Massenarbeitslosigkeit im Euroraum

16. Dezember 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Prof. Thorsten Polleit) Die Finanz- und Wirtschaftskrise im Euroraum fordert ihren Tribut. Der Arbeitsmarkt ist in einem katastrophalen Zustand: Die Arbeitslosigkeit hat im Oktober 2012 den höchsten Stand seit den frühen 80er Jahren erreicht: 11,7 Prozent…

 


Auffällig sind dabei vor allem zwei Dinge. Erstens: Die Arbeitslosigkeit ist nunmehr deutlich höher als noch zur Zeit der akuten Finanz- und Wirtschaftskrise in der Phase 2008 bis 2009. Dies liegt insbesondere am starken Ansteigen der Arbeitslosigkeit in Frankreich und Italien. So lagen die französische und italienischen Arbeitslosenquoten (saisonbereinigt) Ende des dritten Quartals 2012 bei mehr als 10 Prozent – und erreichten damit den höchsten Stand seit Ende 1999.

Zweitens: Selbst der deutsche Arbeitsmarkt – der sich noch in relativ guter Verfassung zeigt – scheint sich nun auch zum Schlechteren gedreht zu haben. Die deutschen Arbeitslosenzahlen steigen bereits seit März dieses Jahres.

Die um sich greifende Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation ist vor allem ein Spiegelbild der Konjunkturlage: Die Beschäftigung im Euroraum schwingt recht eng mit dem Konjunkturverlauf – und die Wirtschaftsaktivität schwächt sich in vielen Euroraum-Ländern merklich ab oder ist bereits rückläufig. Die Aussicht auf eine weiter schrumpfende Produktion spricht daher für weiteren Beschäftigungsabbau.

Die ansteigende Arbeitslosigkeit im Euroraum ist aber vor allem auch im Zusammenhang mit dem nunmehr geplatzten „Kreditgeldboom“ zu sehen. Mit ihrer notorischen Niedrigzinspolitik hat die Europäische Zentralbank (EZB) seit Beginn der Währungsunion einen künstlichen Aufschwung angestoßen, der in vielen Euroraum-Ländern über die Jahre zu fortgesetzten Fehlentwicklungen geführt hat.

Der „Häuserpreis- und Bau-Boom“ ist dabei nur eine – wenngleich auch höchst augenscheinliche – Folge der andauernden Politik des billigen Geldes. Doch es gibt weitere Fehlentwicklungen. Hierzu zählt beispielsweise ein überzogener, auf Pump finanzierter Konsum, der wiederum ein künstliches Wachstum von Produktions- und Industriezweigen nach sich zieht – etwa in der Auto-, Transport- und Luftfahrtindustrie.

Die Politik des billigen Geldes hat aber vor allem den Staatsapparat sowie den Banken- und Finanzsektor immer weiter anwachsen lassen. Nun versiegt der Zustrom von immer neuem Kredit und neuem Geld, bereitgestellt zu immer tieferen Zinsen, an den sich so viele Konsumenten, Industriezweige und Begünstigte der sprudelnden Staatsausgaben gewöhnt haben. (Seite 2)

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