dann alles in Ordnung ist.

  8. lachmoeve sagt:

    Immer wieder auf´s Äußerste beeindruckend, wie klar verständlich und völlig nachvollziehbar Sie Ihre Artikel gestalten.
    Sie haben meinen größten Respekt – und ich wünschte, Ihre Ausführungen würden von unseren Volksvertretern auch nur ansatzweise, wenn schon nicht mit Überzeugung, dann doch wenigstens mit offenen Augen und Ohren, gelesen. Vielleicht würde das ja mal wenigstens zum Nachdenken animieren…
    Aber selbst was das Nachdenken angeht verliere ich jegliches Vertrauen in diejenigen die sich in der Verantwortung tummeln…

    Ich habe in letzter Zeit etliche emails an verschiedenste Abgeordnete gesendet, – http://www.abgeordneten-check.de – und bekam gerade mal 2 Antworten, von Frau Schroeder (CDU) und von Frau Hagedorn(SPD). Und bin , obwohl nicht viel anders erwartet, doch völlig schockiert, wie sehr das Individuum offensichtlich in der schwabbeligen Masse der Partei (egal welcher!) aufweicht bis zur Nicht-Existenz.Mit kompletter Verweigerung des eigenen Denkens. Mir blieb nicht viel mehr als daran zu appelieren, dass unsere gewählten Vertreter ihrem eigenen Gewissen verpflichtet sind und nicht ihrer Partei.
    Und es ist kein Trost zu wissen, dass ich diesen Appell auch in den Wald schreien könnte…

    Menschen wie Sie, die ihr Wissen und ihre Erfahrung – und damit auch ihre manchmal ziemlich bedrückende Voraussicht – mit anderen teilen ohne einfach nur an Profit zu denken kämpfen da auf leider ziemlich verlorenem Posten!
    Dennoch bin ich enorm dankbar dass Sie uns mit Ihren Artikeln (hoffentlich weiterhin) unermüdlich mahnen und aufklären 🙂

  9. MARKT sagt:

    Ich bleibe dabei: Die eingeforderten Reformen sind zwar vordergründig richtig und sinnvoll. Im Gesamten, sind Sie aber auch nur ein kurieren der Symptome. Dies führt im besten Fall dazu, das das Leben eines an sich kranken, perversen Systems um einige Zeit verlängert werden könnte. Die Probleme würden sich um einige JAhre, maximal eine Generation aufschieben lassen.

    Ein verzinstes Kreditgeldsystem wird immer wieder an seine Grenzen stossen. (Dem Zins und Zinseszins sei Dank)

    @Gilga
    ja ich denke auch, wir werden beides bekommen, Inflation und Deflation. Damit dürfte aber auch die Reihenfolge klar sein. Cash dürfte noch einige Zeit die wichtigste Anlageklasse bleiben. Es muss ja nicht ausschließlich in Euro sein.

  10. Wollen sagt:

    Ich unterstelle mal,das kaum jemand wirklich (noch) einen Plan hat von den Mächtigen die hier nur noch reagieren nicht agieren,nach dem Motto mal schaun, was der nächste Tag so bringt.
    Heute waren innerhalb von wenigen Stunden zwei völlig widersprüchliche Meldungen in großen online Medien zu lesen..Thema europäische Wirtschaft..
    Dann wird alles an Griechenland festgemacht politisch, wie wirtschaftlich wo die Wirtschaftsleistung ~3%? des gesamt europäischen Raumes beträgt.

  11. khaproperty sagt:

    Schon recht.
    Allerdings war die aktuelle Entwicklung seit Jahren vorauszusehen, weil infolge der Krise staatsprogrammgetriebene Strohfeuer a la Keynes am Ende nichts als Asche ließen, nicht etwa den selbsttragenden Aufschwung erzeugten, von dem all diese Irren träumten.
    Nur staatliche – damit des Teufels – Fürsorge verzögerte den nötigen und heilenden Crash. Schulden folgten auf Schulden und bewirkten nur einen kleinen Aufschub.
    Das zu erkennen und die Folgen zu prognostizieren, war nicht schwer.

    Die weltweit manipulierten Wirtschaftsdaten – in USA etwa: angepaßt, basisgeändert, neu basiert und anders gewichtet – sind Legion und Selbstverständlichkeiten. Wie sollte auch sonst eine Regierung Land und Wahlen im Griff behalten.
    In Deutschland etwa wird die amtliche Berichterstattung zur Wirtschaftslage 2008 von wissenschaftlicher Seite als „fraglich“ eingestuft, das Informationsangebot zur Wirtschaftslage als „realitätsfern“ disqualifiziert. Dabei bemühen sich die Wissenschaftler noch um allerhöchste verbale Zurückhaltung.

