Manche Preise sind gleicher als die anderen

4. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Finanzmarkt und seine diversen Begleiterscheinungen im TV und in so genannten Wirtschafszeitungen haben einen hohen Unterhaltungswert. Wortreich und von bunten Bildern und Videos begleitet wird ein Inhaltsreichtum suggeriert, den es leider nicht gibt….

Der große Teil der Sendezeit und Druckseiten dreht sich um die immer gleichen Argumente. Oft ist es nur schlecht getarnte Werbung im Gewand der Information.

Die meisten Medien dienen lediglich als Trägermasse für direkte und indirekte Werbung. Fernsehsendungen zu Finanzthemen sind ein interessantes Beispiel. Die immer gleichen Personen unterhalten sich zu den immer gleichen Themen mit dem immer gleichen Ergebnis, wie sinnvoll doch die Riesterrente oder ähnliche Konstruktionen sind. Die großen Asset Manager und Versicherungen lachen sich angesichts der massiven steuerfinanzierten und langfristig einzuplandenen Mittelzuflüsse scheckig. Schauen Sie doch mal spaßeshalber nach, was Walter Riester heute so treibt.

Welch bizarre Annahmen die Basis für so manche Argumentation etwa bei der „kapitalgedeckten“ Rente bilden, ist erschreckend. Unser liebstes Beispiel ist derzeit eben diese neue Hoffnung der Rentenplaner. Generell halten wir es für eine gute Sache, wenn Menschen sich mit den verschiedenen Formen der Geldanlage ausführlich beschäftigen. Die politisch eingefärbte Diskussion um dieses Thema basiert allerdings auf dem Prinzip Hoffnung und lässt sich schnell zusammenfassen. Das staatliche Umlagesystem mit der Basis aus Abgaben und der mittlerweile enormen Quersubventionierung aus Steuern funktioniert dauerhaft nicht. Es ist wie mit der Zahnzusatzversicherung. Jeden Monat 5 Euro zahlen und dann mit 60 fünf Implantate zum Stückpreis von 2000 Euro für lau in den Kiefer hämmern lassen wäre toll hinterlässt aber ein Defizit. Wer daran glaubt, obwohl er mit einem Bleistift und einen Zettel umgehen kann, der benötigt vermutlich mehr als einen neuen Zahn.

Das Scheitern des staatlichen Rentensystems möchte man nun durch einen Ausbau des Anteils der Kapitalmarktinvestitionen der zukünftigen Rentner ausgleichen. Eine nette Idee, die nur den Haken hat, dass der Finanzmarkt kein Interesse daran hat, dass jemand einen bestimmten Ertrag einfährt, nur weil er jeden Monat 50 Mark einzahlt. Das ist ebensowenig die Funktion eines Finanzmarktes wie es die Aufgabe der Bundesliga ist, dass alle die mitspielen einmal Meister werden. Es gibt Dekaden, da funktioniert das wunderbar, in anderen Zeiten scheitert die Idee grandios. Zum großen Zyklus gesellt sich das Problem des Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt. Kommt der Crash im ersten Ansparjahr, tut es nicht weh und man kauft günstiger nach. Kommt der Crash im letzten Jahr vor der Rente, ist die Hälfte der Kohle futsch, vielleicht auch mehr. Auch der DAX ist schon mal 75% gefallen. Eine Übertreibung? Möglich. Eine Realität? Ja. Hilft es wenn eine Realität nicht angemessen erscheint? Nein.

Manche Anleger verloren auch 90%, ein Desaster, dass sich schon rein technisch kaum oder nur in sehr langen Zeiträumen aufholen lässt. Mit dubiosen Prognosen, die von 5% pro Jahr oder mehr ausgehen, suggeriert man eine Sicherheit, die es nicht gibt und nicht geben kann. Wohin eine zu starke Abhängigkeit von Kurssteigerungen führt zeigt die absurde Politik der Zentralbanken und die ständigen hektischen Versuche der Politk und des Regulieres, Anleger mit den Vorteilen der Finanzmärkte zu erfreuen, ihnen aber die Kehrseite zu ersparen. Das funktioniert nicht. Wer viel Sport macht und viel isst und lässt fortan den Sport weg, der kann dieses Prinzip schnell am eigenen Leib erfahren. Das „Auf“ und das „Ab“ sind zwei Seiten der selben Medaille. Aber wenn alle vom Kapitalmarkt abhängen oder sich das einreden, dann ist es problematisch, wenn die Aktienmärkte 50% korrigieren Dabei ist das ein ganz normaler Vorgang in naturgemäß zyklischen Märkten.

