Mehr Kohle oder weniger kaufen?

15. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Banken benötigen mehr Eigenkapital. Das wäre natürlich vor allem dann korrekt, wenn endlich die Basel-Richtlinien und die unselige Risikogewichtung abgeschafft würden. Dazu wird es vermutlich nicht kommen. Doch auch ohne einen solchen Schritt soll auf dem Weg zur dritten Version dieser Leitlinien das Verhältnis von Eigenkapital zu Assets steigen. Was bedeutet das für die Finanzinstitute und die Realwirtschaft?

Im Radio klingen Nachrichten für den Normalbürger oft abstrakt. Im Kern ist deren Job aber simpel. Banken setzen  Eigenkapital und Fremdkapital ein, um Finanzanlagen zu tätigen. Dazu gehören unter anderem die Vergabe von Krediten und der Kauf von Anleihen. Von Bedeutung ist die Unterscheidung zwischen beiden Kapitalarten. Einfach ausgedrückt stellen Anleger das Eigenkapital für einen unbegrenzten Zeitraum zur Verfügung. Das geschieht etwa im Rahmen einer Aktienemission. Das Fremdkapital wird einem Kreditinstitut nur für eine befristete Zeit geliehen, es muss voll zurückgezahlt werden. Beispiele hierfür sind Bankeinlagen, Festgelder oder Schuldverschreibungen.

Von Bedeutung für das Insolvenzrisiko einer Bank ist das Verhältnis von den gesamten Anlagen (Assets) zum Eigenkapital. Besitzt eine Firma eine Mrd. Eigenkapital und 20 Mrd. an Assets, so liegt die Eigenkapitalquote bei 5%.

In guten Zeiten, in denen buchstäblich jeder Schafskopf mit einer Bank Geld verdienen kann, sorgt der Hebel für sehr hohe Eigenkapitalrenditen. Jedem Lenker eines Unternehmens aus dem Industriesektor treiben die möglichen Zahlen die Tränen in die Augen. „Genius is a rising bond market“ sagt man in der Finanzwelt. Die hellen Köpfe erkennt man, wenn die See rauer wird, wie das seit dem Jahrtausendwechsel der Fall ist.

In der ersten Zeit konnten Probleme durch absurde Bilanzierungsregeln noch kaschiert werden. Fallen Kredite aus, dann endet die Macht der Bilanzgymnastik. Das geschah zum Beispiel in den Jahren 2008 und 2009. Die Bankenrettung bestand aus zusätzlichem Eigenkapital vom Bürger oder durch Verschiebung des Ausfallrisikos maroder Anlagen hin zum Steuerzahler. Auch die Kombination aus beidem erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit.

Die anstehenden Insolvenzen Griechenlands und weiterer Mitglieder der Eurozone führen derzeit zum zweiten Aufguss der Diskussion um das schon einige Lenze alte Thema Kapitalerhöhungen. Es gibt zwei Wege, das Eigenkapital einer Bank zu stärken.

Entweder die Bank baut Finanzanlagen ab. Es verbleibt die gleiche Summe an Kapital, die das Risiko verringerter Anlagen tragen muss. Dieser Vorschlag hat einen Haken, die stillen Lasten. Die meisten Anleihen in den Bankbilanzen werde nicht zum Marktwert bilanziert. Verkauft eine Bank eine Anleihe am Markt zu 80, obwohl diese zu 100 in den Büchern steht, so nagt dieser realisierte Verlust am Eigenkapital. Abgesehen davon ist ein Verkauf von Papieren aus Portfolios bestimmter Bilanzierungskategorien allein aus rechtlichen Gründen nicht umsetzbar.

Eine Alternative liegt in der Reduktion des Neugeschäfts. So schmilzt die Anlageseite schleichend durch Fälligkeiten ab, während das Eigenkapital unverändert bleibt.. Ein derartiger Prozess zieht sich über Jahre hin, bis eine nennenswerte Verbesserung der Kennzahlen erreicht wird… (Seite 2)

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20 Kommentare auf "Mehr Kohle oder weniger kaufen?"