  12. Wollen sagt:

    Ja gut,stimmt,ist standardisierte Methode,sonst kommt innerhalb der Gesellschaft zu viel Unruhe auf,kann unkontrollierbar werden.In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird doch meistens die Informationspolitik an den Staat weitergegeben, kontrolliert.Ist nur manchmal schwer damit umzugehen..wie verhalte ich mich persönlich dann richtig gegen über anderen Menschen..?
    Wenn ich von mir jetzt ausgehe, hab ich einen völlig anderen Informationsstand, als es öffentlich geschrieben steht..,am besten nicken und lächeln..ist für mich das beste mittlerweile.
    Verständnis hab ich schon lang keines mehr weder für wirtschaftlich politische Entscheidungen innerhalb von Deutschland und auf europäischer Ebene.
    Das man heut Politik und Wirtschaft in einem Atemzug nennen muss ist schon das erste große Trauerspiel,das Zweite ist die Uneinsichtigkeit über das Thema ein Europa.Europa ist doch mittlerweile tiefer gespalten,wie es als Idee auf dem Papier steht Hauptsache ich kann Subventionsgelder in Brüssel einstreichen(Lobbys).Völlig entartetes System,ich bin kein Skeptiker,nur sollte man sich eingestehen das so nicht weiter gehen kann mit der Idee Europa,es wird ein Traum bleiben.

  13. Wollen sagt:

    ..echte Parallelwelten!!.die Wirtschaftsdaten von den europäischen Ländern im Frühling! So schlecht sind,das konsequenterweise der Sommer ähnlich ausfallen wird.Die heute veröffentlichten Daten aus China sprechen dann auch für sich..,es wird schwerfallen da irgendwie positive Hoffnung zu verkaufen, allein nur von Autos bauen kann keine Binnenwirtschaft dauerhaft leben, mehrheitlich Quartalszahlen, Ausblicke negativ sind,wie kann hier noch positive Stimmung am Markt erzeugt werden?
    Wovon jetzt gesprochen wird ,von einer europäischen wirtschaftlichen Erholung? ,ist ein hohes negatives Niveau, was noch nicht erreicht ist…

  14. John Doe sagt:

    Howdy Bankhaus,

    Steuerrecht. Ein Witz ist es ebenso, wenn nach der aktuellen (im 1. Quartal!) Steuerschätzung über 4 Jahre hinweg 30 Mrd. € prognostiziert werden, eine bestimmte Clique (ftd) schon wieder nach Steuererleichterungen brüllt. Gleiches gilt für die Hype, das Polster der Krankenkassen „ab zu schmelzen“! Es geht in der Summe um gerade mal 5 €/mtl.. Das Geld ist noch nicht mal im Säckel und wird heute schon von dieser Clique verteilt. Was mag diese Experten wohl antreiben? Vielleicht haben sie die Worte des „Doyen der deutschen Volkswirtschaft“ Griesch, ein Hayek-Anhänger, im Hinterkopf, der Mitte der achtziger Jahre die „Agenda für die deutsche Volkwirtschaft“ schrieb. Dringend müsse der Staat an Macht verlieren. Zu lösen sei das Problem des Widerstandes, indem man beispielsweise Steuern senke. Man brauche das Diktat der leeren Kassen. Nicht aus Notwendigkeit solle der Staat machtloser und ärmer werden, sondern aus Prinzip!

    Sie sprechen sich für eine milde Regulierung im Finanzbereich aus und hängen die Blockade an der Politik auf. JPMorgan ist in den USA der größte Gegner des Frank-Dodd-Act. Gerade meldete JPM, dass innerhalb von nur 6 Wochen $2Billion=Mrd. in den Sand gesetzt worden sind. Es sind Geschäfte, die durch den Frank-Dodd-Act verhindert werden sollten. How Wall Street Killed Financial Reform. It’s bad enough that the banks strangled the Dodd-Frank law. Even worse is the way they did it – with a big assist from Congress and the White House (rolingstone.com, Matt Taibbi). Die Politik als einzigen Bremser zu brandmarken ist fahrlässig. Fragen Sie nach den Interessen, und akzeptieren das Faktum, dass 9 Finanzinstitute (angeführt von JPM + G&S) 54 % aller assets in den USA konrollieren, dann haben Sie die treibende Kraft lokalisiert.

    Sie raten mir zur Vorsicht, wenn es um Volumina geht, jene besagten $702 Trillion=Billionen (Quelle: BIZ) im unlizentierten Finanzbereich und um die $60 Trillion. Worauf Sie hinweisen sind nur die Summen, die heute schon „vernichtet“ sind und vom Staat gerettet wurden. Für wen?