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Begleitet wird das Spektakel der Rentenplaner medial und durch „Analysen“ der Firmen, die auch die Anlageprodukte verkaufen. Viel erhellendes kommt dabei nicht heraus. Während die Mehrheit der Marktteilnehmer standardisierten Sprüchen der Finanzmarktunterhalter hinterherläuft und sich dabei einredet, dass „die Zinsen“ zu niedrig sind und „die Aktien“ die einzige Alternative sind, verschiebt sich die Attraktivität verschiedener Anlageklassen laufend. Man muss nicht in auf dem Globus schwer zu findende Schwellenländer blicken, um das Problem dieser selbst angelegten Scheuklappen zu erkennen. Man redet munter von Nullzinsen, die ja nun allüberall das Problem seien. Wer sich jedoch allein die relevanten Zinssätze von US-Staatsanleihen oder Unternehmenspapieren anschaut, der erkennt, dass die bizarrsten Verzerrungen ein europäisches und japanisches Problem sind. Das bedeutet nicht, dass diese Problematik sich nicht ausbreiten könnte, jedoch muss man zwischen Situationsbeschreibung (Realität) und Prognose (mit rund 50%iger Wahrscheinlichkeit falsch) unterscheiden.

Zum Thema Prognosen muss man nicht allzu viel sagen, hier helfen Bilder weiter. Wie wäre es mit den Wachstumsprognosen der Auguren des IWF?

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Das ist ein beliebig ausgewählter Chart, sie können auch bei den nationalen Notenbanken oder in den Papierstapeln der Aktienanalysten wühlen. Ein Großteil der historischen Rückblicke sieht ähnlich aus, ein Grund, warum man die Prognosen der Vergangenheit in der Regel weglässt.

Wer vor allem mit dem dümmlichen Wiederholen von bei anderen gelesenen Argumenten beschäftigt ist, dem ist dieser laufende Wandel möglicherweise entgangen. Für den interessierten Anleger gilt die alte Regel. Bei Weisheiten, die viele mit großer Selbstverständlichkeit wiederholen ohne sie mit Daten begründen zu können, ist Vorsicht angebracht. An vielen Stellen herrscht in der Branche ein großes Defizit schon bei der technischen Funktionsweise vieler Produkte und Mechanismen. Wenn man jeden, der wenn es gerade en vogue ist behauptet, dass die Welt auf Grund von Credit Default Swaps (oder anderen Produkten) in die Luft fliegen wird, wie genau diese Produkte funktioniere oder wie das Settlement funktioniert. Stellen Sie die entsprechenden Fragen auch den Schreibern der kommentierenden Gazetten, Oft stellt sich die wenig überraschend die alte Einsicht ein: Lautstärke ist kein Gradmesser für den Qualitätsgehalt von Aussagen.

 

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6 Kommentare auf "Manche Preise sind gleicher als die anderen"

  1. Insasse sagt:

    „Das staatliche Umlagesystem mit der Basis aus Abgaben und der mittlerweile enormen Quersubventionierung aus Steuern funktioniert dauerhaft nicht. Es ist wie mit der Zahnzusatzversicherung.“

    Für diese Seite der Medaille, also die (Zwangs-) Einzahler stimmt diese Aussage. Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille. Und auf der finden sich die Umverteiler und die angeschlossene personelle Staffage (= Verwaltung) wieder. Beide profitieren in Form der Verwaltungskosten direkt und ohne Abzug der Teuerung von diesem sozialistischen Umlagesystem. Auch wenn feststeht, dass die Einzahler bis kurz vor dem Ableben arbeiten gehen müssen, weil die Rente nicht zum Leben reicht, werden die Umverteilungs- und Verwaltungsparasiten selbst noch bestens bzw. gut von den völlig sinnlos eingezahlten Zwangsbeiträgen leben. Und zwar solange der Zwang zur Einzahlung in das dysfunktionale System besteht.

