Mehr Schatten als Licht

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Alles Geld der Welt, oder das, was man heute als Geld bezeichnet, hat es sehr eilig, eiliger noch als vor wenigen Monaten. Es fragt sich ständig, wohin es strömen kann, am liebsten in einen Hafen mit etwas Rendite oder Preiszuwachs und etwas Schutz vor dem Sturm der Kreditkrise. Dabei hat es nur die Wahl zwischen Liegeplätzen, an denen es mehr oder weniger stark nach altem Fisch riecht. Und an den Hafenbecken stehen viele Leute aus Politik und Wirtschaft und kippen irgendwelche Parfümflaschen aus. Der perfekte Gestank, die perfekte Verwirrung.

Im Euroland scheinen die Billionen wohl schlecht zu ankern, denn es riecht nach Rezession. Warum ausgerechnet der Dollar jetzt steigt, versteht auch niemand. Amerika hat schon seine Rezession. Und das ist nicht das einzige Problem im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Die zu 70 Prozent von der Kauflust und Kaufkraft der Verbraucher ausgerichtete Nation ist finanziell ausgelaugt.

Steuerschecks haben in den letzten Wochen zwar noch Schlimmeres verhindert, doch was bewegt schon ein Steuerscheck über 600 USD bei einem Bürger der durchschnittlich mit Tausenden in der Kreide steht und dessen meist finanzierter Besitz im Finanzfegefeuer brennt? Doch die Frage wird sein, ob das Ausland die US-Verschuldung auch künftig noch finanzieren wird. China, Russland, Japan und reiche Ölländern haben als größte Gläubiger der USA nicht nur einen strategischen Vorteil, sie beginnen diesen inzwischen auch auszuspielen. Sie bräuchten bloß den Geldhahn etwas abdrehen oder nur damit zu drohen, und schon zeigt sich, wie abhängig die USA inzwischen geworden sind und damit auch verletzlich. Das Wohl oder Wehe bestimmen nun andere. Eine missliche Lage.

Doch ach, die Probleme sind sogar noch größer, auch wenn es nach wie vor reichlich gute Worte gibt wie Parfüms beim Discounter. Der süße Geruch schwerer Düfte durchzieht die Sätze wichtiger Leute und auch die wirtschaftlichen Rahmendaten. Finanzminister Henry Paulson sprüht gerne aus verschiedenen Flakons, der Präsident hält andere bunte Flaschen bereit. Was nicht passt, wird passend gemacht. Inzwischen korrigiert man später alles noch einmal, wie unlängst geschehen bei den BIP-Daten. Für ein paar Tage mag der Dollar steigen. Aber was kommt danach? Das Geld wird wieder auf Reise gehen wollen, aber mit welchem Ziel?

Die Zeiten des Wachstums sind nun auch in Europa vorbei. Ja, die deutsche Wirtschaft ist im 2. Quartal um 0,5% geschrumpft, ebenso die französische, wenn auch etwas geringer. In anderen Ländern ist die Lage noch angespannter. Beängstigend ist die Geschwindigkeit, mit der die Ökonomien schrumpfen. Die EZB, die Regierungen und vor allem die Bürger sehen sich steigenden Preisen und sinkender Wirtschaftsleistung ausgesetzt. Auch in Japan fiel die Betriebstemperatur im abgelaufenen Quartal unter den Gefrierpunkt. Der Weg für staatliche Konjunkturprogramme wäre nun eigentlich weltweit frei. Die nächste olympische Disziplin könnte ein Abwertungswettkampf der Währungen sein.

Würde jemand schimpfen, wenn in Europa die Zinsen bald sinken? Zwei Prozent Leitzins in den USA müssen auch nicht die letzten Worte gewesen sein. Und wäre es so unwahrscheinlich, wenn sich die Lenker der anderen Nationen den Geldhähnen zuwenden und an den Zinsschrauben drehen? Wer dabei am schnellsten ist, bekommt vielleicht die Goldmedaille und gleichzeitig Weichwährungsprobleme. Zum Schluss wabert eine matschige Menge durch die Welt.

Diese Aussicht hat die Rohstoffe in den Blickpunkt treten lassen. Es muss mehr Gründe für eine Ver-13-fachung des Ölpreises innerhalb von zehn Jahren geben als eine höhere Nachfrage und geringere Neufunde. Schließlich stiegen auch die Preise für alle anderen Rohstoffe und Edelmetalle. Gold ist bekanntlich ein Barometer dafür, wie weich eine Währung schon geworden ist.

Der Hafen des Goldes wurde in binnen weniger Tage bombardiert. Im Hafenbecken treiben derweil viele ausgehebelte Investoren mit dem Bauch nach oben. Und am Kai zanken sich ein paar Analysten über die Marken, die das gelbe Metall als nächstes nehmen oder hinter sich lassen wird. Ein köstliches und unterhaltsames Geschwätz! Am 15.8 jährt sich übrigens zum 37. Mal der Tag, an dem das Band zwischen Geld und Gold zerschnitten wurde. 37 Jahre lang ist die Güter – und Dienstleistungsmenge gewachsen, die Geldmenge aber explodiert. Diese Billionen an haben große Investoren um den Verstand gebracht und das Finanzsystem dahin, wo es heute steht – vor schweren Zeiten.

Und so rasen die Geldberge tsunamiartig mal aus dem Euro in den Yen, von dort in den Dollar und umgekehrt. Nur der Dollar in Simbabwe zeigt eine Art von Stabilität. Er ist nichts mehr wert und verharrt in einem Zustand der Ruhe, den andere Währungen vielleicht noch vor sich haben. Soweit ich weiß ist seit 37 Jahren unser Geld nur noch mit Vertrauen hinterlegt und hat damit nirgends in der Welt mehr einen Anker, vor allem dann nicht, wenn mit Vertrauen so umgegangen wird wie in der heutigen Zeit.

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