Manchmal geht es um die Wurst

11. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Briefkastenfirmen gehörten gerade nicht zu Gewinnern, aber Daimler-Aktionäre! Habe ich gehört. Gerade in diesen Tagen bluten einem die Ohren vom Slogan, man müsse jetzt sofort und unbedingt Aktien kaufen, wegen der Dividenden, die im Frühjahr gezahlt werden…

Die Marketing-Experten verweisen auf die rund 600 deutschen, an der Börse notierten Firmen, die in diesem Jahr 42 Milliarden Euro auszahlen. Dazu muss man aber auch die Aktien besitzen, was durchaus mit üppigen Kosten verbunden ist. Vielleicht werden die Aktien ja noch billiger?

Daimler schüttete an seine Aktionäre in dieser Woche 3,25 Euro pro Papier aus und damit eine Dividendenrendite von 5,3 Prozent in dieser zinslosen Zeit. Ist das ein Argument? Moment mal…

Dabei haben sich Daimler-Papiere seit der letzten Dividende im letzten Jahr um 28 Prozent verbilligt. Trotz der Dividenden… Keine Sorge, denn in neun Jahren wäre dieser momentane Kursverlust durch die künftigen Dividenden vielleicht ausgeglichen. Aktien muss man ja langfristig sehen, wie lange das auch immer sein soll. Vielmehr zählt, zu welchem Preis man sie gekauft hat.

Und wer Daimler damals bei 17 Euro kaufte, wir erinnern uns, dass die Experten laut warnten, strich in dieser Woche eine Dividendenrendite von 19 Prozent ein – Eine Frage des Einstandspreises.

Vor einem Jahr stand der DAX noch bei 12.300 Punkten, als es hieß, Aktien wären alternativlos und Dividenden der neue Zins. Nun steht der deutsche Leid-Index ein Viertel tiefer als vor einem Jahr. Bei gleichbleibenden Dividenden ist das Minus in zehn Jahren aufgeholt, vorausgesetzt, sie werden künftig so gezahlt wie heute. Dazu muss man jede Menge Börsenstress aushalten und Experten aus dem Weg gehen.

Dividenden sind nett! Doch erst beim Verkauf der Aktie zeigt sich, ob sich das Geschäft gelohnt hat. Das könnte auch erklären, warum ein hungriger oder auch gieriger Daimler-Aktionär in Berlin auf der Hauptversammlung einen Polizeieisatz auslöste, als er acht der 12.500 schwäbischen Saitenwürstchen als Extra-Dividende einstecken wollte. Einem anderen Aktionär schmeckte das überhaupt nicht und es kam zum Tumult. Ich habe auch schon Prügeleien um Stifte und Schokolade auf Finanzmessen erlebt.

Wie bei Hunden und an der Börse gilt: Wenn es um die Wurst geht, ist jedes Mittel recht, selbst das, sich lächerlich zu machen.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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5 Kommentare auf "Manchmal geht es um die Wurst"

  1. Avantgarde sagt:

    Aufsichtsratschef Bischoff droht an: „Entweder wir brauchen mehr Würstchen oder wir schaffen die Würstchen ganz ab.“
    —-
    Es ist derart urkomisch – aber ja….“Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ wusste schon Bert Brecht 🙂

    Die Sache mit den Dividenden ist vielleicht so wie mit den Steuersparmodellen.
    Macht gar nix letztlich real auch noch Geld aufzuwenden um noch ein paar Steuercent zu sparen.

  2. bluestar sagt:

    „Wenn es um die Wurst geht, ist jedes Mittel recht, selbst das, sich lächerlich zu machen.“
    Ob Würstchen, Bleistifte, Schokolade , der Kampf um das neueste I-Phone oder milliardenschwere Deals – es gibt nun einmal verschiedene Stufen der menschlichen Gier, Panik und Hirnlosigkeit. Dies auszuleben ist ein wichtiges Menschenrecht und empfohlene Pflicht im freien Westen. Dazu kommen noch Konsumrausch, Unterwürfigkeit, Neiddenken, Karrieregeilheit, Blockparteien -Wahl, Patriotenhass, Staatsvertrauen, Trump-und Putinangst.
    Wie gut das alles funktioniert, kann man am Niveau von TV und Presse sowie den Wahlergebnissen messen.

  3. Dis Pater sagt:

    Ganz ehrlich…..mir tun die armen Würstchen leid, wenn sie als Inhaber von Wertpapieren eines Tages feststellen werden, dass fast nichts auf dieser Welt für die Ewigkeit gemacht ist.
    Denn ein Anteilsschein an einem börsennotiertem Unternehmen ist nur so lange noch etwas wert, solange sich das Finanzkarusell noch halbwegs ohne Unwucht dreht.
    Ich vergleiche das mit einem Berechtgungsschein auf einen Sitzplatz in einem der Rettungsboote der sinkenden Titanic.
    Wenn die Masse feststellt, dass der Kahn abzusaufen beginnt, ist dieser Schein faktisch wertlos.

    • FDominicus sagt:

      Nun frag ich mal anders herum. Ihre Anleihen vom Staat sind sicher?

      • Dis Pater sagt:

        Anleihen? So was würde ich ebenfalls nicht in mein Portfolio aufnehmen!
        Einen Teil meines Vermögens halte ich in bar, den Rest in „echten Sachwerten“, keine Immos, keine Oldtimer oder Gemälde…….wenn Sie verstehen, was ich meine.
        Wenn der Euro wirklich den Bach runter geht, tausche ich die verbleibenden Baumwollfetzen in eine härtere Währung oder eben weitere Sachwerte.

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