Maximale Feuerkraft! Da geht noch was!

5. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Hurra! Eine Zinssenkung! Endlich gibt es nichts mehr auf Erspartes. Schade eigentlich. Die Börsen jubeln. Auch nicht schlecht. Niedrige Zinsen sollen die Wirtschaft beflügeln. Ha! Dabei helfen sie nur den Banken. Für nur noch 0,5 Prozent gibt es für sie Kredit bei der EZB. Trotzdem verleihen Banken nichts an die Wirtschaft…

Die Pferde dort wollen oder können nicht saufen. Sind sie satt oder haben sie die Schulden satt und fahren diese zurück? Warum sollten Banken auch Kredite an die Wirtschaft geben, wenn sie sich nicht mal gegenseitig Kredit geben? Keine Ahnung, aber ich erinnere mich, es gab Zeiten mit Leitzinsen von über fünf Prozent. Trotzdem florierte die Wirtschaft. Heute aber scheint selbst kostenloses Geld nichts mehr zu bewirken.

Vielleicht erwarten die Banken ja auch eine Art von einen Bonus, wenn sie sich Geld bei der EZB borgen. Dann müsste man auch für Sparguthaben Zinsen zahlen statt welche zu bekommen. Negative Zinsen für Guthaben? Ich traue Notenbanken heute alles zu! Und in der Tat. Mario Draghi sagte ja, die EZB wäre für negative Zinsen vorbereitet. Wenn Banken über Nacht Geld bei der EZB schlafen schicken, bekommen sie Null Zinsen. Es könnte sein, sie müssen künftig einen Strafzins zahlen frei nach dem Motto: Und bist Du nicht willig, dann eben Gewalt…

Was bedeutet das für Sparer? Sie können ihr Geld jetzt auch in diesen neuen 5-Euro-Scheinen abholen, sie ausgeben oder hübsch darauf schlafen. Übrigens tragen diese neue 5-Euro-Scheine kyrillische Buchstaben, was darauf hindeuten könnte, dem Euro treten künftig viele Länder aus Osteuropa bei. Haben die Gelddrucker für die neuen Scheine etwa doch die klingonischen Zeichen vergessen?

Ein Freund gab sich n ach der EZB-Sitzung ganz aufgeregtVielleicht werden ja die Bauzinsen noch niedriger. Also los! Verschuldet Euch! 20 Jahre lang eine Schuldenkette um den Hals zu tragen ist eine sportliche Herausforderung. Aber keine Sorge, der Arbeitsmarkt ist in Richtung Vollbeschäftigung unterwegs. Offiziell gibt es 3,02 Millionen Arbeitslose, wobei 7,2 Millionen Leute Geld von der Arbeitsagentur bekommen. Arbeitslos ist heute eine Frage der Definition. Auch hier können Zinssenkungen nichts mehr bewirken, sondern nur noch das Umdefinieren von Begriffen – und keine EZB.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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