    „Generell halten wir es für eine gute Sache, wenn Menschen sich mit den verschiedenen Formen der Geldanlage ausführlich beschäftigen.“

    Ich hatte letztens eine interessante und heftige Diskussion mit einem jüngeren Kollegen zum Thema Rente, der trotz seiner 36 Jahre mit Blick auf den Staat sehr (link-) grün hinter den Ohren ist. Er ist überzeugt davon, dass der Staat mit dem von ihm zwangsweise eingetriebenen Steuergeld und sonstigen Abgaben besser wirtschaften kann, als er selbst. Mit dieser Ansicht steht er bei weitem nicht alleine da. Im Übrigen war er der Meinung, dass er selbst auch gar keine Zeit hätte, sich mit Finanzdingen zu beschäftigen. Ich habe ihn dann gefragt, wie er dazu kommt, sein schwer erarbeitetes Geld (er arbeitet nicht im öffentlichen Dienst), anderen Leuten, die er gar nicht kennt, anzuVERTRAUEN. Ohnehin müssten er dann nicht nur die laufende Teuerung mit seiner Geldanlage ausgleichen, sondern auch die anfallenden Verwaltungskosten. Da hat er geguckt wie ein Eichhörnchen, wenns donnert. Ändern wird sich bei ihm trotzdem nichts. Fazit: Die jahrzehntelange sozialdemokratische Verhausschweinung der Menschen war wirklich äußerst erfolgreich. Sie sind der Ansicht, dass es andere für Sie schon richten werden. Ein Aufwachen wird nicht im Wege des – neu zu entdeckenden – selbständigen Denkens erfolgen, sondern erst in dem Moment, wenn der Hammer fällt.

    Schöne Grüße vom Insassen

  2. Reiner Vogels sagt:

    Es gibt überhaupt kein Alterssicherungssystem, das in Zeiten einer demographischen Katastrophe funktionieren könnte.

    Eine Volkswirtschaft als ganze kann nicht für die Zukunft sparen. Die Sache ist ganz einfach: Wenn es nicht mehr genügend erwerbstätige Menschen gibt, die Steuern oder Sozialbeiträge zahlen, die Dividenden oder Zinsen erwirtschaften können, kann weder ein umlagefinanziertes System wie das Bismarcksche Sozialversicherungssystem noch ein kapitalgedecktes System noch auch eine persönliche, individuell gesteuerte Vermögensvorsorge ausreichend Erträge für das Alter generieren.

    Deshalb ist der Grundansatz der AfD, die sagt, daß das Hauptproblem
    die zu geringe Kinderzahl ist und daß man etwas dagegen machen muß, soweit Politik überhaupt etwas dagegen unternehmen kann, vollkommen richtig.

    Die einzig mögliche individuelle Vorsorge ist für junge Menschen daher: Familie gründen, Kinder in die Welt setzen und zu lebenstüchtigen, verantwortungsbewußten und leistungsfähigen Menschen erziehen. Hedging by nature gewissermaßen.

  3. Lickneeson sagt:

    Die Rente ist sicher – nur zu niedrig. Was tun? Ob man von allen Bürgern erwarten kann sekündlich die Kaffee, Soja oder Ölfutures im Blick zu haben, bzw. diese auch noch mit eigenem Geld zu handeln? Keine Frage, an den Märkten würde es lustig werden. Aber es würden wohl nur die Renten von professionellen Händlern enorm steigen. Der Rest steht dann in der Schlange vorm Soz.-Amt.

    Nicht zufällig ist die Nachfrage nach der Lebensversicherung, dem Sparbuch oder Garantiefonds jahrelang riesig gewesen. Gefühlte Sicherheit in „fremder Verantwortung“. Grundsätzlich ist das in Ordnung. Wie vom Bankhaus geschrieben, gibt es Zeiten wo das funktioniert oder halt nicht. Und Letzteres kann auch mal 10-15 Jahre andauern ( 1970-1983 z.B.), da hilft dann das Motto „langfristig steigen Aktien immer“ nicht viel, wenn man 1982 Rentner wurde. In der jetzigen zinslosen Draghobertinischen Ära verliert man täglich Geld auf seinem Konto. Kein Beinbruch, aber eben keine Rendite. So einfach ist das.Wer Geld sparen kann sollte das tun, wenn er nicht später von einer Grundsicherung leben will. Wer kein Geld hat, kann sich nur noch auf Letztere verlassen, oder ne Bank ausrauben.

    Ob die AFD als Ratgeber für die Rente sinnvoll ist sei mal dahingestellt. Bizarr sind deren Kommentare zu ziemlich allen Themen auf jeden Fall.

    MfG

  4. markus45 sagt:

    Es gilt doch Folgendes:

    a) (wie Reiner Vogels korrekt angemerkt hat) Eine Volkswirtschaft kann nicht für die Zukunft sparen.
    b) Wenn finanzielle Risiken bestehen, sollte man versuchen diese auf mehrere Schultern zu verteilen (wenn die Individuen diese nicht locker selber stemmen können).
    c) Unsere Bevölkerung (Deutschland oder auch Europa) schrumpft.
    d) Kredite ins Ausland zu vergeben und darauf zu hoffen, dass diese in Generationszeiträumen brav zurückgezahlt werden, halte ich für naiv.
    e) Die Produktivität ist in den letzten Jahren enorm gestiegen.

