Master of Desaster: Über den US-Wahlkampf und die „europäische Abrissbirne“

29. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Auf mein diesmaliges Editorial reagierten einige Leser etwas verstört. Ich würde zu sehr schwarzsehen, Hoffnungslosigkeit versprühen bzw. den „Master of Desaster“ mimen. Naja, ganz von der Hand zu weisen ist das alles nicht. Aber ich habe auch meine Gründe dafür…

Wir haben über Jahre hinweg vor eklatanten Fehlentwicklungen gewarnt. Smart Investor und viele andere Alternativmedien wurden nicht müde, auf die gefährliche Politik vor allem von Angela Merkel hinzuweisen. Der Point-of-no-return ist inzwischen aber überschritten: Deutschland und Europa stehen kurz vor dem Abgrund, was an einigen Punkten zu erkennen ist.

Beispielsweise muss die EZB die Anleihenmärkte mit rund 200 EUR pro Euroland-Bürger und Monat stützen (= 80 Mrd. EUR pro Monat). Hinzu kommen die Entwicklungen bei der Deutschen Bank und in der Flüchtlings- und Außenpolitik. Angesichts unseres Schwerpunktthemas „Kapitalschutz“ im aktuellen Heft empfand ich es als angemessen, das Schild „Vorsicht Abgrund!“ zu zeigen. Wir wollen im Smart Investor keine weich gewaschenen Thesen vertreten, sondern unsere Sicht der Dinge kundtun – auch wenn es schmerzt. Die Titelgeschichte ist an diejenigen gerichtet, die geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen wollen. Ein Probe-Abo kann hier angefordert werden.

Der K.o.-Sieg, der keiner war

Das mit Spannung erwartete erste TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump liegt hinter uns. Wer sich in der Nacht zum Dienstag nicht die Zeit genommen hatte, die Debatte live zu verfolgen, dem wurde schon am Morgen erklärt, dass Hillary die haushohe Siegerin gewesen sei. CNN vermeldete, dass 62% Clinton, aber nur 27% Trump vorne gesehen hätten. Scherzhaft wurde dieser Kanal aufgrund seiner mangelnden Neutralität allerdings schon vorher als Clinton News Network (CNN) bezeichnet.

Neutralität kann der deutsche Medienmainstream natürlich „besser“: Als Zusammenfassung der Debatte flimmerten gestern früh drei Statements zu Clinton und drei zu Trump über die Schirme – genauer gesagt, dreimal positiv zu Clinton und dreimal negativ zu Trump. Wer so „informiert“ wird, der kann am Ende durch den Ausgang der Wahl durchaus überrascht werden, denn das Rennen dürfte sehr viel knapper werden, als es der Mainstream suggeriert.

Auch nach unserer Auffassung war Clinton in dieser Schlacht stärker. Trump hat sich schlecht verkauft und ließ einiges von seiner typischen Angriffslust missen. Vielleicht übte er sich auch schon in staatsmännischer Zurückhaltung, oder er war einfach nur schlecht vorbereitet. Das entspräche zumindest seiner betont lässigen Art und seinem übergroßen Ego. Clinton soll dagegen ihre Rolle geradezu verbissen – sogar mithilfe eines Trump-Doubles – einstudiert haben. Auch das entspräche ihrer Art und auch ihrem Ego.

Über zwei Dinge sollte man sich im Klaren sein: Erstens war dies kein K.o.-Sieg, sondern einer nach Punkten. Zweitens war dies das erste von drei Gipfeltreffen. Beide Kandidaten werden daraus ihre Lehren ziehen und ihre Strategien anpassen. Abgerechnet wird am 8. November. Unsere ausführliche Einschätzung zu den beiden ungleichen, jedoch gleichermaßen unbeliebten Kandidaten lesen sie im aktuellen Smart Investor 10/2016 ab S. 26.

Wimmer rockt München

Apropos US-Wahl 2016. Wir hatten gestern das große Vergnügen, den langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten, ehemaligen verteidigungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und früheren Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Willy Wimmer, live zu erleben. Im Rahmen der Münchner Wirtschaftsgespräche befasste sich Wimmer vor ausgebuchtem Haus mit der Frage „Ist Europa am Ende?“.

Zentral für die Beantwortung sei der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl: Über Frau Clinton wüssten wir alles, über Herrn Trump aber nur das, was uns die Medien vorgesetzt haben, so Wimmer. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die „Familiengeschichte“ der Clintons, die viel mit Krieg zu tun habe, während man bei Trump hoffe, dass er eine Beziehung zu Putin aufbauen könne. Auch zur Migrationskrise fand er eindeutige Aussagen. Vor jeder Auseinandersetzung würden die Strategen die Migrationsentwicklung planen – damals wie heute.

