Merkel gegen Merkel? Es gilt das gebrochene Wort!

8. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Wenn die Regierung etwas ändern will, warum tut sie es dann nicht? Mit dem CDU-Parteitag in Essen ist der Bundestagswahlkampf 2017 nun offiziell eingeläutet. Es ist immer interessant zu hören, was sich die größte Regierungspartei so alles für die neue Legislaturperiode vornimmt.

Besonders relevant werden solche Absichtserklärungen allerdings nicht sein, denn der gelernte Bürger weiß, dass in den Monaten des Wahlkampfes die Verachtung und Verhöhnung des Wahlvolks durch Schmeichelei kaschiert wird. Insbesondere die ehedem konservativen Parteien sind betroffen.

Während der frühere CSU-Chef Franz-Josef Strauß noch „die Einheit von Denken, Reden und Handeln“ forderte, hat der aktuelle Vorsitzende, Horst Seehofer, das Gegenteil zu einer regelrechten Kunstform entwickelt. Obwohl die CSU noch jede 180-Grad-Wende der Regierungen Merkel – deren Teil sie ja ist – mitgetragen hat, ist sie stets darum bemüht, sich ihren Wählern als eine Art „innerkabinettliche Oppositionspartei“ darzustellen. In dieser Richtung werden wir bis zur Bundestagswahl, die voraussichtlich im September 2017 stattfinden wird, noch viel lesen und hören. Und weil Merkels Politik im Volke so unbeliebt ist, hat sich die CDU in Essen nun auch selbst entschlossen, eine Art Oppositionsrolle dagegen zu übernehmen – zumindest verbal.

So soll es beispielsweise, man höre und staune, ein Burka-Verbot in Deutschland geben oder eine Verschärfung des Asylrechts, das ohnehin nicht angewendet wird.

Sogar die „Kinderehe“ – so der beschönigende Begriff für einen unappetitlichen Straftatbestand – soll nun „grundsätzlich verboten“ werden, so als ob sie das nach deutschem Recht nicht ohnehin längst der Fall wäre. Zudem darf man auf die Ausnahmen von diesem Grundsatz gespannt sein.

All diese Forderungen mögen aus der Sicht einer Oppositionspartei noch angehen, von einer Partei allerdings, die seit zwölf Jahren ununterbrochen die führende Regierungspartei ist, also reichlich Zeit zur Gestaltung gehabt hätte, sind sie eine freche Verhöhnung des Wahlvolks, oder wie das bei der CDU nun heißt, „derjenigen, die schon länger hier leben“.

Dass sich die Wähler nicht alles gefallen lassen, zeigte der Niedergang der FDP. Mit einem glaubwürdigen liberalen Wahlprogramm und der Aussicht auf Steuersenkungen und weniger Staat erzielte sie bei der Bundestagswahl 2009 mit 14,8% das Rekordergebnis ihrer Geschichte. Da es den Akteuren in der Folge aber erkennbar weniger um das Programm als um die Ministerposten ging, wurde sie von den Wähler bereits 2013 abgestraft – mit 4,8% erzielte sie das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte und fiel verdient aus dem Bundestag. Die Spekulation auf das kurze Gedächtnis der Wähler geht also nicht immer auf.

Nicht nur Trump…

Die Auswirkungen der Wahl von Donald Trump gehen weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Vor allem an der russischen Börse konnte dessen Einzug ins Weiße Haus Euphorie auslösen. Denn zumindest die Wahlkampf-Rhetorik Trumps legt nahe, dass dem „President elect“ an einem deutlich verbesserten Verhältnis zum russischen Präsidenten Putin gelegen ist. Die Aussicht darauf, aber auch ein deutlicher Anstieg des Ölpreises gab der Börse in Moskau zuletzt Auftrieb.

Ist diese Rally nun schon vorbei? Im aktuellen Smart Investor 12/2016 analysieren wir für Sie daher die Verfassung der russischen Volkswirtschaft, einige attraktive russische Mid Caps, aber auch die hochpolitischen Rohstoffaktien, die in den letzten Jahren vor allem unter den Sanktionen des Westens gelitten hatten. Darunter finden sich auch so prominente Namen wie Gazprom und Rosneft, an denen jeweils der russische Staat als Großaktionär beteiligt ist. All diese Titel notieren auch nach der Rally der letzten Monate aus fundamentaler Sicht noch immer zu Schnäppchenpreisen.

Zu den Märken

Geschafft! Nachdem sich der DAX schon in den letzten Tagen mit Riesenschritten an das obere Ende seiner Konsolidierungszone herangeschoben hatte, erfolgte heute der Befreiungsschlag. Mit einem Aufwärts-Gap überwand er den seit Mitte August etablierten Widerstand. Charttechniker nennen dies ein Breakaway-Gap und das ist eindeutig positiv. Damit nahm der deutsche Leitindex nun auch endlich die positiven Vorgaben aus der USD/EUR-Entwicklung und der Stärke der US-Märkte auf (vgl. SIW 48/2016).

dax2016-12-07

Für den DAX beginnen zudem nun auch noch die saisonal stärksten Wochen des Jahres – eine Traumkonstellation. Eine Frage, die bislang dennoch nicht beantwortet ist, warum benötigte der DAX so lange, das Offensichtliche einzupreisen. Waren es nur die politisch betriebenen Angstkampagnen wegen Brexit, Trump, Italien-Referendum, etc., oder steckt vielleicht doch mehr dahinter?

