Wahlempfehlung: DAX-(Rot)-Gold

22. September 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ich als Börsenreporter gebe normalerweise keine Wahlempfehlung. Für Sie mache ich heute eine Ausnahme…

Nicht nur die Auswahl von Aktien ist gewöhnlich eine Herausforderung, wer Aktien mag, sondern auch die Auswahl von den dauergrinsenden Politikern. Das Mögen ist dabei eine andere Sache.

Während man sein Portfolio immer umschichten kann, ist das in der Politik unmöglich. Letztlich wirft man seine Stimme für fünf Jahre in eine Urne, wo sie sanft ruht – und das auch noch in einem Lokal, einem Wahllokal.

Für Börsen sind Wahlen wichtig, sagen Experten. Ich bin mir da nicht so sicher. Börsen reagieren eher auf Geldpolitik und amüsieren sich über Politiker, die sie notfalls immer retten. Zudem hat man bei Geld keinerlei Wahl. Man kann den Euro nur abwählen, wenn man ihn in etwas anderes tauscht, in DAXXe, Fremdwährungen, Schnapsflachen oder Edelmetalle. Gegen was tauscht man die Politiker?

Wie dem auch sei, viele bunte Buchstaben stehen heute zur zur Auswahl, irgend etwas aus CDUSPDGRÜNEFDPLINKEAFD. Mit drei Buchstaben davon würden Börsianer die F-E-D wählen. Das ist in etwa das Gegenteil von bibeltreuen Christen und Tierschutzpartei, aber mit ihren Gelddrucken ein Garant für steigende Kurse und Preise. Die Zweitstimme ginge an die EZB. Bei DRAGHI fehlt ein „I“. Das ließe sich von den P“I“raten leihen.

Am Freitag noch sagte eine seltsame Gestalt an der Börse, dort laufen übrigens etliche herum, es war Frau Merkel, die dem DAX in den letzten fünf Jahren um 42 Prozent nach oben half – und seit ihrer Regentschaft um ganze 151 Prozent. Das ist Unsinn, aber von einem Experten, der am Sonntag wählt.

Seit dem letzten großen Adrenalinstoß des Ex-Kanzlers wurde Gold in Euro 198 Prozent teurer. Mit Frau Merkel hat das auch nichts zu tun. Viel wichtiger ist, dass der ganze Wahlkampfspaß am Sonntag endlich mal vorbei ist und der „Ernst“ gewinnt. Für seine Grausamkeiten dürfte er bekannt sein. Außerdem ändert Wählen nichts, sagte Kurt Tucholsky. Deshalb sind Wahlen auch noch nicht verboten.

Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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