Klare Worte zur angeblich „überraschenden Flüchtlingskrise“ des Jahres 2015. Und Wimmers Aussagen haben Gewicht: Über Jahrzehnte war er ein Insider der wichtigsten Machtzirkel der deutschen Politik. Von aktuellen Amtsträgern ist so viel Klarsprech bedauerlicherweise nicht zu erwarten. Alleine das spricht Bände über den Zustand von Demokratie und echter Meinungsfreiheit im Lande.

Wimmer wunderte sich, wie sich eine ganze Partei – seine Partei – in die „babylonische Gefangenschaft“ einer Person begeben könne? Gemeint war Kanzlerin Merkel. Während Helmut Kohl noch zum Ehrenbürger Europas ernannt wurde, sei Merkel die „europäische Abrissbirne“. Den vollständigen Bericht von diesem Abend lesen Sie in der nächsten Druckausgabe Smart Investor 11/2016.

Auf sich allein gestellt

Bankenrettungen werden üblicherweise in langen Nachsitzungen besprochen, die Nicht-Rettung der Deutschen Bank dagegen in einem Vieraugengespräch im Bundekanzleramt. So soll es Gerüchten zufolge im August ein geheimes Treffen zwischen John Cryan und Angela Merkel gegeben haben. Auf diesem habe die Bundeskanzlerin dem Chef der Bank mitgeteilt, dass er nicht mit ihrer diplomatischen Unterstützung in den Verhandlungen mit dem US-Justizministerium rechnen könne.

Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass die US-Behörde der Deutschen Bank eine Strafe von 14 Mrd. USD (rund 12,5 Mrd EUR) für diverse Vergehen im Zusammenhang mit sogenannten Mortgage Backed Securities (MBS) auferlegen will. Angesichts einer Marktkapitalisierung der Bank von lediglich knapp 15 Mrd. EUR ist dies eine schier unvorstellbare Größenordnung.

Zwar gehen die Banker in den Zwillingstürmen davon aus, sich auf einen deutlich niedrigeren Betrag vergleichen zu können, die Frage nach der Stabilität der Bank steht dennoch im Raum. Da kam es diese Woche alles andere als gelegen, dass der Focus berichtete, die Bundesregierung wolle die Bank nicht stützen, zumindest nicht vor der Bundestagswahl 2017. Die Vorstellung einer taumelnden Deutschen Bank belastete dementsprechend nicht nur am deutschen Aktienmarkt für einen Ausverkauf.

Damit Sie nicht den falschen Eindruck gewinnen: Natürlich sind Staatshilfen und Rettungspakete für strauchelnde Banken aus ordnungspolitischer Sicht alles andere als wünschenswert. Die Tatsache, dass die Bundesregierung die Deutsche Bank gerade in der aktuellen Lage sich selbst überlässt, muss jedoch fast als Absicht angesehen werden. Schließlich ist die Merkel-Regierung nicht gerade als Gegner groß angelegter finanzieller Rettungsaktionen (siehe Griechenland) bekannt. Warum also gerade jetzt?

Doppelte Erpressung

Mit ihrer Forderung gegenüber der Bank verfügt das US-Justizministerium quasi über einen Joker in einem Pokerspiel. Spielt die Behörde diesen aus, ist der Kollaps der Bank fast schon vorgezeichnet. Sollte es bei den kolportierten 14 Mrd. USD bleiben, wäre eine groß angelegte Kapitalerhöhung unabwendbar. Angesichts von aktuell 15 Mrd. EUR Börsenwert vermutlich im Verhältnis 1:1.

Was passiert jedoch, wenn niemand diese Aktien zeichnen will? Schließlich scheint der Markt der Bank und ihren Zahlen nicht im Geringsten zu trauen. Immerhin liegt der gegenwärtige Marktwert bei weniger als einem Viertel des buchmäßigen Eigenkapitals. In diesem Fall müsste also doch wieder der Staat einspringen und die Bank stützen oder gar abwickeln. Was hat Angela Merkel also im Sinn, wenn Sie die Bank nun durch ihr Abweisen erst mal immer weiter in die Krise treibt, gleichzeitig aber weiß, dass die Kosten der Rettung am Ende durch den Steuerzahler zu tragen sind?

