“Mein Name ist Armstrong, Martin Armstrong”

23. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

Einer der bekanntesten und umstrittensten US-Finanzanalysten meldet sich zurück Wer ist Armstrong? Die Frage, wer dieser Armstrong eigentlich ist, kann so nur in Deutschland gestellt werden…

Nein, Armstrong ist kein Profi-Radfahrer (Lance), war nicht auf dem Mond (Neil) und er spielt auch nicht Trompete (Louis). Martin Armstrong ist in der US-Finanzbranche einer der spektakulärsten, aber auch einer der umstrittensten Analysten…

In den 1980er und 1990er Jahren brachten ihm seine akuraten Prognosen enorme Bekanntheit und breite Gefolgschaft. Dann stürzte Armstrong ab – oder muss es heißen „Dann wurde Armstrong gestürzt“? Er fiel tief. Zwölf Jahre verbrachte er im Gefängnis – davon allein sieben Jahre in „Beugehaft“. Nicht nur Armstrongs Prognosen sind also aufsehenerregend, sondern auch sein (vorläufiger) Untergang, der sich zu einem regelrechten Justizkrimi auswuchs. Jetzt meldet er sich kraftvoll zurück.

Im Mittelpunkt steht eine neue Vorhersage, die es in sich hat. So sehr, dass es Armstrong – Starinvestor Jim Rogers schätzt vor allem Armstrongs breites geschichtliches Wissen – auf die Titelseite des neuen Smart Investor 5/2015 geschafft hat, der zum Wochenende erscheint. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum wir uns in Smart Investor 5/2015 mit Armstrong – unter anderem in einem großen Interview ab S. 72 – beschäftigen: Am 7. Mai läuft in den deutschen Kinos „The Forecaster“ an. In diesem „dokumentarischen Wirtschaftskrimi“ kommen die Zuschauer ganz nah an das Phänomen Martin Armstrong heran. Wir haben den Film bereits gesehen und können einen Kinobesuch uneingeschränkt empfehlen.



DAX angezählt, aber nicht k.o.

Eine interessante charttechnische Situation ergibt sich aktuell im DAX. Während wir letzte Woche an dieser Stelle noch von einem neuen Allzeithoch berichten konnten, hat sich die Lage seitdem eingetrübt. In wenigen Tagen sackte der deutsche Leitindex um mehr als 700 Punkte ab (vgl. Abb.).

dax2015-04-22

Die Sorglosigkeit und Selbstsicherheit, mit der die „Alternativlosigkeit“ von Aktien propagiert wurde, dürfte den Boden für die schnelle Gegenbewegung bereitet haben. FOCUS Money titelte am 15.4. – also unmittelbar vor dem Absturz – „DER DAX KANN NICHT FALLEN – Warum die EZB-Politik auf jeden Fall zu steigenden Kursen führen MUSS!“.

Das Magazin Börse Online kam einen Tag später mit der Titelgeschichte „DAX 20.000“. Wir erwähnen das nicht, um Kollegenschelte zu betreiben, zumal wir vom Grundsatz her den gleichen Zusammenhang zwischen ultralaxer Geldpolitik und steigenden Aktienkursen sehen. Dennoch ist es immer wieder überraschend, wie gut der sogenannte „Titelblatt“-Indikator funktioniert.

Einer der Gründe besteht darin, dass ein Trend regelmäßig schon eine ziemliche Strecke hinter sich gebracht haben muss, um sich überhaupt für ein Titelblatt zu qualifizieren. Zudem sind solche drastisch positiven Formulierungen natürlich Ausdruck einer euphorischen Stimmung, die für sich alleine genommen schon skeptisch machen muss. Es ist einfach nie alles nur gut, oder nur schlecht. Das gilt besonders an den Märkten, wo der Preis zwischen Optimisten und Pessimisten, also zwischen Angebot und Nachfrage immer wieder einen Ausgleich herstellt.

Die DAX-Käufer zahlten für ihren Optimismus bereits hohe Preise, während sich die Verkäufer ihre Abgabebereitschaft entsprechend teuer vergüten ließen. Weil dieser Mechanismus immer wirkt, sind Euphorie und Panik an der Börse so außergewöhnlich schlechte Ratgeber.

Im Zusammenhang mit dem Allzeithoch vom 10. April bei 12.390,75 Punkten (Abb., gelber Kreis)gibt es einen weiteren Punkt, der einem – zugegebenermaßen erst im Nachhinein in seiner vollen Bedeutung – ins Auge springt. Theoretisch sollte ein Allzeithoch trendbestätigend sein. Die Standarderwartung besteht in einem unmittelbaren, weiteren Kursanstieg, weil ja nun „der Himmel frei ist“, es also keine weiteren charttechnischen Widerstände mehr über dem aktuellen Kurs gibt.

Aber es macht einen Unterschied, ob der Kurs erstmalig einen etablierten Widerstand knackt, oder ob das Allzeithoch „nur“ ein weiteres in einer kurzen Abfolge solcher Hochs ist, wie das beim DAX der Fall war. Dann sind die Hochs weniger bedeutsam und der Kurs kann sich bei einem solchen Rekordlauf so sehr erschöpfen, dass er immer korrekturbedürftiger wird. Unmittelbar nach dem Allzeithoch verhielt sich der Kurs noch eher unauffällig, rutschte aber am vergangenen Donnerstag unter steigenden Umsätzen um mehr als 200 Punkte ab. Damit erwies sich das Allzeithoch als charttechnisches Fehlsignal und als deutlicher Hinweis auf weiter fallende Kurse.

Durch solche Chartsignale ändert sich an den fundamentalen, im Wesentlichen durch EZB bestimmten Rahmenbedingungen aber natürlich nichts. Der extrem steile grüne Aufwärtstrend ist zwar gebrochen, innerhalb des nicht ganz so steilen blauen Aufwärtstrends (vgl. Abb.) gibt es aber noch einigen Spielraum, um die negativen Implikationen des Fehlsignals „abzuarbeiten“. So wäre auch ein weiterer Abwärtsschub in Höhe des vorangegangenen 700-Punkte-Falls (sogenannter „Measured Move“ – gemessen vom Gipfel der Zwischenerholung) vorstellbar, zumal der Mai („Sell in May and go away“) einen guten Vorwand für eine weitere Korrektur liefern könnte. Damit würde der Index zwar bis in den Bereich von 11.300 Punkten absacken, den blauen Aufwärtstrend aber noch immer nicht verletzen. Alleine diese Überlegungen verdeutlichen, wie steil die Aufwärtsbewegung bis Anfang April war. Fazit: Der Markt ist zwar angezählt, aber noch lange nicht k.o.

Fazit

Mit einer spektakulären Prognose hat sich Martin Armstrong in der internationalen Finanzszene zurückgemeldet. Auch die aktuelle und überraschende DAX-Schwäche zieht einige Aufmerksamkeit auf sich.

© Ralf Flierl, Ralph Malisch, Christoph Karl – Homepage vom Smart Investor



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2 Kommentare auf "“Mein Name ist Armstrong, Martin Armstrong”"

  1. Jean sagt:

    Alles nur Spekulationen, die sich gut verkaufen lassen. Würde die Charttechnik/Geschichte alle Antworten liefern, würde sich die Forbes-400-Liste der Reichsten der Welt aus Bibliothekaren zusammensetzen (Zitat Waren Buffett).
    Bitte mehr Substanz bei der Analysen und den Prognosen.

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