Meisterwerke: Hurra, es ist eine Krise / Die Iden des März

4. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) Der Gott Abrahams mag im Vatikan herrschen, aber eine andere Gruppe von Göttern herrscht über die Finanzwelt. Sie sind wie die griechischen Götter… verspielt und böswillig, mit einem ausgeprägten Sinn für Humor. Sie blicken nicht wie ein gutmütiger Hirte vom Himmel herab, der seine Herde bewacht, sondern wie ein kichernder Gaffer, der auf die wettet, die im Schlamm kämpfen...

Hier auf diesen Seiten ist es nicht das erste Mal, dass ich diesen geringeren Gottheiten meine Ehre erweise. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich ihre perversen Methoden behandle. Diejenigen, die von diesen Göttern zerstört werden, werden zuerst mit zu viel Glück verflucht. Heute blicke ich auf die positive Seite: später werden sie vom Unglück gesegnet werden.

Eine längere Lebenserwartung

Einer Reihe von Forschern von der Universität in Michigan zufolge, leiste eine Wirtschaftskrise mehr für ein langes Leben als eine Diät oder sportliche Ertüchtigung. Die Lebenserwartung ist in den schlimmsten Jahren der Weltwirtschaftskrise von 57,1 Jahren im Jahr 1929 auf 63,3 Jahre im Jahr 1933 gestiegen, heißt es in einem Bericht von Jose A. Tabia Granados und Ana Diez Roux. Es war gleichgültig, ob man ein Mann oder eine Frau war, schwarz oder weiß. Und es kam auch nicht darauf an, ob man während der Weltwirtschaftskrise in den USA war, oder ob man sich in Spanien, Japan oder Schweden aufgehalten hat, als diese Länder ihre Krisen erlebten. Das Ergebnis war in allen Fällen das Gleiche.

Im Gegensatz dazu ist die Lebenserwartung in den Jahren des Booms zurückgegangen. Für die meisten Altersgruppen hat die Sterblichkeit“ den Gipfel in den Jahren der wirtschaftlichen Expansion erreicht (z.B. im Jahr 1923, 1926, 1929 und in den Jahren 1936-1937)“, schrieben sie in den „Proceedings of the National Academy of Sciences.“

Es ist gängige Meinung, dass die Zeiten der Rezession Zeiten der Anspannung sind. Die Menschen ernähren sich nicht so gut. Sie gehen nicht zu den medizinischen Untersuchungen. Sie sollten früher tot umkippen. Stattdessen leben sie länger. Vielleicht liegt es daran, dass eine Wirtschaftsschwäche den Menschen erlaubt, in einem angenehmeren Tempo zu leben. Vielleicht bekommen die Menschen mehr Schlaf. Ich weiß es nicht. Aber wenn man vorhat, zusätzliche sechs Jahre zu leben, dann hilft nichts besser als eine Konjunkturschwäche. Und wenn es auch noch um die wirtschaftliche Gesundheit geht, dann ist nichts besser als eine Krise.

Unerhörte Privilegien

In der vergangenen Woche erklärte der Präsident der Weltbank, Robert B. Zoelick in Washington, wie der Dollar die Amerikaner reicher hat werden lassen.

Die Vereinigten Staaten hatten ein unglaubliches Glück, dass der Dollar einen so besonderen Status genießt [als Weltreservewährung].“ Das hat es den Amerikanern ermöglicht, dass sie Dinge im Ausland kaufen konnten für die sie mit dem Dollar bezahlten. Und dann blieben diese Dollar, anstatt in die Vereinigten Staaten zurückzukehren und dort Ansprüche auf amerikanische Anlagewerte geltend zu machen, in den Schatzkammern der Zentralbanken in den entsprechenden Ländern. Es war, als könnten die Vereinigten Staaten, und nur die Vereinigten Staaten, Schuldscheine ausstellen und diese niemals begleichen. Ein exorbitantes Privileg“, sagte Valery Giscard d’Estaing dazu.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die Welt keine echte Alternative. Sie musste den Dollar bei internationalen Transaktionen verwenden, genauso, wie sie einst Gold verwendet hatte. Das hatte einen ganz beachtlichen Effekt auf den Welthandel und ungefähr den gleichen Effekt für Amerika wie ein Lottogewinn. Und wie bei einem Lottogewinn, hat es dazu geführt, dass Amerika dadurch ruiniert wurde.