    Sie weisen darauf hin, dass mit den Krediten, Derivaten ja Werte wie Straßen etc. geschaffen worden sind. Ich halte dies, mit Verlaub, für reine Oikodizee. In den USA sind rund 74 % aller Verkehrswege seit Jahrzehnten in einem verrotteten Zustand. In D sind 3/4-tel aller Brücken reparaturbedürftig. Es ist aber kein Geld da! Wie viel von dem künstlich geschaffenem „Geld“ ist in der realen Wirtschaft angekommen, wie lässt sich das empirisch nach weisen? Ist es nicht so, dass wir eine gigantische Inflation hätten, käme das „Geld“ komplett hier an?

    Sie deuten zaghaft an, dass der Grund für Reformen gewisse „Verkrustungen“ sind, die es gilt auf zu brechen, gemeint ist wohl auch der Arbeitsmarkt mit seinen Vernetzungen. Damit solle der Krise entgegen gewirkt werden. Der Finanzmarktkrise, einfach nur albern, aber passt gut zu dem Witz mit den 500 € Benzingutschein! Mehr Markt, Privatisierung, Deregulierung, Flexibilisierung lautet immer noch die Parole. Diese Parole ist nicht bloß in Talk-Shows präsent. Sie wird tagtäglich gelebt! Der nach internationalem Recht geschlossene EFSM u. Fiskalvertrag ist supranational. Dort sind genau diese Parolen rechtlich unangreifbar, weil nicht justiziabel, niedergelegt. Beschließt z. B. dieses Gremium, dass die Löhne als Störfaktor für Wachstum gekürzt gehören, dann hat die Bundesregierung in D dies um zu setzen. Die von Ihnen genannte asymetrische Einkommensentwicklung wird zum Gesetz.

    Da kriegen wir gerade die üblen Begleiterscheinungen des entfesselten Marktes um die Ohren gehauen und immer noch wird den Parolen der liberalen Ökonomie, dass der Markt ein exemplarischer Schauplatz von Ordnung, Integrationsmechanismen, Ausgleich und somit gesellschaftlicher Vernunft sei, blindlings gefolgt.

    Das FED-Kartell. Es druckt das Geld und verleiht es dem Staat gegen Zinsen. 1982 lagen die Schulden laut des US-Finanzamtes bei ca. 1,07 Billionen US-Dollar. Die angefallenen Zinsen von etwa 115,8 Milliarden US-Dollar gingen an die FED. Im Jahr 1992 verfügte die FED über rund 5 Billionen US-Dollar an Obligationen ggü. dem Staat. Es wird kolportiert, dass von einem Schuldenberg von sagenhaften 55 Billionen USD aus zu gehen sei, die 15 Billionen USD seien nur die Spitze des Eisberges. Es sei nur die Summe, die veröffentlicht werden müsse. sei es mal drum, aber für die 15 Billionen USD hat der US-Staat Zinsen aus dem 1913 zugebilligten Recht Steuern erheben zu können, zu zahlen. Christie will die Steuererhebung abschaffen, die Zinszahlungen aber nicht. Ergibt sich daraus nicht zwangläufig die Forderung nach Privatisierung von heutigem Staatseigentum?

    Steckt dahinter Notwendigkeit oder nur Prinzip?

  15. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo John Doe

    wir freuen uns über Kommentare, würden es aber sehr begrüßen, wenn Sie uns keine falschen Aussagen in den Mund legen.

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    Sie sprechen sich für eine milde Regulierung im Finanzbereich aus
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    Wie kommen Sie darauf? Halten Sie Insolvenzen, Trennung von Geschäftsbanken und hohe echte EK Quoten für milde Regulierung?

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    Sie deuten zaghaft an, dass der Grund für Reformen gewisse “Verkrustungen” sind, die es gilt auf zu brechen, gemeint ist wohl auch der Arbeitsmarkt mit seinen Vernetzungen
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    Wir raten bei der Berurteilung der Größenordnung derivativer Positionen zur Vorsicht, weil viele gerne auch das kritisieren, was sie technisch nicht nachvollziehen können. Dazu passt leider Ihre Unterstellung, wir hätten folgendes behauptet.

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    Sie weisen darauf hin, dass mit den Krediten, Derivaten ja Werte wie Straßen etc. geschaffen worden sind
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    Das ist vollkommener Unsinn, wir sprachen von Kreditverbriefungen, nicht von synthetischen Produkten. Sollten Ihnen die Unterschiede der verschiedenen Assetklassen nicht geläufig sein, besteht Nachholbedarf.

    Wir würden wir es begrüßen, wenn Sie sich diese Kenntnisse aneignen, bevor Sie uns vollkommen falsche Aussagen zuschreiben. Das ist nicht zuletzt eine Frage des Respekts und der Höflichkeit, und das sind unserer Meinung nach auch im Falle von verschiedenen Meinungen hohe Güter.

    Ansonsten dürfte es hilfreich sein, mehrere unserer Artikel der vergangenen Jahre zu lesen. Viele Fragen an uns sollten sich so recht schnell von selbst klären.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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