Mallorca, wie es sinkt und kracht (Teil 2)

16. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Frank Meyer

Die Insel, auf der ich mich derzeit aufhalte, hat großartige Zeiten erlebt. Doch dann kam der Tag der Abrechnung. Im zweiten Teil meiner Reportage (Teil 1) soll die Wirtschaft mehr im Blickpunkt stehen und vor allem die Frage, ob Betongold am Ballermann der Weisheit letzter Schluss sein kann…

Maßgeblich verantwortlich für den Aufstieg Mallorcas von einer Insel mit Landwirtschaft hin zu einer Hochburg des Tourismus waren nicht nur das Wetter, sondern Kredite – eine Sache, die in Spanien solange kein Problem war, solange man mit Peseten bezahlte. Diese konnten Jahr für Jahr abwerten, was nun mit dem Euro nicht mehr möglich ist. Zudem haben die Zinsen aus dem Hause der EZB einen Bauboom angefacht und eine private Verschuldungsorgie ausgelöst, deren Implosion weder mit noch niedrigeren Zinsen und noch mehr Krediten aufzuhalten ist. Während die Preise für die Immobilien sinken, bleiben sie Schulden bestehen. Und die Abzahlung wird zum ernsten Problem.

Die privaten Haushalte in Spanien sind vielfach überschuldet. Zudem hat die Regierung Schulden in Höhe von 680 Milliarden Euro aufgenommen. Der Schuldenberg der Balearen mit 4,4 Milliarden Euro relativ übersichtlich. Dennoch ist es ein Höchststand bei 1,1 Millionen Einwohnern auf der Sonneninsel. Palma als größte Stadt mit seinen rund 400.000 Einwohnern soll jetzt offenbar doppelt so hoch wie ursprünglich angenommen verschuldet sein. Wie überraschend! Mit einem Defizit von 400 Millionen Euro in diesem Jahr muss die Stadt nun Einsparungen vornehmen, um den Haushalt zu sanieren, der längst nicht mehr sanierungsfähig ist.

Protest

Die Einsparungen treffen wie überall die kleinen Leute, während sich die Abgeordneten ihr Jahresgehalt zwischen 4.000 und 6.000 Euro erhöhen wollen. Kein Wunder, dass sich vor allem die jungen Leute lautstark Gehör verschaffen und seit dem 17. Mai auf der Plaça d’Espanya kampieren. 1.500 Leute sollen es gewesen sein. Inzwischen wurde der Platz geräumt.

Die Presse spricht von „politisch Motivierten“ oder der Bewegung „15-M“, die ihren Namen im 15. Mai fand, als die Proteste der Leute auf dem Platz Puerta de la Sol begannen. Es sind die „Indignados” (Empörten), die aufgrund ihrer sozialen und wirtschaftlicher Aussichten ihre Empörung zeigen. Junge Menschen kampierten seit Mai landesweit auf öffentlichen Plätzen, um gegen die Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und jetzt auch gegen die Euro-Rettungspakete zu protestieren.

Weitere Zahlen

Die Balearen gelten dennoch als eine der reichsten Regionen Spaniens. Trotzdem liegen die Löhne mit durchschnittlich 21.070 Euro pro Jahr um 1.441 Euro niedriger als in Gesamtspanien. Frauen erhalten auf den Inseln 80 Prozent des Lohns ihrer männlichen Kollegen. Damit sind sie besser gestellt als in Gesamtspanien.

In Spanien ist die Zeit der Steuererhöhungen und Kürzungen im öffentlichen Dienst und Sozialbereich angebrochen. Gefordert und überwacht wird diese Spar-Maßnahmen vom Politbüro in Brüssel. Die Haushalte auf der Insel bekommen das zu spüren. Während man versucht, mit weniger Wasser und Strom auszukommen, ziehen die Preise beständig aufwärts.

Der Aufschwung in diesem Jahr fällt wohl etwas geringer aus als zunächst prognostiziert. So rechnet die balearische Landesregierung nicht mehr mit 1,3 Prozent Wachstum, sondern nur noch mit jederzeit revidierbaren 0,8 Prozent für 2011. Als einzige Branche zeige der Dienstleistungssektor eine positive Entwicklung, heißt es. Industrie und Bauwirtschaft schwächeln weiter. Kein Wunder, leidet die Insel an einem Zuviel an Bauobjekten, die sich nicht mehr verkaufen lassen. An wen auch? (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Mallorca, wie es sinkt und kracht (Teil 2)"

  1. Frank2 sagt:

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob man kaufen sollte, dachte ich doch schon 1999, daß ein umgebauter Kuhstall, nebst noch umzubauenden Ziegenstall für 140T DM viel zu teuer war. Vielleicht sollten wir es über die techn. Analyse versuchen. Wir nehmen einen Chart und bitten Michael um Interpretation desselben. Allerdings würde ich mich nicht wundern, wenn danach der span. Botschafter Protest gegen diese Seite anmelden würde. 😉

  2. hannesb sagt:

    Fantastisch, dass sind die Infos die ich gesucht habe. Nachdem ich im Frühjahr einen Urlaub auf Gran Canaria verbracht habe, wurde mir und meiner Frau klar, das das die richtige Destination für unser Rentnerdasein ist. Keine Heizkosten, keine Klimaanlage erforderlich, Temperaturen ganzjährig um 25°.
    Nur die Hauspreise sind noch zu hoch.
    Aktuell verkaufe ich, mitten im XXL-Aufschwung 🙂 (Danke, Herr Brüderle) meine Firma und parke den Erlös – natürlich – in EM.
    Ich habe mich auf ein Zukunftszenario festgelegt: Spanien zurück zu den Pesetas mit entsprechender Inflation. Hohe Arbeitslosigkeit zwingt zu Ferienhausverkäufen zu jedem Preis, die Zweitwohnsitze werden zum Luxus, nicht nur für die Spanier. Flüge werden unerschwinglich, Tourismus geht zurück, Leerstand ohne Ende, ein Eldorado für Suchende.
    Mit EM dann aussuchen wo die Zukunft verbracht wird.
    Ich bin weitestgehend von den Energiepreisen, zumindest was heizen und kühlen angeht, unabhängig. Viele kleine Gemüsebauern sind dort froh, wenn sie ihre Ware direkt an den Mann bringen, die Silberunze wird sehr beliebt sein.
    Einfaches, gesundes Leben unter der Sonne – und die weiteren Auswüchse der Krise können uns mal.
    Diese Erkenntnis habe ich durch Seiten wie diese gewonnen, danke noch mal an alle Autoren !!!

    PS: diesen Artikel kann man dann, in nicht allzu ferner Zukunft, auch auf meine Destination übertragen:
    http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article13491226/An-der-Algarve-purzeln-die-Hauspreise.html

    • Hans im Glueck sagt:

      @ Hannesb,

      ich sehe das genauso noch ein paar Jahre schuften dann die Firma verkaufen.
      Und schön im „Warmen“ ein Häuschen kaufen, bis dahin sind die EM noch weiter gestiegen. Eine Insel würde ich nicht unbedingt wählen, da man da im „Ernstfall“ nicht so schnell wegkommt….

      Zusätzlich plane ich auch noch Obst & Gemüse selber anzubauen.
      Permakultur macht es sehr einfach und sehr ertragreich.
      Nicht das die Spanier dann für eine Tomate eine Unze haben wollen 😉

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