Gleichzeitig macht sie sich in immer größeren Umfang von der Deutschen Bank abhängig. Denn sollte ihr John Cryan beim nächsten Treffen mit dem Gang zum Konkursrichter drohen, wäre sie mehr als erpressbar. Cryan selbst ist wiederum von der US-Justiz erpressbar. Unter taktischen Erwägungen wäre es daher wohl deutlich besser, die kriselnde Bank schon heute zu stützen und damit aus dem Kreuzfeuer zu nehmen.

Am Ende sieht es wie der doppelte Schwarze Peter aus, den sich Angela Merkel hier einfährt. Und warum sollte die amerikanische Seite einen Kollaps der Bank forcieren? Vielleicht um endlich staatlich garantierte Stabilität in den europäischen Bankensektor zu bringen – auf Kosten der Europäer und nicht der amerikanischen Steuerzahler. Daneben aber vielleicht auch, um einigen Hedgefonds mit guten politischen Verbindungen eine profitable Wette gegen den deutschen Bankenriesen zu ermöglichen.

Zu den Märkten

Es ist nicht so, dass die Deutsche Bank jemals einen Beliebtheitswettbewerb gewonnen hätte – außer vielleicht in der eigenen Mitarbeiterzeitschrift. In den vergangenen Tagen machte sie sich aber wieder einmal besonders unbeliebt. Dieses Mal nicht nur bei den eigenen Aktionären, die ohnehin Kummer gewohnt sind, sondern auch bei allen anderen Aktionären von DAX-Unternehmen.

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Gerade als der DAX den Sprung über die wichtige Marke von 10.500 Punkten geschafft hatte und sich anschickte, endlich nach oben aus der Konsolidierung auszubrechen (vgl. Abb.), gerade da wurde den Marktteilnehmern schlagartig bewusst, was die im Raume stehende Strafandrohung über 14 Mrd. USD für das Institut bedeuten würde – nämlich das Aus. Nach dem „Erfolg“ bei Volkswagen scheint es das neue Hobby der US-Justiz zu sein, Megastrafen gegen deutsche Großkonzerne zu verhängen. Man kann sich vorstellen, wie man gegen das Skandalunternehmen Monsanto losschlagen wird, wenn dieses erst einmal fest in der Hand von Bayer ist – eine vergiftete Pille, die der Leverkusener Pharmariese da schluckt.

Die Wirkung auf den DAX blieb jedenfalls nicht aus. Der deutsche Leitindex rauschte wieder unter die Marke von 10.500 Punkten, konnte sich jedoch innerhalb seiner Konsolidierungszone halten. Damit ist nun erst einmal eine weitere Runde impulsloser Quälerei bei den deutschen Standardaktien angesagt – bis zum nächsten Ausbruchsversuch.

Fazit

Die US-Präsidentschaftswahl ist weiter DAS Thema und wir haben weiter den Eindruck, dass wir hier nur ein Zerrbild präsentiert bekommen. Damit würde der Mainstream noch durchkommen, wenn man uns Hillary nur als das kleinere Übel verkaufen wollte, aber der Versuch, ausgerechnet für diese Frau Begeisterung entfachen zu wollen, ist schlicht abstoßend. Mit einem ziemlich großen Übel sieht sich aktuell auch die Deutsche Bank konfrontiert. Da darf man die Dinge dann auch schon mal etwas negativer sehen.
© Ralf Flierl, Christoph Karl und Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

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Ein Kommentar auf "Master of Desaster: Über den US-Wahlkampf und die „europäische Abrissbirne“"

  1. FDominicus sagt:

    Ich kann Ihre „Realseherei“ nachvollziehen, Sie sind dabei nicht allein. Alle „Österreicher“ wußten es und warnten und das schon seit mehr als 100 Jahren. Für das in den Wind schlagen der Warnungen bezahlte die Welt mit WK 1 und WK 2, ganz grob irgendwo zwischen 80 – 120 Mio Tote weltweit nur durch diese Kriege. Dazu komm noch mal locker die gleiche Menge für „sozialistische“ Mordaktionen.

    Also von wegen- man könne „es nicht“ wissen“. Beweise für den Wahnsinn von heute liegen vor, hindert aber die Eliten nicht daran es „noch mal“ zu versuchen.

    Der Herr Gauck(ler) liegt falsch NUR die „Eliten“ sind das Problem, nicht der „normale“ Bürger. Für Massenmord braucht es Organisatgion, und je besser die Organisation desto perfider aber auch perfekter der Mord. Das ist ein Fakt – was einfach steht.

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