Manfred Gburek: Von der Kunst, finanziell zu überleben

25. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Wer Geld anlegt, sollte sich vorher wenigstens grob über die eigenen Anlageziele im Klaren sein. Danach gilt es zu recherchieren. Aber wie intensiv? Wie viel Zeit steht mir dafür zur Verfügung?

Und falls ich mich irgendwann mit Aktien anfreunden möchte, soll ich dann eher in die Breite oder in die Tiefe gehen, also lieber Aktien aus drei bis fünf Ländern in Betracht ziehen und wegen des dann erforderlichen riesigen Rechercheaufwands an der Oberfläche bleiben, oder soll ich mich allein auf deutsche Aktien konzentrieren und sie möglichst genau unter die Lupe nehmen? Zu beiden Alternativen gibt es mehr oder weniger hilfreiche Sprüche. Hier folgen mitsamt Kommentaren einige davon aus meinem neuem Ebook „Von der Kunst finanziell zu überleben“.

Börsianer lieben Sprüche. Manche nennen sie sogar Börsenweisheiten. Da sie von vielen Leuten ernst genommen werden, lohnt es sich, ihren Inhalt näher zu untersuchen.

Beginnen wir mit einem Spruch, der sich unmittelbar an das vorangegangene Kapitel anschließt: Nicht alle Eier in einen Korb legen! Soll heißen: Den Geldeinsatz auf mehrere Aktien verteilen. An sich eine Selbstverständlichkeit. Doch wie viele Körbe es sein sollen, lässt der Spruch offen.

gburek-cover_gVon Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden. (alternativ: gestorben) Das kommt einem zunächst schlüssig vor. Aber wo endet die Armuts- und wo beginnt die Reichtumsgrenze, bei 10, bei 20, bei 50 oder erst bei 100 Prozent Kursgewinn? Vorschlag zur Güte: Falls Sie sich noch als Börsenanfänger fühlen, nehmen Sie Gewinne häufiger mit, nicht zuletzt auch, um Erfahrungen zu sammeln. Als erfahrener Anleger wissen Sie dagegen, dass ein anderer Spruch besser auf Sie zutrifft: Gewinne laufen lassen, Verluste beschneiden. Dazu sollten Sie allerdings vorher so intensiv recherchiert haben, dass Sie nicht Gefahr laufen, aufs falsche Pferd zu setzen.

Vom Spekulanten André Kostolany stammt der Spruch: Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer kein Geld hat, muss spekulieren. Falls Sie sich fragen, warum jemand spekulieren muss, obwohl er kein Geld hat, sei zu Kostolanys Ehrenrettung gesagt: Erstens bedeutet spekulieren nicht nur, Geld an der Börse einzusetzen, sondern laut Duden ganz allgemein: mutmaßen oder erwarten. Und zweitens kann ein Habenichts sich ja Geld von den Eltern oder Großeltern, von wohlmeinenden Onkeln, Tanten oder Freunden leihen.

An der Börse wird nicht geklingelt.

Das ist wohl wahr und soll bedeuten: Wann die Kurse nach oben oder nach unten drehen, bekommt man von niemandem mitgeteilt. Ein treffender Spruch, der unter anderem all die Börsenpropheten Lügen straft, die das Gegenteil behaupten. Unter denen gibt es auch solche, die meinen: Kaufen, wenn die Kanonen donnern! Diese Empfehlung stammt aus Zeiten, als verschiedene Länder – zum Beispiel vor dem Ersten und vor dem Zweiten Weltkrieg – Wettrüsten betrieben, als die Kaufkraft von Anleihen rapide sank und Aktien als Sachwerte von der erwarteten Kriegswirtschaft zu profitieren versprachen. Der Kriegsausbruch wurde dann endgültig als Kaufsignal interpretiert.

Auf die aktuelle Entwicklung bezogen, muss man sich indes fragen, ob die jetzigen Kriegsvorbereitungen und Kriege im Vergleich zur ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken überhaupt schwer genug wiegen, um einen nennenswerten Einfluss auf die Aktienkurse ausüben zu können. Abgesehen davon: Hieß es nach dem vorläufigen Ende des Wettrüstens zu Beginn der 90er Jahre nicht zu Recht, es gäbe eine Friedensdividende? Die bestätigte sich denn auch bis zum Jahr 2000. In den 90er Jahren hätte es also heißen müssen: Kaufen, wenn die Kanonen schweigen!

Eine abgeschwächte Variante des Kanonendonnerkaufs wird uns meistens auf Englisch serviert: Buy on bad news. Also bei schlechten Nachrichten kaufen. Konsequenterweise heißt es dann auch im Fall des Gegenteils: Sell on good news. Doch das sind Binsenweisheiten.

Schlechte Nachrichten erstrecken sich von Managementfehlern bis zu Dividendenkürzungen, von politischen Entscheidungen wie der Energiewende bis zu den Folgen der Globalisierung für Arbeitsplätze in manch einer traditionellen europäischen Branche. Hätte ich bei bad news Eon- oder RWE-Aktien gekauft, wäre ich heute total frustriert. Das Ganze lässt sich unter umgekehrten Vorzeichen auf good news übertragen. Mehr dazu und zu weiteren spannenden Themen rund um die Geldanlage erfahren Sie über den folgenden Link: https://www.epubli.de/shop/buch/45597

Manfred Gburek – Homepage



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