  1. darKnight sagt:

    Man muss sich nur die EK-Quoten der 29 von den G20-Ländern festgelegten „systemrelevanten“ Banken anschauen! Die in dieser Liste aufgeführten US-Institute teilen die ersten acht Plätze mit höchster EK-Quote unter sich auf, kein US-Institut kommt auf weniger als 7%! Danach folgt die Unicredit mit ebenfalls 7% EK-Quote bei einer Bilanzsumme von 919 Millarden EUR (Daten von Handelsblatt.com). Die UK-Institute schneiden wie folgt ab: HSBC auf Rang 10/29 ; Lloyds Banking Group plc auf Rang 14/29 ; Barclays auf Rang 22/29 wobei eine EK-Quote von 3,5% auf eine Bilanzsumme von 1.736 Millarden EUR (=Rang 5/29 nach Bilanzsummen sortiert) meines Erachtens schon als bedenklich anzusehen ist. Von daher kann ich die auf „Seite 2“ dargestellte Grafik bezogen auf die „systemrelevanten“ UK-Banken nicht ganz nachvollziehen. Dort schneiden die UK- noch „besser“ ab als die US-Institute, bezogen auf
    die Reduktion der Banken-Assets und somit auf die Höhe der EK-Quote. Wobei ich die Legende unter der Grafik nicht vollständig ins Deutsche übersetzen kann und somit nicht richtig verstehe (excluding what?!). Vielleicht kann mir da einer weiterhelfen?!

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo,

      @darKnight

      Die Reduktion von Assets führt zu einer Reduktion der Eigenkapitalbelastung. Dennoch kann trotz reduzierter Assets die EK-Quote gleich bleiben, wenn durch Verluste im gleichen Zeitraum das Eigenkapital sinkt.

      Bei der Eigenkapitalquote ist zwischen der gemäß Basel-Richtlinien und der echten zu unterscheiden. Die erste findet in der Regel in den Medien Beachtung, gibt aber nur die Quote des Kernkapitals zu den risikogewichteten Assets wieder. Die echte Quote bezieht sich auf alle Assets und liegt immer unter der erstgenannten. Je nachdem, in welche Papiere eine Bank investiert variiert die beiden Werte mehr oder weniger stark. So liegt etwa die Quote gemäß Basel für die Deutsche Bank bei 13,8% , während die echte Kapitalquote bei rund 2,3% liegt (Daten: Bloomberg). Die in den Medien gezeigten Werte sind gerade bei Problemen mit Staatsanleihen, die teilweise ein Risikogewicht von 0 haben, wertlos.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • darKnight sagt:

        Erstmal vielen Dank für die schnelle und verständliche Antwort.

        Die Grafik sagt also nur aus, dass die UK- ihre Assets stärker reduziert haben als die US-Banken. Das bedeutet aber nicht, dass sich dadurch die EK-Quote der Banken erhöht, weil die Reduktion der Assets eine Reduktion der EK-Quote mit sich führen kann (in Form von Verlusten, die sich negativ auf die EK-Quote niederschlagen). Richtig verstanden?

        Der Unterschied zwischen der EK-Quote nach Basel (RWA) und der realen EK-Quote ist mir aus einem Ihrer früheren Artikel names „Elite im Peinlichkeitsrausch“ (http://www.rottmeyer.de/elite-im-peinlichkeitsrausch/) bekannt. Dort haben Sie bereits am 16.08.2011 auf den massiven Rekapitalisierungsbedarf europäischer Finanzinstitute und auf die besser aufgestellte Konkurrenz aus den USA verwiesen. Anhand der Liste auf „Seite 2“ des Arikels war es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Dexia etwas später ihre Segel streichen musste, aber das konnte ja keiner ahnen… typisch! Daher beziehen sich die Daten meines ersten Kommentars ausschließlich auf die realen EK-Quoten der Banken. Die „Deutsche Bank“ schneidet nach meinen Recherchen (Daten von Handelsblatt.com) in der Liste der 29 „systemrelevanten“ Banken mit einer EK-Quote von 2,3% (=Rang 28/29 nach Größe der EK-Quote sortiert) und einer Bilanzsumme von 2.300 Millarden EUR (=Rang 1/29 nach Größe der Bilanzsumme sortiert) übrigens mit Abstand am schlechtesten ab. Sie weist somit die höchste Diskrepanz zwischen EK-Quote und Bilanzsumme auf.

