Manchmal kommt es anders – als man denkt

13. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Nicht Spanien, wie von vielen erwartet, und auch nicht Belgien, sondern Italien ist der nächste wackelnde Steine im morschen Euro-Gemäuer. Damit ändert sich aber an unserer Einschätzung gar nichts, außer, dass Italien vermutlich den besseren Brandbeschleuniger abgibt…

vom Smart Investor

Am Montag trafen sich die „vier apokalyptischen Reiter“ (Jose Manuel Barroso, Jean-Claude Trichet, Jean-Claude Juncker und der unnachahmliche Herman van Rompuy – wer letzteren nicht kennt, dem sei die ausgezeichnete Charakterisierung durch Nigel Farage, dem Vorsitzenden der einzigen Oppositionspartei im EU-Parlament, ans Herz gelegt). Ganz EU-demokratisch (also ohne jede demokratische Legitimation) wurde hier das weitere Vorgehen beschlossen, welches dann im Anschluss von den versammelten Finanzministern abgenickt wurde. Dabei ging es angeblich in keiner Weise um Italien, dessen Anleihekurse zuvor deutlich abgesackt waren (mehr hierzu weiter unten), sondern nur um die Frage, wie man mit Griechenland weiter zu verfahren habe (Adieu, griechische Souveränität!). Da aber Herr Juncker mit von der Partie gewesen ist, darf man getrost von einer Lüge ausgehen – schließlich lügt Herr Junckers gern und oft, solange es dem hehren Ziel dient (vgl. Smart Investor Weekly 20/2011).

Durchhalteparolen und Planwirtschaft

Wie dem auch sei, das Treffen endete mit den altbekannten Durchhalteparolen und dem Versprechen für die bankrotten Länder dank längerer Laufzeiten und niedrigerer Zinsen weiter Zeit zu kaufen. Zu Italien äußerte sich dann doch noch jemand – die frischgebackene IWF-Chefin Christine Lagarde:

„Italien hat ganz klar im Moment mit Problemen zu tun, die im Wesentlichen von den Märkten befeuert wurden“

Parbleu, Christine!? So funktionieren Märkte: ein Teilnehmer hat nicht ordentlich gewirtschaftet und der Markt stellt daraufhin den Bankrott in Aussicht – freie Marktwirtschaft eben! In den Augen einer planwirtschaftlich-sozialistisch denkenden Technokratin wie Madame Lagarde ist solch ein Prinzip natürlich Teufelszeug.

Das Pippi-Langstrumpf-Prinzip

Die gesamte Eurogruppe kam derweil mit einer ganz „ausgezeichneten“ Idee um die Ecke: Wir verbieten einfach die Bewertung von bankrotten Staaten durch die bösen und politisch motivierten Ratingagenturen jenseits des großen Teichs. Diese gehen nun endlich mit der zuvor geforderten Schärfe vor und sagen was Sache ist – Staaten wie Griechenland oder Portugal sind schlicht, einfach und ergreifend pleite – und schon ist es ebenfalls nicht recht (auch wenn die Ratingagenturen zugegebenermaßen auf einem Auge blind sind, denn UK und die USA sind genauso bankrott wie Griechenland).

Wie so etwas überhaupt funktionieren soll, schließlich ist es den meisten institutionellen Anlegern verboten, Anleihen ohne Rating zu kaufen bzw. zu halten, interessiert in diesem Zusammenhang wohl ebenso wenig. Insgesamt fühlt man sich an spielende Kinder erinnert: Wenn ich es nicht sehe, ist es auch nicht da. Schön, wenn man wie Pippi Langstrumpf in Taka-Tuka-Land lebt und sich die Welt machen kann, wie sie einem gefällt. Der aufgeklärte Marktbetrachter jedoch muss dabei auch an ein Zitat der großen Philosophin Ayn Rand denken:

„Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren.“

—> weiter zu den Märkten und weiter zur Homepage vom Smart Investor



Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.