Ohne eine echte Einschränkung bei der Zahl der Schuldscheine, die man ausstellen konnte, haben die Amerikaner deutlich zu viele davon ausgestellt. Von einem Tiefstwert von 2% des verfügbaren Einkommens im Jahr 1945 ist der Betrag, der zum Bedienen der amerikanischen Schulden notwendig war, auf fast 15% im Jahr 2007 angestiegen. Betrachtet man das Verhältnis Gesamtverschuldung und Bruttoinlandsprodukt, dann lag es im Jahr 1945 bei nur 150%, aber da kamen die öffentlichen Schulden aus den Kriegsjahren hinzu, die bei 120% des Bruttoinlandsprodukts lagen. Im Jahr 1950 waren die Kriegsschulden auf ungefähr 70% des Bruttoinlandsprodukts reduziert, wobei die Privatverschuldung immer noch ungefähr 35% ausmachte. Zum Höhepunkt der Blasenjahre – in den Jahren zwischen 2005 und 2007 – hat die Gesamtverschuldung in Amerika 360% des Bruttoinlandsprodukts erreicht, wobei nur 60% davon auf die Bundesregierung entfallen.

Die meisten Wirtschaftswissenschaftler haben natürlich nichts erkennen können, was für sie Grund zur Sorge gewesen wäre. Stattdessen haben sie sich an die Arbeit gemacht und versucht zu beweisen, dass eine derartig dynamische“ und flexible“ Wirtschaft niemals scheitern würde.

Sie haben sogar mit ihren eleganten Formeln, mit denen sie den Investoren zeigen konnten, wie man den Markt schlagen kann, jedes Jahr aufs Neue den Nobelpreis für Wirtschaft gewonnen.

Die Götter lachen

Dann haben die Anlagepreise in den Jahren 2007 bis 2009 den Boden verloren. Im März dieses Jahres stellten die Amerikaner fest, dass ihre Aktien wieder auf Realwerte gefallen waren, die sie schon seit 1968 nicht mehr gesehen hatten. Ihre Häuser sind auch zu schnell im Preis eingebrochen. Bis März 2009 stand einem von vier amerikanischen Hausbesitzern das Wasser bis zum Hals – d.h. die Hypothek war größer als der Wert seines Hauses. Einkommen und Gewinne fielen, zusammen mit dem Reinvermögen der amerikanischen Haushalte. Alles ist gefallen – außer den Schulden. Wie die Götter gelacht haben müssen, als sie sahen, wie die Leute dann aus der Wäsche guckten. Während des größten und längsten Booms aller Zeiten – und dass mit einem Monopol auf die Reservewährung der Welt – hatten die Amerikaner den Boden unter den Füßen verloren.

Und während die Amerikaner einst von zu viel Glück verflucht wurden, sind sie nun mit zu viel Pech gesegnet. Blickt man nach vorne, dann wird es zunehmend mehr Alternativen zum Dollar geben“, sagt Mr. Zoelick. Dank der bösen Götter. Die Amerikaner sparen wieder… sie bringen ihre Bilanzen wieder in Ordnung… und irgendwann auch ihre Wirtschaft. Sie können sich sogar darauf freuen, länger zu leben. Und wenn sie noch ein wenig mehr Pech haben, dann werden vielleicht auch die Dummköpfe unter ihren Wirtschaftswissenschaftlern irgendwann schlauer werden.“ (von 2009) (Seite 2 —> Die Iden des März)

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