        • Bankhaus Rott sagt:

          @darKnight

          Exakt.

          Problematisch sind die bei allen Berechnungen vorhandenen stillen Lasten. Da viele Anleihen in Bankportfolios in bestimmten Kategorien verbucht werden (etwa „hold to maturity“) werden Marktbewegungen ignoriert. Ein Verkauf – bei einigen Kategorien ohnehin nicht ohne Folgen zu bewerkstelligen – fällt somit wegen der dann realisierten Verluste und den Auswirkungen auf das EK flach. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass nur von „Staatsanleihenrisiken“ die Rede ist. Wer Zeit und Muße hat, kann sich einmal die Kurse von Anleihen der Banken und Versorger aus den entsprechenden Ländern anschauen.

          @EuroTanic

          Interessant wäre auch eine Betrachtung der um den Hebel bereinigten Gewinne der Banken in der Vergangenheit. So manch ein Zauberlehrling stünde dann wohl ohne Hosen da. Hohe EK-Renditen sind in der Regel nicht Zeichen großer Schlauheit sondern geringer Eigenkapitalquoten. Schon verrückt, in der Tat.

          Beste Grüße an die Leserschaft
          Bankhaus Rott

          • darKnight sagt:

            Kaum ward Ihr Artikel hier verfasst, fühlte sich die Unicredit anscheinend genötigt die Methoden einmal in der Praxis zu demonstrieren: Herausgekommen ist, welch Wunder, ein Verlust von sage und schreibe 10,641 Mrd. EUR und das nur im dritten Quartal. „Den Total Assets “Vermögenswerten” von 950,296 Mrd. Euro […] stehen nur 52,292 Mrd. Euro Eigenkapital (Kernkapital, Ergänzungskapital und Drittrangmittel (Tier1, -2 und -3)) gegenüber. Das Kernkapital (Tier1) beträgt nur 43,539 Mrd. Euro und die Summe der risikogewichteten Aktiva 450,011 Mrd. Euro. Damit ergibt sich eine Kernkapitalquote (Tier1 Ratio) von nur 9,68%.“ (siehe http://www.querschuesse.de/unicredit-weist-den-weg/) Die Kernkapitalquote errechnet sich somit aus: Tier1/RWA=43,539/450,011=9,68% oder? Was ist unter Ergänzungskapital(Tier2) und Drittrangmittel(Tier3) zu verstehen und ist das Verhältnis von Tier1 zu Tier2+Tier3 (43,539 zu 8,753 Mrd. EUR) bei der Unicredt als marktüblich anzusehen? Haben Tier2 und -3 eher was mit Ansprüchen bei Insolvenz zu tun oder sind Sie für die Unterlegung von Marktrisikopositionen (z.B. Derivate) relevant oder verzapfe ich hier gerade Blödsinn^9?

            Erneut vielen Dank für die zahlreichen Antworten!!!

  2. EuroTanic sagt:

    Das Banken überhaupt hebeln können ist meiner Meinung nach glatter Betrug. Geld muss den gleichen Bedingungen unterliegen wie andere Ressourcen. Als Arbeiter kann ich meine Arbeitskraft auch nicht 20 fach hebeln und meinem 8 Stunden Tag auf 160 Stunden 20fach hebeln um so noch mehr Einkommen zu erziehlen. Dieses einfache Beispiel zeigt, dass diese Hebelung einfach absurd und durchschaubar kriminell ist. Die Frage ist auch nicht ob dieser Betrug derzeit so gemacht, so funktioniert und so allgemein akzeptiert ist. Die Frage ist wann dieser Schwachsinn endlich aufhört.

  3. auroria sagt:

    Zu den Risiken aus den Assets kommen ja noch die aus den Derivaten.

    Die US Banken mögen ja bei der Eigenkapitalquote vorne liegen, dafür haben die wohl die größten Verpflichtungen aus Derivaten.