Fazit

Achtung: Der Wahlkampf ist eröffnet. Aussagen von Politikern sind nun mit besonderer Vorsicht zu genießen.

© Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor

 

3 Kommentare auf "Merkel gegen Merkel? Es gilt das gebrochene Wort!"

  1. Insasse sagt:

    „Achtung: Der Wahlkampf ist eröffnet. Aussagen von Politikern sind nun mit besonderer Vorsicht zu genießen.“

    Wahlkampf müsste richtigerweise Wahlwerbung heißen. Die von den Parteien abgesonderten (Werbe-) Inhalte wären damit wesentlich zutreffender bezeichnet.

    Aussagen von Politikern im Rahmen von Wahlwerbung, sind nicht nur mit Vorsicht zu genießen, sondern sollten grundsätzlich und von vornherein als nicht ernst gemeint bzw. unwahr abgestempelt und missachtet werden. Dies gilt insbesondere für solche Aussagen, in denen den Wählern materielle Vorteile versprochen werden.

    Im Grunde müsste Wahlkampf verboten werden. Parteien dürfen ihr Programm veröffentlichen und die Bürger können sich dazu informieren. Im Übrigen haben die bloßen Tatsachen auf die Bürger zu wirken, um die Arbeit der regierenden Parteien zu würdigen.

    Wahlkampf, besser: Wahlwerbung, ist dagegen nichts anderes als organisierter Betrug, den der Wähler auch noch selbst bezahlen muss. Absurd!

  2. bluestar sagt:

    CDU-Parteitag – 11 Minuten stehende Ovationen für Worthülsen im Hosenanzug. Das übertrifft sogar noch die SED im Endstadium. Traurig, dass diese Parteileute nicht einmal mehr registrieren wie peinlich und ekelig solche Inszenierungen und unterwürfiger Personenkult sind, mal von den im Artikel beschriebenen inhaltlichen Zumutungen ganz abgesehen.
    Trotzdem ist dieses Niveau für die „schon länger hier lebenden“ ausreichend um als stärkste Partei in diesem Lande frei gewählt zu werden. Wenn man noch die Stimmen der anderen sozialistischen, antideutschen Kriegstreiberparteien dazurechnet wird es so richtig spannend. Deutschland schafft sich selbst ab und nimmt die bürgerliche Demokratie gleich mit.

  3. waltomax sagt:

    Off topic – oder des Pudels Kern?

    In der Jungsteinzeit wohnten einige Stämme am Bodensee. Die Häuser standen auf Stelzen im See. Man arbeitete 4 Stunden am Tag, den Rest der Zeit verbrachte mit anderen Dingen. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, ein Schuldgeld einzuführen, das die Gesellschaft in ein andauerndes quantitatives Wirtschaftswachstum zwingt. Man arbeitete damals für sein täglich Brot und eine sinnvolle Bevorratung für den kommenden Winter.
    Aus meine Zeit in Südafrika weiß ich, dass die Zulus immer nur solange bei den Weißen arbeiteten, bis sie auf absehbare Zeit genug Geld zum Leben hatten. Danach gingen sie heim zu ihren Familien und kehrten erst zurück, wenn das Geld langsam ausging.

    Kernbotschaft: Egal, ob in Italien, Griechenland oder anderswo! Es gibt keine dauerhaft expandierenden Märkte. Alles strebt natürlichen Grenzwerten zu, die auf eine Sättigung hindeuten. In dieser Phase kann man nur optimieren, was quantitativ schon erreicht ist. Das meint qualitatives Wachstum.

    Es gibt also kein spezifisches Problem in Italien oder Griechanland, sondern vielmehr ein generelles mit lediglich italienischer oder griechischer Ausformung. Denn die Grenzen des Wachstumes betreffen schließlich die ganze Welt.

    Besonders in der Emiglia R. gibt es zahlreiche Agrar – Genossenschaften, die bis auf den heutigen Tag erfolgreich wirtschaften und kooperieren.
    Dabei geht es kaum mehr um quantitative Zuwächse, sondern um den Erhalt des bestehenden Marktes und des erreichten Wohlstandes. Man kann dann auch ohne quantitatives Wachstum leben. Mit Qualität nämlich.

    Doch die blinde Profitgier, die ja schlussendlich auch der Vater des Schuldgeldsystemes ist, will uns ständig einreden, wir müßten ständig mehr und mehr „wachsen“. Obwohl unsere eigenen Vorfahren ob einer solch blöden Forderung sich sicher an den Kopf gefasst hätten. Zudem gibt es auch in der Gegenwart Menschen, die ohne diese Konditionierung leben und einer solchen erst gar nicht verfallen.

    Der ach so primitive Steinzeitler vom Bodensee hätte einem Draghi sicher den Vogel gezeigt, ein exponentielles Wachstum durch Drucken wertlosen weil ungedeckten Geldes anschieben und erhalten zu wollen.

    Nun habe ich nicht das Privileg, in einem Hause im See zu wohnen und nur 4 Stunden täglich zu arbeiten. Denn das Seeufer ist durch Bonzen besetzt, deren Besitz zu erhalten und zu steigern ich in meiner Arbeit ständig gepresst werde. Auf Kosten meiner Gesundheit und meiner Familie, für die man am Bodensee vor Jahrtausenden mehr Zeit hatte, als ich.

    Wer ist da wohl primitiv?

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