    Aus a) folgt: Umlagebasiertes Systeme sind passender als „kapitalbasierte“ Rentensysteme.
    Aus c) folgt: Durch die Bevökerungsschrumpfung kommen leider auch umlagebasierte Rentensysteme in die Bedrouillie.
    Aus d) folgt: Dauernde Exportüberschüsse funktionieren nicht.
    Aus b) folgt: Wir brauchen eine Absicherung, die nicht nur darauf basiert, dass die eigenen Kinder für einen sorgen.
    Aus e) folgt: Ist die Produktivitätssteigerung so groß, dass obige Probleme ausgeglichen werden können, dann besteht im Prinzip KEIN größeres Problem: durch eine gerechtere Verteilung würde niemand im Alter darben müssen.

    Meiner Meinung nach müßte sich die Politik um Folgendes kümmern:

    1) Kann eine gerechtere Verteilung die Rentenproblematik lösen oder zumindest größtenteils abmildern?
    2) Können die Exportüberschüsse zurückgefahren werden und stattdessen Infrastruktur aufgebaut werden, die allen zugute kommt?
    3) Können alle in das Rentensystem mit einbezogen werden (Beamte, Selbständige…)?
    4) Mehr Kinder und/oder kontrollierte Immigration fördern.

    • Skyjumper sagt:

      Seit meinem Besuch der gymnasialen Oberstufe, und das ist jetzt schon gut 35 Jahre her, versucht man mir einzubleuen das wir armen Deutschen aussterben werden. Mittlerweile ist unsere Vermehrungsrate tatsächlich so weit abgesunken, dass es mathematisch zumindest bei den Biodeutschen auch zu einem starken Einbruch kommen muss. Aber bisher hat sich die Bevölkerung in den vergangenen Dekaden noch nicht reduziert wie ein recht simpler Blick in die Statistiken zeigt.
      Natürlich liegt das an den Zuzügen durch Einwanderer, Rückkehrer und Flüchtlingen. Aber BISHER gibt die Demographie keine Begründung für die aktuellen Probleme der Umlageprobleme her. Die aktuellen Probleme resultieren vielmehr aus einer immer größeren Ausweitung der erwarteten Leistungen die diese Systeme generieren sollen. Ein erster Schritt wäre daher aus meiner Sicht, dass man mal der Wahrheit ins Auge blickt und sich viele wünschenswerte Dinge (Lebensleistungsrente, Mütterrente etc.) abschminkt und die vorhandenen Ressourcen vielmehr darauf beschränkt die Basics zu sichern.

      Eine „gerechtere“ Verteilung der gestiegenen Produktion ist meiner Überzeugung nach im übrigen kein Lösungsweg. Mal davon abgesehen das „gerecht“ eine kniffelige Definitionsfrage ist, müssten Sie dann auch eine Arbeitspflicht (passender wäre ggf. Produktionspflicht) einführen. Denn wenn das was ich produziere nur verteilt wird ……… würde ich freiwillig sicher nicht weiter produzieren/arbeiten.

      • markus45 sagt:

        Natürlich lässt sich über „gerecht“ trefflich streiten. Aber ein paar Ansatzpunkte gibt es schon:
        Warum wird Kapital nur mit 25% besteuert wohingegen Arbeitseinkommen mit bis zu 42% besteuert wird? Insbesondere, wenn man das Kapital nur geerbt hat, kann ja von „Leistung“ keine Rede sein. „Leistungsloses“ Einkommen eben, dass WENIGER besteuert wird! Und das in einer angeblichen „Leistungsgesellschaft“! Ich bin kein Fan einer reinen Leistungsgesellschaft, ebenso wenig wie einer kompletten Umverteilung, aber wenn Verteilen, dann doch bitte zu den Bedürftigen und nicht zu denen die genug haben. Selbst wenn man nicht anerkennt, dass eine Verteilung zugunsten der Bedürftigen menschlich und sozial ist, und deswegen gut, selbst dann würde das Sinn machen, weil es (volks!)-wirtschaftlich sinnvoll ist. Je weniger Menschen am Wirtschaftskreislauf teilnehmen, desto schlechter geht es der Wirtschaft. Und mit immer weniger Geld in der Tasche kann man immer weniger teilnehmen…

        Ein anderer Punkt wäre die unleidige Trennung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Die Vermögenssteuer könnte wieder eingeführt werden.

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