Märkte in Aufruhr: Game over?

5. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Was ist das? Der DAX verliert 1.100 Punkte in fünf Tagen. 120 Milliarden Euro im DAX sind weg.  Eine Welle der Verzweiflung überrennt die Märkte. Ein Crash? Das Ende? Game over? Ein seltsames Gefühl überkommt einen, wenn man auf die Finanzmärkte schaut, als ob der Sensenmann ums Haus schleicht…

Man kann es nur kurz fassen: Mist! Die Gründe für den Kursrutsch sind klarer geworden. Und sie stehen am Morgen in den Nachrichten ganz oben und im Lichte der Öffentlichkeit: Misstrauen. Es ist ein Misstrauensvotum gegenüber denen, die die Geschicke lenken, bzw. vorgeben, das zu tun. Erleben wir einen „Schwarzen Freitag“? wie meine Kollegin mich fragte?

Am Montag hieß es noch, die USA wären gerettet. Vor zwei Wochen hieß es, der Euro wäre gerettet, und Europa, und Griechenland, und die Konjunktur und der Rest der Welt. Pah! Gerede…

Am Dienstag bestand man dringend darauf, dass das so richtig wäre. Nach jedem Nachmittagsschläfchen stand der DAX mindestens 100 Punkte tiefer und begann sich zu übergeben. Was passiert heute? Keine Ahnung. Wahrscheinlich kommen die Experten aus ihren Büros an die Börse und erklären, warum ihre neuesten Prognosen wieder mal nicht haben eintreffen können.

Die große Flucht“ nannte ich eine Kolumne am Montag. Dass diese so schnell kommen würde, hatte ich unterschätzt. Raus aus Aktien – rein in Staatsanleihen? Das erinnert an einen Sprung aus der Pfanne in die Fritteuse. Übrigens, die Interventionen und damit Manipulationen der Notenbanken in der Schweiz und Japan verpufften unter den Rauchschwaden am Devisenmarkt. Papier kämpft gegen Papier und um den schwächsten Platz. Und alle sitzen sie in der gleichen Gondel. Bon voyage!

Bleibt zu hoffen, dass die US-Arbeitsmarktdaten um 14:30 Uhr eine Eindeckungswelle an den Märkten auslösen wird. Und diese fand recht schnell nach einer schwachen Eröffnung statt, mitunter saft – und kraftlos. Böse Stimmen sagten auf dem parkett, vielleicht wurden die Arbeitsmarktzahlen noch ma neu durchgerechnet, bevor 14:30 Uhr dann 117.000 neue Stellen geschaffen worden sind. Vielleicht auf dem Papier?

Wenn die wall Street am Freitag nicht dreht, kommt am Montag der Crash, berichten Händler auf dem New Yorker Parkett.  Moment! Trends nach unten zu extrapolieren ist gefährlich. Märkte laufen in Wellen – nur die letzte Welle ist final.

Und dann waren die Gewinne schnell wieder dahin. Der DAX sauste 300 Punkte vom Tageshoch nach unten. Und wieder 200 Punkte hoch. Die in Flugzeugen bereit gehaltenen Tüten waren heute Mangelware… Während es Updates steigt der DAX weitere 100 Punkte…

Tagesverlauf DAX


Die arme EZB… Diesmal war ihre Pressekonferenz spannender als die Zeitung von gestern. „Mister Vigilance“ verkündet Wirtschaftswachstum, Wachsamkeit, Inflation und den Aufkauf von Schrottpapieren – von allem etwas. Die Zentralbank scheint unter Druck zu stehen, die Fäkalien aus dem Markt zu saugen, die Überreste einer offensichtlich verfehlten Wirtschafts– und Finanzpolitik. Bevor die EZB-Show vorbei war, gab es schon erste Bewegungen im Anleihemarkt, die von Jean-Claude Trichet angekündigt worden waren. (Seite 2)

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