Mehr Geld für die Sumpflebewesen

17. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

„Jamie Dimon sagt, dass die Zukunftsperspektiven glänzend sind, wenn Trump Reformen durchsetzen kann“, so lautet eine Schlagzeile bei Bloomberg. Naja … seine Perspektiven, also für den Vorstandsvorsitzenden von JPMorgan Chase und den Rest der Wall Street, mögen vielleicht glänzend sein. Milliarden neuer Ausgaben für Verteidigung würden über die Pipelines der Banken laufen, und dazu noch eine schlappe Billion für die Infrastruktur.

Die Trump-Politik und Pläne, die wir bisher gesehen haben, werden nicht zu einem echten Boom führen. Dennoch bedeutet das nicht, dass sie nicht zu einem Schein-Boom führen werden.

Wir müssen lachen. Das gefälschte Geldsystem hat alles verfälscht. Und jetzt scheinen die Märkte zu feiern, indem sie den Fluss von mehr gefälschtem Geld vorwegnehmen. Ein echter Boom würde es erfordern, diese Messer des gefälschten Geldsystems aus unserem Rücken zu bekommen. Stattdessen gibt es mehr Geld für „Verteidigung“. Mehr Geld für die Wall Street. Mehr Geld für „Infrastruktur“. Mehr Geld für jedes fettige Sumpf-Lebewesen, das durch die Kongresstür gleiten kann.

Kaum jemand hat sich die Mühe gemacht zu fragen: woher kommt das ganze Geld? Bei einer BIP-Wachstumsrate von nur etwa 0,5% pro Kopf verdienen wir das Geld sicher nicht. Und bei einer Staatsverschuldung von bereits 20 Billionen Dollar und einer Billion Haushaltsdefizit pro Jahr ist es nicht so, dass wir viel Handlungsspielraum haben. Nun … ha ha … wer kümmert sich denn noch um diese Dinge?

Die Feds haben so viel Geld, wie sie haben wollen. Sie müssen es nur drucken.

Unter dem Strich können wir nun zur normalen Tagesordnung hier im Tagebuch übergehen. Wir haben genug Puzzleteile, so dass wir – zumindest grob – das große Bild erkennen können.

Wir werden die nächsten Jahre in einer „dys-trumpianischen“ Welt leben und noch mehr von dem, was wir schon haben und kennen, bekommen. Wir werden von dem Fake-Geldsystem beraubt, von den Insidern betrogen und oft von unserem eigenen Präsidenten „miß-tweeted“ werden.

Traurig.

Bald wird die schmutzige Schlacht im Kongress beginnen. Die beiden Pole dort werden die Vorschläge von „The Donald“ wie einen Weihnachtsbaum zurecht stutzen und schmücken. Das heißt, sie werden alle möglichen teuren Kugeln an den Baum hängen. Und jede einzelne Kugel dient dazu, die Geldgeber für den Wahlkampf, die Lobbyisten und Deep State-Insider auszuzahlen.

Das Ergebnis – sei es Steuerreform, Infrastruktur- oder Militärausgaben – wird kaum die Grundlage für ein in sich schlüssiges Programm sein. Das ist vor allem auch kein Programm, das die „Win-Lose-Deals“, die derzeit die Wirtschaft belasten, reduzieren wird. Stattdessen ist das Neue letztlich auch altbekannt: mehr Schulden, mehr Betrug und noch mehr Vergeudung der realen Ersparnisse der Realwirtschaft.

Und während diese Dinge die Aufmerksamkeit der Wähler und Investoren bekommen, werden auch wichtige Kräfte im Hintergrund wirken. Und zwar unter der Oberfläche, wie ein riesiger Ball aus super-heißem Magma, der bereit ist, die Erdkruste nach oben hin zu durchbrechen.

Eine Rezession ist überfällig. Ein Crash /Bärenmarkt ist auch überfällig. Der Planet leidet unter 220 Billionen Dollar Schulden. Es ist auch so, dass diese überfälligen Korrekturen höchstwahrscheinlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen werden. Leider haben wir die Gnade der exakten Prophetie verloren. Nichtsdestotrotz, das Problem mit dem Falschgeld und dem Schein-Boom ist, dass man nie weiß, wann sie zu Ende gehen werden.

Wie sagen die Ökonmen der österreichischen Schule der Nationalökonomie so schön: jeder Boom, der nicht auf realen Ersparnissen basiert, ist zum Scheitern verurteilt. Der gegenwärtige Boom an der Wall Street basiert nicht einmal nur auf gefälschtem Geld. Er ist auf noch weicherem Schlamm gebaut.

Investoren schauen auf Donald J. Trump und sehen die Wiedergeburt von Ronald Reagan. Er senkte auch die Steuern, sagen sie. Er erhöhte die Militärausgaben. Und er hat einen Boom verursacht, der noch immer anhält; auch jetzt noch, 37 Jahre später. In dem Boom hat sich der Aktienmarkt schon verzwanzigfacht, sagen sie.

Und nun stellen sich für uns folgende Fragen: Sind wir am Ende dieses Booms … oder am Anfang eines neuen? Was sollen wir machen? Sollen wir auch auf einen Boom wetten, auch wenn es ein Schein-Boom ist?

