Margen sind Schall und Rauch

29. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Vieles lässt sich so manchem Anleger nachsagen, ein Mangel an Optimismus aber gehört selten zu den prägenden Charaktereigenschaften. Auch eine sagenhafte Performance des DAX kann daran nichts ändern. Angesichts der Tagesschwankungen sollte man nicht alles bis auf die siebte Nachkommastelle berechnen, aber der Blick auf die verlorene Dekade lohnt auch so einen Blick…

Der Index fiel in den Jahren seit dem Tech-Gipfel jährlich um rund 1%. Inklusive Dividenden. Exklusive Fonds- oder Verwaltungsgebühren.  Nun ruht die Hoffnung erneut auf vermeintlichen billigen Titeln, Sachwerten und vielen gewagten Thesen. Eines aber – ganz erstaunlich – wird selten erwähnt. Die Margen. Und die sind vielerorts bereits mehr als ausgereizt.

Das eine oder andere hübsche Beispiel für steigende und sinkende Margen bietet immer wieder mal der Technologie-Sektor. Erinnern Sie sich noch an den Aufstieg von Nokia?

Erinnern Sie sich noch an den Aufstieg von Nokia? Schon ein Weilchen her das Ganze. Die Firma wurde 1865 als Papiermühle gegründet. Später kam dann über verschlungene Pfade das Gummi- und Kabelgeschäft dazu. Historiker mögen uns diesen arg kurzen Abriss verzeihen.

Weltweit bekannt aber wurde die finnische Firma durch Mobiltelefone.1999 kam mit dem Modell 3210 das erste derartige Modell ohne externe Antenne auf den Markt, den Knochen kauften eine Menge Menschen, kaum jemand, der nicht zumindest jemanden kannte, der so ein Ding hatte. Schon kurz vorher war das Unternehmen der größte Produzent dieser Geräte auf dem Planeten. Der Aufstieg schien unaufhaltsam und es ist immer wieder schön, sich Artikel aus diesen Jahren anzuschauen.

Nokia becomes the world’s biggest mobile phone manufacturer

By 1998, Nokia’s focus on telecommunications and its early investment in GSM technologies had made the company the world leader in mobile phones.

Expanding markets

For most of its history the company had exported to Europe, other Nordic countries and the Soviet Union. As late as 1991, more than a quarter of its turnover still came from sales in Finland.

But after the strategic change of 1992, Nokia saw a huge increase in sales to North America, South America and Asia.

Soaring sales

The 1990s also saw unparalleled growth in global sales. Between 1996 and 2001, Nokia’s turnover increased almost fivefold from EUR 6.5 billion to EUR 31 billion.

Gewaltige Zahlen. Nun, wie es so ist, kam niemanden in den Sinn, dass Margen nicht in den Himmel wachsen und das ein Margenrückgang zu dem unschönen Trend eines steigenden Umsatzes bei sinkenden Gewinnen führen kann. Nicht gut für den Cashflow und – mit der bei Aktieninvestoren üblichen Verzögerung nicht gut für die Aktie. Der vollständige Kollaps, der die Anteilsscheine in den letzten Monaten heimsucht, ist hier nur das Sahnehäubchen auf der Elendstorte der Kursentwicklung.

Die Entwicklung von Marge und Kurs sehen unten.

Der Umsatz liegt am Ende des dargestellten Zeitraums um immerhin 12% höher als zu Beginn.  Dumm nur, dass im gleichen Zeitraum Margen und Gewinn um mehr als 62% sanken. Der Aktienkurs viel natürlich noch deutlich stärker – kein Wunder, hier musste nicht nur die sinkende Marge in die Berechnung hineingewerkelt werden, sondern noch die Begräbniskosten so manches Traums vom ewigen Wachstum beglichen werden. Fast 90% hat dies die Aktie gekostet.  Bisher. Außer einer möglichen Übernahme glimmen bei diesem Wert nicht mehr viele Lampen… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

2 Kommentare auf "Margen sind Schall und Rauch"

  1. stonefights sagt:

    Ohne den Beitrag schmälern zu wollen, ich habe herzhaft gelacht über das Bild. Da kann sich doch unser Agenda-Blasphemist (noch)mal eine Zigarre abschneiden 🙂
    LG; stonefights

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.