Messias 2.0?

18. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Jede Menge Glitzer und Goldstaub fliegen durch die Luft. Es riecht nach Zauberei. Sogar über dem Börsenhimmel leuchten die Sterne. Die Zeit der Wunder ist da. Bald wird ER ins Weiße Haus einziehen – der Messias: Donald J. Trump…

Ein Mann, der das Ende der Welt bedeutet, so wie wir sie kennen, schrieb ein früher mal großes, heute aber lustiges Nachrichtenmagazin. Weil aber die Börse stieg, statt zu fallen, behaupten Kenner mit Nachdruck, Trump wäre der neue Messias. Halleluja! Später werden sie zu berichten wissen, dass er nachts heimlich über den Hudson River spaziert und sein Wasser in Wein verwandelt.

Trump gab den Amerikanern Hoffnungen und Versprechen. Mal sehen, was er ihnen dafür wieder abnimmt.

Am Anleihemarkt gab es einen Zinsschock, riecht man doch die neuen Schulden. Die FED erhöhte den Leitzins. War es Notwenigkeit, so wie man sagt, oder ein Giftpfeil von Janet Yellen, der die neuen Schulden des neuen Präsidenten noch teurer machen wird? Schließlich kostet Prozentpunkt mehr den Staatshaushalt rund 200 Milliarden US-Dollar – pro Jahr.

Was aber sind heute schon Milliarden, wenn künftig die Billion zum Maßstab wird? Alte Schulden werden später ohnehin mit schlechterem Geld zurückgezahlt, das notfalls die FED bereitstellen wird, wenn der US-Steuerzahler längst pleite ist.

Was hat Trump vor? Wir wissen es nicht. Aber die Experten tun so, als wären sie diesmal schlau.

Zunächst hat er die Führungsriege von Goldman Sachs in die Regierung geholt, wo sie wie ein Schäferhund den Wurstvorrat bewacht. Trumps Zauber wird darin bestehen, das Geld der anderen auszugeben, was diese Leute geschickt in die richtigen Kanäle zu leiten wissen. Was in der Kasse fehlt, wird geborgt.

Die Notenbank wird, was sollte sie sonst tun, die Inflation anheizen, was der Chef-Anstreicher der statistischen Zahlensalate zu verheimlichen versucht.

Big Donald wird man ihn nennen, der die Reichen zwangsläufig reicher macht und die Armen ärmer. Er wird den kleinen Leuten soviel geben, dass sie zu Hause auf der Couch liegen bleiben statt auf der Straße noch höhere Forderungen stellen. Sehen Sie das Funkeln über dem Capitol? Und über der Wall Street?
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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Ein Kommentar auf "Messias 2.0?"

  1. waltomax sagt:

    Trump wird eine Infrastrukturbank gründen und über diese zunächst einmal sowohl private als auch öffentliche Gelder locker machen. Durch Infrastruktur-Anleihen, neue Bankschulden und vielleicht auch Aktien.

    Der US – Steuerzahler wird also seine neuen Jobs in dem Infrastruktur-Programm letztlich selber finanzieren, einigen Branchen zu dicken öffentlichen Aufträgen verhelfen und anschließend für die Nutzung der erneuerten Infrastruktur Gebühren blechen.

    Die Belastungen werden also bleiben, auch über die Wirkdauer des Programmes hinaus, wenn die Jobs schon längst wieder verschwunden sein werden.

    Die Gewinne werden dagegen ebenfalls bleiben, die Reichen also noch reicher werden und die USA noch ein Stück pleiterer, als jetzt schon.

    Das Verscheuern der Infrastruktur, also des Tafelsilbers, gleicht eigentlich dem Vorgang in Griechenland, mit dem Unterschied, dass die Griechen kein wertloses Geld drucken können, wenn sie die Schulden vieler in die Inflationsgewinne weniger verwandeln.

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