Wenn wir bei der Wahl von Donald Trump voll in den Aktienmarkt eingestiegen wären, lägen wir schon gut zehn Prozent vorn. Ist jetzt die Zeit, den Markt als Zaungast nur zu beobachten? Oder liegt die Mehrheit tatsächlich richtig und das Gruppendenken macht sich bezahlt? Fragen über Fragen.

Die Wahrheit über Donald Trump

von Bill Bonner

Als wir hier in Rancho Santana an der Pazifikküste von Nicaragua ankamen, roch es nach Rauch. Es schaute zuerst wie ein Morgennebel aus, der zwischen den Hügeln vom Tal aufstieg. Aber letzte Nacht sahen wir aus unserem Schlafzimmer und erkannten, was passiert war. Ein Buschfeuer arbeitete sich hoch zu den Hügeln. Es ist die trockene Jahreszeit. Der Boden ist mit ausgetrockneten Blättern und Gras bedeckt. Ein stürmischer Wind weht aus dem Osten und ist so stark, dass er unsere Stühle von der Veranda fegt.

Unser Thema heute ist die Wahrheit. Wir beginnen mit einer schlichten Beobachtung. Es gibt eine Menge Unterschiede zwischen einem Buschfeuer und der Wirtschaftspolitik.

Die Wahrheit, die viele Leute hören wollen, ist, dass Donald J. Trump sich „Deep State“ mit einem Hammer und einer Zange vorknöpft. Sie wollen sehen, wie er drauf haut… sich darüber beugt… auseinandernimmt… und wieder zusammenbaut.

Dann sagen Sie mit dem Hinweis auf steigende Aktienkurse.

„Sehen Sie … er muss doch einen guten Job machen.“

Aber das ist kein Buschfeuer. Ein Feuer ist echt. Man kann sich daran die Finger verbrennen oder es kann das ganze Haus abbrennen.

„Nachrichten“ im öffentlichen Raum sind etwas anderes. Es ist wie ein Präsidentschafts-Tweet oder ein Argument eines Idioten: es mag zwar eine gewisse „Wahrheit“ drin stecken. Aber die findet man auf den ersten Blick nicht.

Bisher sieht man weder einen Hammer oder Zangen im Trump-Programm. Jüngst kam aus dem von den Republikanern dominierten Kongress ein neuer Vorschlag zur Reform des staatlichen Gesundheitswesens. Auf den ersten Blick sieht man eine gewisse Verbesserung – etwas weniger Win-Lose-Deals. Aber unter dem Strich wird der Fluss der Mittel an die Crony-Medizin-Versicherungs-Ambulanz-Industrie kaum verändert. Und das ist wohl das, was die Börse mag.

Mit anderen Worten, die Anleger sind überhaupt nicht enttäuscht von „The Donald“. Er hat die „Insider“ nicht mit einem Hammer geschlagen oder Deep State massiv bedroht. Sie sind froh, dass er es nicht getan hat. Die Märkte wissen, dass der Streit mit Arnold Schwarzenegger, Barack Obama oder dem FBI egal ist. Worauf es ankommt, ist, dass die Administration die Unterstützung der Investoren hat.

Zwar ist sein Stil anders; substanziell, also inhaltlich bleibt aber alles gleich. Und das Fake-Geldsystem – bewacht von einer Phalanx von Ex-Goldman-Jungs – ist sicher.

Ende der Nullzinspolitik

In diesen Tagen jährt sich der Beginn der „Erholung“ nach der Finanzkrise zum neunten mal. Der Leitzins lag die ganze Zeit über auf Krisen-Niveau, nahe Null; auch wenn die Aktienmarktkapitalisierung um 21 Bilionen Dollar zulegte. Das ist das Volumen, das der Aktienmarkt an Wert zunahm. Aber jetzt heißt es an der Wall Street, dass die Null-Zinspolitik zu Ende geht. Und Bank of America Merrill Lynch sagt, dass das Team Trump Gas geben müsse.

Dann sagte der Präsident der mächtigen New Yorker Fed, William Dudley, der Presse, dass der „animalische Spirit“ des Marktes“ entfesselt worden sei. “ Dudley verweist auf „robuste“ Stellenzuwächse, höhere Inflation und steigenden Optimismus der Verbraucher und Unternehmer. Er sagte auch, dass das Umfeld für eine Straffung der Geldpolitik spricht.

Daher können Dudley und die Fed den Leitzins bei der nächsten Fed-Sitzung in dieser Woche erhöhen. Laut Bloomberg liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung bei 90 Prozent.

Anders formuliert, falls die Börse nicht vor dem 15. März abstürzt, ist es höchstwahrscheinlich, dass die Fed den Leitzins erhöhen wird. Mittlerweile erzählt die Bank of America Merrill Lynch den Anlegern, dass sie in der zweiten Jahreshälfte einen großen Crash erwartet.

Unternehmensgewinne fallen. Und wenn das Zinserhöhungsprogramm der Fed ernsthaft weitergeht, wird das so lange weiterlaufen, bis eine neue Finanzkrise, sprich Crash, eintritt. Dann wird die Trump-Regierung auf den Trichter kommen und sagen, dass die letzten drei Administrationen dafür verantwortlich seien. Wird das passieren? Wir werden sehen.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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