Mehr Glück durch mehr Geld?

18. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Je höher der EZB-Turm in Frankfurt wuchs, desto tiefer sackte in den letzten Jahren der Zinssatz. Der Turm ist oben, der Zinssatz unten. Dieser soll Im Juni seinen finalen Schlag bekommen. Geld ist dann fast kostenlos…

Freuen Sie sich! Die Börse jubelt, ebenso die Immobilienpreise. Ihr Häuschen wird teurer, aber nicht mehr wert. Warten Sie aber noch ein paar Tage, sollten Sie sich durch eine Unterschrift unter einem möglichst langlaufenden Kreditvertrag für eine überteuerte Immobilie von den Resten Ihrer finanzieller Freiheit zu trennen. Wie wär`s?

Wenn neues Geld wirklich reich macht, warum springen die dann die EZB-Oberen derzeit stündlich vor den Mikrofonen und Kameras herum und drohen mit ihren „unkonventionellen Maßnahmen“ bzw. vor sich selbst? Ach, wegen des Vertrauens.

Warum erzeugen sie nicht einfach ein paar mehr Billionen Euros? Sie könnten auch Banknoten einziehen, eine Null dazu drucken und dann wieder verteilen. Wir wären zehnmal so reich. Ein Zins passt eben nicht zum Zins-Sozialismus. Weg damit.

Mit einem Negativ-Zins will man Banken zwingen, mehr Kredite zu vergeben. Vor der Börse in Frankfurt gibt es viele Bettler und Leergutsammler. Man könnte ihnen doch eine Million aushändigen und auch allen anderen in Europa. Das Glück wäre grenzenlos, die Sache technisch kein großes Problem. Ich bin sicher, die Konsumlust steigt ins Unermessliche. Wozu überhaupt noch arbeiten?

Lenin sagte, um eine bürgerliche Gesellschaft zu verwüsten muss man ihr Geld zerstören. Wozu braucht man eine bürgerliche Gesellschaft? Wir brauchen Zinsaffen, die nichts sehen, hören und sagen, nur etwas jubeln, wenn alles teurer wird.

Bringt es zu Ende und dann fangt neu an, vielleicht sogar mit besserem Geld, eines, dass „Währungshüter“ nicht einfach durch den Kopierer jagen und dessen Nutznießer am dichtesten am Geldtopf sitzen. Seit 2000 hat sich die Geldmenge in Europa verdoppelt, aber die Wirtschaftsleistung nur um 15 Prozent zugelegt. Wo sind die restlichen 85 Prozent? Sie ahnen schon. Nicht bei Ihnen.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)




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3 Kommentare auf "Mehr Glück durch mehr Geld?"

  1. FDominicus sagt:

    Ich möchte in diesem Zusammenhang ein sehr neues Buch empfehlen:
    Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden: … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen

    Und im Gegensatz dazu (als warnendes Beispiel: Capital in the 21st century)

    Bisher hat sich keiner mit meinen Kritikpunkten an Piketty Lösungsvorschlägen versucht sondern diesem Herrn nur beigepflichtet und wenn so etwas statistisch etwas aussagen kann: nur 25% der bewertenden scheinen das Problem überhaupt erkannt zu haben

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