    Ich möchte gar nicht wissen wie die EK-Quote aussehen würde, wenn man diese auch noch einrechnen würde.

    • Bankhaus Rott sagt:

      @auroria

      Die Netto-Risiken aus Derivaten sind in den Assets enthalten. Man darf bei Derivaten nicht das Nettoexposure und das sogenannte „Gross-Exposure“ durcheinanderbringen. Wenn Sie beispielsweise ein CDS Geschäft nicht mit der ursprünglichen Gegenpartei schließen können/wollen (via close out oder novation) können Sie ein Gegengeschäft eingehen. Damit ist das Marktrisiko neutral, es verbleibt das Kontrahentenrisiko, welches aber durch Besicherung gemindert wird. Das Gross-Exposure umfasst aber beide Positionen in voller Höhe.

      Problematisch sind eher die Risikogewichte von 0% bei hoch eingestuften Staatsanleihen. Diejenigen Politiker, die sich über hohe Staatsanleihenbestände beklagen, sollten einmal hinterfragen, wer denn derartige Richtlinien durchgewunken hat.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • auroria sagt:

        Danke für die Infos, Hätte nicht gedacht, dass die CDS (netto) voll enthalten sind.
        Wieviel Eigenkapital muss eine Bank die einen CDS ausgibt für diesen denn vorhalten?
        Ist das für alle Länder gleich, oder muss man für CDS auf italienische Staatsanleihen mehr EK haben als für CDS auf deutsche?

        Wie hoch ist denn der Anteil der Derivate-Netto-Risiken an den Assets im Vergleich zu den Anleihen?

        Und wie wird eigentlich das Netto Risiko eines Optionsscheins berechnet?
        Sagen wir ein Silber Call Basis 40$. Derzeit für die Bank kein Problem, aber das Risiko, dass der Silberpreis explodiert und die Bank dann entsprechend hohe Verluste hat ist ja trotzdem vorhanden.

        • Bankhaus Rott sagt:

          @auroria

          Bei Kreditderivaten richten sich die EK Anforderungen genauso nach dem Underlying wie bei Bonds. Allerdings müssen Derivate mark-to-market bewertet werden, ein CDS können Sie nicht einfach so beim Einstandskurs in den Büchern schlummern lassen. Stille Lasten bauen sich bei Anleihen und im klassischen Kreditgeschäft auf. Das Problem der Derivate ist zuzm Großteil im Kontrahentenrisiko begründet. Daher gibt es Bestrebungen CDS nicht mehr OTC sondern zentral über eine Clearingstelle zu handeln, wie das bei Futures und Optionen der Fall ist. Die Europäer hinken der Entwicklung allerdings schon wieder ein paar Jahre hinterher. Ganz egal, wie man zu Kreditderivaten steht, die Unfähigkeit innerhalb der Europäischen Union, auch kleinste Lösungen zu beschließen und umzusetzen ist unfassbar.

          Das Nettoexposure ist natürlich von Bank zu Bank verschieden und vom Underlying abhängig. Das Nettoexposure in Griechenland CDS liegt derzeit bei rund 3,5 Mrd. USD, also weniger als 1 Prozent der ausstehenden griechischen Staatsschulden. Ausstehende CDS auf das Kreditrisiko der BRD betragen derzeit netto unter 20 Mrd, im Falle Frankreichs sind es etwa 23 Mrd.

          Optionen sind für Banken unter Eigenkapitalgesichtspunkten „teuer“ und spielen hauptsächlich in den Handelsbüchern eine Rolle. Bei Short Options, wenn die Bank also Stillhalter ist, ergeben sich die EK-Belastungen aus dem Marktwert des Underlyings und verschiedenen Sensitivitätsmaßen der entsprechenden Position. Die Assetklassen werden unterschiedlich behandelt, Silber fällt unter die Kategorie Rohstoffe (Gold zählt sinnvollerweise aber auch interessanterweise zu FX). Vertikale Preisanstiege sind aber nicht ungewöhnlich und kommen auch bei Einzeltiteln am Aktienmarkt ja des Öfteren mal vor.

