Dollarisiert!

25. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bill Bonner) In den späten Achtzigern und Neunzigern machten die Fluggesellschaften gute Geschäfte damit, dass sie die Wirtschaftsberater über den Äquator transportierten. Ich weiß es, weil ich einer von ihnen war…

Ich zählte einst zu einer Gruppe von Investoren und Wirtschaftswissenschaftlern, die die Casa Rosada in Argentinien während der seltsamen Zeit der wirtschaftlichen Beratungen besuchte. Dort trafen wir auf den Präsidenten Carlos Menem, der freundlich wirkte, aber auch sehr klein. Die vielen wirtschaftlichen Krisen Argentiniens hatten ihn wohl schrumpfen lassen. Er hatte etwas noch getan, was noch bemerkenswerter war, als Paul Volckers Leistungen in Amerika (Paul Volcker = ehemaliger Fed-Vorsitzender). Er hatte die Inflationsrate von 200% im Monat auf nur 4% im Jahr gesenkt, indem er den Peso mit einem Wechselkurs von eins-zu-eins an den Dollar angebunden hat. Dabei schien er nur halb so groß zu sein wie Volcker.

Meine Gruppe war absolut stocknüchtern und an seiner Größe eigentlich nicht interessiert; was wir wissen wollten war, ob er in der Lage sein würde, den Peso auf gleichem Niveau wie den Dollar zu halten.

Ja“, war die Antwort, die wir vom Präsidenten der Pampas erhielten. Nein“, sagten die Tatsachen später. Einige Jahre später knickte der Peso wie die Tragfläche eines Flugzeugs ab, und die argentinische Währung stürzte sofort um 60% ab.

Aber das war noch nicht das Ende des kurzen Gesprächs. Wir erhielten einige Ratschläge und gaben selber auch welche. Der Rat, den wir damals erhielten war, dass Argentinien sicher genug sei für ausländische Investitionen; sie seien sogar sehr willkommen. Der Rat, den ich gab, lautete: Dollarisiert!“. Mein Rat sollte sich als der Bessere herausstellen.

Damals wie heute sind die USA die vorherrschende Wirtschaftsmacht der Welt. Aber ihr Königreich baut nicht auf harter Währung auf, sondern auf Papier. Als man in Argentinien auf den Dollar umsattelte, gab man damit die Geldpolitik aus den Händen. Berücksichtigt man die Gegebenheiten, heute wie damals, dann ist das eigentlich eine ganz gute Idee. Anstatt der Bank of Argentinia die Verwaltung des Geldes der Nation zu überlassen, ist sie vermutlich in den Händen von Alan Greenspan besser aufgehoben.

Was mir damals noch nicht bewusst war ist, dass auch die Fed den Tango im Blut hatte. Dennoch war es ein guter Ratschlag. Und Argentinien hätte sich daran halten sollen. Stattdessen haben die Leute im eigenen Land die Geldmenge frisiert. Zwischen 1991 und 1994 um durchschnittlich 60% im Jahr. 1996 und 1997 stieg sie um 15% bzw. 20%. Es dauerte nicht lange und die Preise fingen wieder an zu steigen und die Investoren riefen bei ihren Banken in Miami an. Selbst bei sehr gutem Wirtschaftswachstum (Argentinien wuchs Mitte der Neunziger mit einer Rate von 8% und hatte damals lediglich China in dem Rennen vor sich), gelang es der Regierung nicht, den Haushalt auszugleichen. Die Schulden im öffentlichen Sektor schossen in die Höhe.

1998 befand sich Argentinien schließlich in einem Konjunkturrückgang. Man musste immer mehr Geld leihen, um den Ausgaben hinterherkommen zu können und die ausbleibenden Steuereinnahmen auszugleichen. Gegen Ende 2000 wurde eine von fünf Staatsanleihen aus den sich entwickelten Märkten von Argentinien ausgestellt. Die Investoren fingen an, sich zu fragen, ob es dem Land je gelingen könnte, bei so hohen Schulden auf die Beine zu kommen. Die Spekulanten fingen an, die argentinischen Anleihen abzustoßen und Kapital aus dem Land herauszuziehen. Weniger als ein Jahr später war das Spiel gelaufen.

Die Währungsanbindung wurde gebrochen. Der Peso brach zusammen und damit auch die argentinische Wirtschaft. Die Arbeitslosenzahlen stiegen. Banken wurden geschlossen. Spareinlagen konfisziert. Und die argentinische Mittelklasse war fast ausgelöscht.

Williger Geist – schwache Währung

von Bill Bonner

Aber das Versagen Argentiniens ist nicht der Grund, warum ich meinen Blick diesmal unter den Äquator schweifen lasse. Ich überquere den weiten Rio de la Plata nicht, um Ratschläge zu erteilen, sondern um sie zu suchen. Denn ich habe das Gefühl, dass hier im Norden eine Finanzkrise bevorsteht. Wer wüsste mehr darüber zu sagen, wie man solche Krisen übersteht, als die Gauchos im Süden?

Also gehe ich zurück in eine Zeit, die es besser mit der argentinischen Geschichte meinte, als das Land noch von der Natur gesegnet war, so dass die Menschen dort so glücklich lebten, wie Gott in Frankreich… bis in die dreißiger Jahre. Vor dem Zweiten Weltkrieg exportierte Argentinien Rindfleisch und landwirtschaftliche Produkte im gleichen Stil, wie heute Frankreich Champagner und Petit Fours exportiert. Während des Krieges war das Land in der Lage, die Produkte mit gutem Gewinn an die Frontkämpfer zu verkaufen. Als der Krieg zu Ende war, war Argentinien gegenüber dem Rest der Welt ein wichtiger Kreditgeber, mit einem jährlichen Überschuss bei der Leistungsbilanz, der sich auf mehr als sechs Milliarden Dollar belief. (Und damit ist der Dollar aus dem Jahr 1950 gemeint, was bedeutet, dass er ungefähr zehnmal so viel wert war, wie der Dollar heute.)

Hätte man Argentinien in Ruhe gelassen, dann hätte das Land vielleicht nach und nach die Wirtschaft diversifiziert, die eigenen Marken verbessert, das Marketing verschärft und wäre immer reicher geworden, wie die europäischen Nationen. Es wird sich herausstellen, dass der Geist zwar willig, aber die Währung schwach war. In weniger als zehn Jahren waren die Überschüsse verprasst und die Nation litt bereits unter der ersten Finanzkrise der Nachkriegszeit. Und es würden noch weitere folgen.

Die Argentinier haben ihre eigene Meinung darüber, was damals schief gelaufen ist. Als die große Krise 2001 zuschlug, haben sie ihrer Meinung Ausdruck verliehen.

Die Leute sterben, weil es kein Essen gibt“, schrieb einer. Die Leute sterben und werden sterben, weil es keine Behandlung gegen die weit verbreiteten Krankheiten gibt: Asthma, Herzinfarkte, Mangelernährung usw. Das verdanken wir der Korruption.“

Damals konnte man alles von egal woher kaufen, aber heute findet man nicht einmal mehr Paracetamol in den Regalen der Apotheken“, fügt ein weiterer Augenzeuge hinzu. Der Preis für einfaches Getreide hat sich verdreifacht und selbst die Leute mit Konten im Ausland, haben keinen Zugriff darauf. Die Verbrechen sind exponentiell angestiegen, genauso wie die Zahl derer, die in den Straßen betteln.“



Quelle: Kapitalschutz Akte
Dollarisiert!  (von Bill Bonner)
Williger Geist – schwache Währung  (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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