Mallorca – die Einschläge sind längst sichtbar

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Es hat viel geregnet bis vor einigen Wochen. Die Wasserspeicher sind gut gefüllt, die Pflanzen fühlen sich wohler als im letzten Jahr. Die Insel hatte mit Sintfluten zu kämpfen, als ob der liebe Gott Tränen in den Augen hatte, wenn er auf den Immobilienmarkt der Insel blickt und auf die Zukunft der Betonburgen. In den letzten Jahren blieb der Regen im Sommer aus, die Sonne brannte unbarmherzig auf die Touristen nieder. In diesem Jahr scheinen die Touristen auszubleiben, die Restaurants sind weniger bestuhlt und schlechter besetzt. Cala D`or, die weiße Stadt im Südosten der Insel war Ende Juni immer überrannt hauptsächlich von Deutschen, Holländern und Briten. In diesem Jahr ist es wesentlich ruhiger.

Die Hotels klagen über zu wenige Besucher. Frühstück gibt es in einem Komplex mit über 300 Zimmern derzeit nur für die 40 angereisten Besucher, aber erst ab 9 Uhr. Vielleicht haben viele potentielle Touristen erst noch die Fußball EM zu Hause geschaut, bevor sie mit Billigfliegern auf die Insel zusteuern. Mag auch sein, dass etliche von den Dauerbesuchern ihren diesjährigen Urlaub auf Balkonien zu Hause verbringen. Die Abfertigung auf dem Flughafen in Palma de Mallorca zumindest verlief zügiger als sonst, die Autovermietung hatte wenig zu tun. Mein Flugzeug war weniger ausgelastet als in den letzten Jahren. Ich suchte auch nach den Schreihälsen, die auf dem Weg waren, um sich tagelang am Ballermann den ultimativen Kick zu geben und ihrem Schädel einen Dachschaden zu verpassen. Auch der Applaus für den Piloten nach der Landung blieb aus. Gott sei Dank! Es kostet ja noch nicht die Welt, hierher zu kommen, mehr schon, hier zu verweilen.

Die Se Vende – Schilder (zu verkaufen) schießen nicht nur an den Häuserwänden wie Pilze aus dem Boden, auch aus dem wesentlich dickeren Anzeigenteile der beiden Mallorca-Zeitungen lassen vermuten, dass viele ihre kreditfinanzierten Häuser verkaufen möchten. Im letzten Jahr schaute man in der Branche noch wesentlich optimistischer in die Zukunft. Heute fallen die Hauspreise und offenbar bleiben auch die Käufer weg. Auch die Anzahl der Verkaufsschilder für Schiffe und Yachten in den Häfen ist deutlich angestiegen. Viele neue und einheimische Hausbesitzer sehen sich einem Schuldenberg und sinkenden Hauspreisen gegenüber, der Boom der Wirtschaft entwickelt sich wie in den USA zum Bumerang für alle, denen kein Preis und Versprechen zu hoch war. Selbst Bruchbuden, die sich nach der Abrissbirne sehnen, werden mit 150.000 Euro aufgerufen. Allein die Bauweise erinnert an Betrug. Vor einem Jahr noch wurden Unmengen Hohlblocksteine nahe Cala D´or aufeinandergeschichtet, mit Mörtel verschmiert und weiß angestrichen. Ein Desaster! Für eine viertel Million Euro wurden sie alsbald zum Verkauf gestellt. Heute stehen viele Apartments leer, niemand will sie kaufen oder bewohnen. Weniger wollen oder können sich den Luxus leisten. Töricht der, dem der Gedanke nach Eigentum in dieser Lage durch den Kopf geistert, sagen auf der Insel ansässige Immobilienexperten. Die guten Lagen sind weiterhin gefragt, die Preise stehen weiter im Himmel.

Eroski, die Supermarktkette hat durch die Übernahme der Caprabo-Märkte eine Art Monolpolstellung auf der Insel erlangt. Seit der Übernahme sind die Preise gestiegen, der Service wurde ausgedünnt. Von den ehemaligen Mitarbeitern sind nur noch wenige geblieben. Übernahmen haben ihren Preis, Renditen auch. Die Streiks der LKW-Fahrer in den letzten Wochen hatten riesige Lücken der Regale in den Supermärkten gerissen, berichten Einheimische, das Flughafenpersonal streikte am Wochenende für ein paar Stunden. Das Geld sitzt auch den Bediensteten nicht mehr so locker.

Mallorca scheint an einem Scheidepunkt zu stehen. Zuviel wurde gebaut, zuviele Kapazitäten für die Touristen vorgehalten, die andere Regionen ansteuern oder sich den Trip auf die Balearen nicht leisten können oder wollen. Bis vor zwei Jahren wurde noch ein Urlauberrekord nach dem anderen vermeldet. Die Welt schien noch in Ordnung zu sein. Auch wurde die Anzahl der Baukräne deutlich dezimiert, Auswirkungen des im letzten Jahr von der Inselregierung erlassenen Baustopps.

Die Preise in den Restaurants sind dieses Jahr wesentlich höher als es die offizielle Inflationsrate der Spanier ausweist. Aber die genaue Zahl kann man nur vermuten. Es ist offenbar wie überall in der Eurozone und dem Rest der Welt. Auch hier auf der Insel zahlt der Einheimische und der Tourist wesentlich mehr für das Alltägliche als noch im letzten Jahr. Die Einkommen stagnieren, die Hotelmädchen und Tauchlehrer erzählen davon. Auch die Trinkgelder in den Restaurants fallen in diesem Jahr spärlicher aus, berichtet die Wirtin meiner Stammkneipe. Diesel steht heute bei 1,29 und Benzin drei Cents darüber. Auch die Spanier halten Ausschau nach Schwierigkeiten.

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