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

        • auroria sagt:

          Ich glaube wir reden etwas aneinander vorbei.
          Ich meine nicht die Derivate, welche die Banken als Assets (gekauft) haben, sondern das Risiko, das die Banken als Emmitent der CDS und anderer Derivate haben.
          Also z.B. der Fall AIG, die nach der Lehmann Pleite plötzlich ~60 Mrd. $ an die CDS Halter auszahlen mussten.

          • Bankhaus Rott sagt:

            @auroria

            Das ist bei (den meisten) Derivaten etwas anders als bei Cash Produkten wie Anleihen. Einen „Emittenten“ gibt es in diesem Falle nicht, da es immer ein gleichwertiges Geschäft zwischen zwei Kontrahenten vorliegt. Bei der Anleihe fließt ja Cash gegen die Anleihe. Beim CDS bestehen nach der Transaktion zwei Position (Sicherungskauf und Verkauf). Beide unterliegen Marktrisiken aus der Veränderung der Risikoprämien.

            Über Sicherheiten (collateral) werden die Risiken des Kontrahentausfalls gemindert. Weiter geht es dann mit dem Handel über eine Clearingstelle als zentralen Kontrahenten. Die Probleme bei AIG stammten aus so genannten ABS CDO, tranchierte Derivate auf Kreditverbriefungen. Das Volumen, das AIG allein in diesem Segment in den Büchern hatte lag bei rund $500 Mrd. Problematisch war nicht der Ausfall, sondern die Martkwertveränderung, die zu horrenden Verlusten führten, die (Derivat) nicht wegbilanziert werden konnten. Dazu gesellten sich natürlich noch zahlreiche andere nicht so gelungene Positionen.

            Ansonsten ist eine CDS Sicherungsgeber vom Risiko nicht stärker exponiert als jemand, der eine Anleihe hält. Wenn ich eine Anleihe versichere muss ich im Zweifelsfall zahlen, wenn ich die Anleihe selber halte, verliere ich im Fall der Fälle ebenfalls diesen Betrag. Ob sie $60 Mrd. an Lehman Bonds halten oder als Versicherer für die gleiche Summe an Lehman Bonds auzftreten, läuft im Großen und Ganzen auf das Gleiche hinaus.

            Viele Institute sind als CDS Sicherungsgeber aufgetreten um so „syntethisches Bond Exposure“ aufzubauen. Vorteil: CDS müssen im Gegensatz zu einer Anleihe nicht finanziert werden, können also ohne eigene Kreditaufnahme „gekauft“ werden.

            Wir hoffen, das klärt es einigermaßen, ansonsten einfach weiter fragen 🙂

            Beste Grüße
            Bankhaus Rott

  4. mfabian sagt:

    Als Laie habe ich festgestellt, dass die meisten anderen Laien oft Eigenkapitalquote mit der Kernkapitalquote verwechseln:

    Bank A hat EK von 50 und 1000 Assets. Sie hat also eine EK-Quote von 5%.
    Bank B hat ebenfalls 50/1000 und somit ebenfalls 5% EK-Quote.

    Sind beide Banken gleich sicher aufgestellt?

    Nicht unbedingt: Bank A hat z.B. ihre 1000 in deutschen Staatsanleihen, Bank B in griechischen. Somit ist A besser aufgestellt als B, was die EK-Quote nicht reflektiert.

    Um dies nun zu korrigieren, führt man eine Kernkapitalquote ein, die risikogewichtet ist.

    Beispiel:
    Bei deutschen Staatsanleihen geht man von einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 10% aus. Entsprechend multipliziert man die 1000, die man an dt. Anleihen hat mit 10% und kommt auf 100.
    Ergo für Bank A: 50 EK bei 100 Assets = Kernkapitalquote von 50%.

    Gehen wir bei den Griechen von 80% Ausfallwahrscheinlichkeit aus, gilt für Bank B entsprechend:
    50 EK bei (0.8 * 1000 = ) 800 Assets = Kernkapitalquote von 6.25%

    Die Kernkapitalquote ist also ein sehr nützliches Werkzeug, um eine realistische Aussage über die echte Risikobelastung einer Bank zu machen.

