Marktmanipulation als olympische Disziplin?

23. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Uns geht es so gut wie noch nie, besagt eine neue Bertelsmann-Studie. Der Jubel war grenzenlos. Aber wo? Jetzt müsste nur noch der DAX steigen. Wird er?

Für einen Moment hatte er die Verlustzone für dieses Jahr verlassen. Nach einem kurzen Feuerwerk ging es wieder bergab. Noch aber wirkt sie, diese verdammte Schwerkraft, auch an den Börsen. Diese sollte endlich abgeschafft werden. Na, man ist schon dabei!

Da im nächsten Jahr die Staatsanleihen knapp werden, die die EZB aufkauft, fordern jetzt schon sogenannte Experten, dass die sogenannten Währungshüter dann auch Aktien zu kaufen – frei nach dem Motto: „Es werde Geld!“ – bevor später das Helikopter-Money als wirklich letzte Alternative und ewige Ausnahme über wen auch immer abgeworfen wird. Und Vorfreude ist doch immer die schönste Freude!

Die japanische Notenbank kauft seit sechs Jahren Aktien in Bündeln (ETF`s) ohne nennenswerten Erfolg. Wir mögen uns gar nicht vorstellen, wo der Nikkei 225 ohne diese Aktion stünde. So ist die BoJ inzwischen der größte Aktionär beim Klavierhersteller Yamaha und kann später ein „Spiel mir das Lied vom Tod“ in die Tasten hauen. Dazu gibt es ein Selfie, denn sie ist bald der Hauptaktionär beim Kamerahersteller Olympus.

Auch die Schweizer Zentralbank kauft im großen Stil US-Aktien. Das frische Geld dampfte noch, als es mit jeweils mehr als eine Milliarde US-Dollar in Microsoft, Exxon Mobil und Apple verschoben wurde. Die EZB hinkt hinterher. Wenn Tabubrüche zur Normalität geworden sind, wird sie das auch tun. Auf einen Tabubruch mehr oder weniger kommt es nun wirklich nicht mehr an. Irgendwann besitzen Zentralbanken alles, gekauft mit eigenem Luftgeld. Der Sozialismus hätte gesiegt, denn einen Markt benötigt man dann nicht mehr.

Es ist schon absurd, dass die US-Börsen steigen, die Gewinner der Unternehmen seit zwei Jahren fallen. Diese kaufen mit billigem Geld selbst ihre Aktien auf. Seit 2008 sind die Schulden der Firmen von drei auf sechs Billionen US-Dollar gestiegen und die US-Börse ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 ziemlich sportlich bewertet aus. Gleichzeitig ziehen große Fonds seit Monaten Geld aus der US-Börse ab. Unter normalen Umständen müsste der Aktienboom zum Ende kommen. Aber was ist heute noch normal in verrückten Zeiten und verrückt gewordenen Notenbanken? Es wird Zeit, Marktmanipulationen als olympische Disziplin aufzunehmen.

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