Klartext von Max Otte: Über Bankenrettung, Finanzoligarchen und Demagogie

5. Juli 2011 | Kategorie: Auf die Ohren, Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

„Wir gehen in Richtung einer Konzernherrschaft und einer Finanzoligarchie. Meine Hoffnung wäre, dass in der Tat ein Land stolpert und sagt, dass man die Schulden nicht mehr bedienen kann. Das wäre aus meiner Sicht sogar gut für Europa.“ sagt Prof. Max Otte, Autor des Bestsellers „Der Crash kommt“. Ein Interview mit ihm…

Auszüge aus unserem Interview

Wilhelm Hankel sagte, Europa verlässt den Boden der Demokratie. Inzwischen scheint es damit schon ganz gut voran gekommen zu sein – nicht nur in dieser Sache, sondern auch im Auffinden von Nachschuldnern in Form der öffentlichen Hand. Die Politik betont gerne, sie rette den Euro. Brüssel rettet Europa, das Volk meint, wir retten die Grieche. Wer rettet eigentlich wen? Und was sind die Folgen?

Da liegt vieles im Argen und nichts ist so wie es scheint. Dabei ist die Rechnung relativ einfach: Über den Euro haben wir eine einheitliche Währung bekommen und die Randstaaten konnten sich auf einmal zu den niedrigen deutschen Zinsen verschulden und dicke Dinge treiben. Das war sozusagen die Euro-Dividende. Die ist verprasst worden. Der Euro hat also erst ökonomische Verwerfungen geschaffen. Diese Schulden und diese Kreditaufnahme hängt uns jetzt an.

Wäre ein GAU in Griechenland wirklich eine Kernschmelze, wie Herr Ackermann neulich sagte?

Das ist das Schlimme und das grenzt auch an Demagogie. Oder auch Jean Claude Juncker, den man als geschätzten Politiker kennt, der immer wiederholt, die ganze Rettung ist billiger als ein Tag Krieg. Dann finde ich das ganz schlimm demagogisch. Niemand denkt in Europa an Krieg. Niemand denkt überhaupt daran, dass Europa auseinander fällt. Wir haben zehn Europastaaten, die nicht im Euro sind und jetzt soll dieser unbedeutende Randstaat, wenn er in Staatsinsolvent geht, einen GAU verursachen, eine Kernschmelze und sonst was… Das ist völlig absurd. Man muss überlegen, welche Interessen sich wirklich hinter dieser brachialen Rhetorik verstecken.

Ja, welche sind es?

Eigentlich ist es ganz einfach. Wir hatten den Euro, die Länder haben sich verschuldet – in Griechenland der Staat, in Spanien die Privaten, in Portugal und Irland die Unternehmen – aber letztlich läuft es aufs selbe hinaus. Die Banken haben zu niedrigen Zinsen kräftig Kredite gegeben und Geld verliehen. Jetzt retten wir ja nicht Griechenland, wenn wir über den Stabilisierungsmechanismus weitere Kredite zur Verfügung stellen, sondern wir retten die Kreditgeber – also die privaten Gläubiger. Wobei das ist auch schon wieder ein Propagandabegriff. Es sind ja nicht Sie und ich, die wir mit „privat“ identifizieren würden, sondern es sind große Institutionelle. Wir retten nicht Griechenland, sondern wieder einmal die Banken. Es ist Bankenrettung 2.0 oder schon 3.0. – je nachdem wie man es zählt… (—> Seite 2)

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