    Allerdings hat sie einen entscheidenden Nachteil: Es obliegt nämlich den Banken, die Quote für die Ausfallwahrscheinlichkeit selbst festzulegen. Wird nämlich beispielsweise die Ausfallquote für griechische Staatsanleihen auf 50% geschätzt, erhöht sich die Kernkapitalquote auf 10%.

    Somit ist der Manipulation durch die Banken Tür und Tor geöffnet.
    Wir wissen z.B., dass Banken gemäss EU-Beschluss ab Juli 2012 nur dann Boni und Dividenden ausschütten dürfen, wenn sie eine Kernkapitalquote von mindestens 9% haben.
    Man kann nun die Rente seiner Oma darauf verwetten, dass die Banken an der Manipulationsschraube drehen werden, um diese Quote zusammenzubasteln. DEXIA lässt grüssen 😉

    s. auch: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:euro-gipfel-eu-laender-bieten-banken-garantien-an/60121338.html

  5. Bankhaus Rott sagt:

    @msfabian

    Danke für Ihren Kommentar. Leider ist die Darstellung der Risikogewichtung so nicht korrekt.
    Die Betrachtung der Eigenkapitalquote in Bezug auf die risikogewichteten Assets ist in keiner Weise tauglich, eine ernstzunehmende Risikoeinschätzung der Bank vorzunehmen. Auch ohne Manipulation sind so Schieflagen wahrscheinlich, siehe Dexia.

    Die Risikogewichte richten sich entweder nach internen Maßgaben oder, größtenteils, nach Ratings. Die Risikogewichte gemäß Basel 2 für Staatsanleihen (nicht nur für Bunds) liegen bei Ratings von AAA bis AA- bei 0% (Null). Bis zu einem Rating von A- liegt die Unterlegung bei 20%. Diese Prozentwerte beziehen sich aber nicht direkt auf das Nominal des Assets, sondern auf die Mindestkernkapitalquote. Bei einer Mindestanforderung von 8% kommt man also bei Top-Ratings auf Null Prozent EK, bei Ratings von A- auf 1,6%. Das ist natürlich weit von irgendwelchen Ausfallwahrscheinlichkeiten entfernt. Da es keine risikofreien Papiere gibt, machen derartig geringe Hinterlegungen keinen Sinn und werden in keiner Weise den Risiken gerecht.

    Die Begründung ist eben in der Risikogewichtung zu sehen. Schlussendlich ermöglicht es die Einteilung in (vermeintlich) risikoärmere und riskantere Papiere es den Banken, gewaltige Positionen aufzubauen, die natürlich nur vermeintlich ein geringes Risiko aufweisen. Die durch Risikogewichtung möglichen größeren Volumina konterkarieren jeden ernstzunehmenden Ansatz zur Risikominimierung.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • mfabian sagt:

      Danke für die Klarstellung, obschon – so klar ist es mir immer noch nicht bzw. nicht mehr.

      Wiki meint:
      Die Kernkapitalquote ergibt sich nun aus der Summe des Tier-1-Kapitals, geteilt durch den Anrechnungsbetrag aller (Adress-)Risikopositionen multipliziert mit 100.

      Also Eigenkapital im Verhältnis zu allen Assets. Soweit lag ich ja ganz richtig.

      Was mir in der Wiki-Erklärung fehlt ist die Risikogewichtung der Assets. Ich meine, eine RWE-Aktie hat ja ein geringeres Risiko als eine Call-Option auf Griechenland. Irgendwie muss man dieses Risiko ja mit einrechnen.

      Und wenn man es tut, dann sehe ich nicht, wo ich mit meiner ursprünglichen Erklärung falsch gelegen haben soll. (?)

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo mfabian!

        Genau, die Kernkapitalquote gibt das Verhältnis von Eigenkatpital zu den risikogewichten Assets wieder. Bei der CoBa sieht dies beispielsweise folgendermaßen aus:
        Risikoaktiva: 244,2 Mrd.
        Eigenkapital: 24,9 Mrd. ==> Kernkapitalquote = 11%

        Die Summe aller Aktiva beträgt aber ohne Gewichtung rund 738 Mrd. Bezogen auf diesen Betrag liegt die Eigenkapitalquote bei lediglich 3,3%. Interessant wird es aber bei der Ermittlung der Risikoaktiva aus allen Assets. Die Risikogewichte entsprechen nicht Ausfallwahrscheinlichkeiten sondern ergeben sich (vereinfacht gesagt) aus Rating und Assetklasse. So wäre für eine Staatsanleihe mit einem A- Rating ein Risikogewicht von 20%, bei Bankpapieren mit der gleichen Risikoeinschätzung hingegen 50%. Eine gewollte Privilegierung öffentlicher Kreditaufnahme, die mit Risikoreduktion nichts zu tun hat.

        Die niedrigen EK-Unterlegungen für Staatsanleihen führten dazu, dass die Titel für Banken selbst bei niedrigeren Zinssätzen attraktiver waren als Bankpapiere und wesentlich attraktiver als Unternehmensanleihen nicht-finanzieller Unternehmen. Kredite an Privatpersonen oder Kleinunternehmen sind auf diese Weise gegenüber Staats- und Bankpapieren massive benachteiligt. Wenn Politiker daher fordern, Banken sollten lieber Kredite an die Realwirtschaft vergegen, so ist dies entweder Heuchelei oder Unkenntnis.

        Im Prinzip sollte die Allokation der Aktiva nicht durch künstliche Kennzahlen gesteuert werden, sondern Ergebnis einer Kreditprüfung sein. Wenn die Risikogewichtung abgeschafft würde und etwa eine generelle EK-Quote von 10% gelten würde, müssten die Banken ihre Investitionen auf Grund der Krediteinschätzung und der internen Risikobetrachtungen tätigten. Das war einmal das Kerngeschäft einer Bank. Leider sind wir davon aktuell weit entfernt.

        Ein schwieriges Thema, hoffentlich konnten wir ein wenig Klarheit schaffen! Einfacher gehts bekanntlich immer mit einem Beispiel. Die Risikogewichtung ist so, als würde man das Volumen von Bier reduzieren, nicht aber die Wirkung. Die folgende Grafik zeigt, wie das ausschaut:
        http://www.rottmeyer.de/wp-content/uploads/2011/11/Risiko-ohne-Gewicht.png

        Viele Grüße an die Leserschaft
        Bankhaus Rott

        • darKnight sagt:

          Das nennt sich Schabau oder auch Schnapps, und das der bei exzessivem Gebrauch gefährlich wird erfährt jeder irgendwann mal am eigenen Leib. Obwohl – das Volumen wird zwar reduziert aber die Wirkung wird erhöht, man könnte auch sagen gehebelt ;)!

  6. Jenny sagt:

    Ich glaube ich spreche nicht nur für mich, wenn ich „Bankhaus Rott“ einen großen Dank für die unglaubliche Kommentarbereitschaft ausspreche. Nicht nur das macht diesen Blog wirklich einzigartig!

  7. Bankhaus Rott sagt:

    @darKnight

    Hallo,

    @darKnight

    Die Zusammensetzung des Eigenkapitals ist nicht ungewöhnlich.

    Die Eigenmittel setzen sich aus dem Eigenkapital und den Drittrangmitteln (Tier 3) zusammen. Das Kernkapital (Tier 1) und das Ergänzungskapital (Tier 2) bilden gemeinsam das haftende EK. Die Zusammensetzung (z.B. der maximale Anteild es Ergänzungskapitals) wird in den Basel Richtlinien explizit festgelegt. So darf das Ergänzungskapital (Tier 2) nach Basel 2 maximal so groß sein wie das Tier-1 Kapital. Die Drittrangmittel fallen nach Basel 3 demnächst ohnehin komplett weg. Auch die Bedeutung des Ergänzungskapitals nimmt deutlich ab. Das ist der Grund, warum derzeit viele Nachranganleihen via Call oder Tender Offer vom Markt genommen werden.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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