Mallorca, wie es sinkt und kracht (Teil 1)

15. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Frank Meyer

Ist es nicht angenehm, zu Abend zu essen, ohne reservieren zu müssen, ohne Warterei, und das mit einer bevorzugten Bedienung durch den Kellner, der sonst nicht viel zu tun hat? Ja? Dann besuchten Sie Mallorca. Selbst mitten im Sommer sind Sie fast unter sich…

Urlaub auf Mallorca hat etwas Besonderes: Zwei Stunden Flug, und schon ist man in der Sonne, auf einer Insel noch ohne politische Unruhen wie in Nordafrika, bei beständigen 30 Grad und blauen Meer, soweit das Auge reicht. Mallorca ist eine wunderschöne Insel, außer man muss hier sein tägliches Brot verdienen und geht einem dieser heiß begehrten, aber schlecht bezahlten Jobs in der Gastronomie und Hotellerie nach. Der Druck auf die Löhne ist aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit enorm groß. Viele Mallorciner und auch gestrandete Deutsche bekommen gar keine Arbeit. Die Hotels halten in diesem Jahr aus Kostengründen wieder nur das nötigste Personal vor.

Der Sommer geht meist schnell vorbei. Im späten Herbst verschwinden die Urlauber, und damit auch die Beschäftigungsverhältnisse auf Zeit. Dann beginnt wieder das Warten auf das nächste Frühjahr und die Hoffnung auf eine gute Urlaubssaison.

Urlaub auf Mallorca ist nichts für einen schmalen Geldbeutel. Die Preise versetzen Restaurantbesucher, Selbstversorger und auch die Einheimischen in Erstaunen. Bis auf den um 30 Cents niedrigeren Kraftstoffpreis und die heimischen preiswerten Tomaten hat man den Eindruck, es passt nicht zu einer wirtschaftlich in Schwierigkeiten steckenden Gegend. Doch Moment! Not macht erfinderisch: All inklusive…

2011 ist von zwei Besonderheiten geprägt. Einerseits machen die Urlauber große Bögen um die Regionen in Nordafrika, was zu einem Plus der Passagiere auf Mallorca führt. Andererseits gibt es einen neuen Trend, über den man auf der Insel besonders heiß diskutiert. Einmal hin – alles drin. All inklusive – wir kommen!

Ballerburgen: „All you can mampf…

Ist das nicht toll? Urlaub für (fast) alle – und es kostet nicht die Welt. Große Urlaubsanbieter berichten von einer noch ausbaufähigen „AI-Quote“ in der Nähe von 30 Prozent. Sie verkaufen diese Sache als als große Innovation – größer als die Erfindung der Glühbirne. Vielmehr ist es doch so, dass sich Familien mit geringerem Einkommen kaum etwas anderes mehr leisten können, als diesen preislich verlockende Urlaubsschnäppchen in einer Ballerburg mit Sonnengarantie. Dem (fast) geschenkten Gaul, schaut man auch hier nicht ins Maul.

Viele der Hotels leiden inzwischen unter einem etwas aufgeschobenen Investitionsstau. Da geht man dann mit den Preisen schon etwas runter und verramscht die vorhandenen Kontingente gerne an die Tourismuskonzerne. Viele Hotels leben inzwischen nur noch vom „AI“. Ihre Kredite müssen ja bedient werden. Keine Sorge! An Sauberkeit mangelt es kaum. Personal ist preiswert und auch fleißig.

Auch stehen reihenweise Herbergen zum Verkauf. Ein Hotelzimmer wird gegenwärtig für rund 50.000 Euro gehandelt, sagen die Fachleute. Wie wäre es? Doch es finden sich kaum Käufer für diese Häuser mit der inzwischen längst abgelaufenen Lizenzen zum Gelddrucken.

Entspann Dich!

Meist beginnt der Urlaub im Flieger mit einem für vier Tage satt machenden Gummibrötchen in „Geschmacksrichtungen“ Cheeeese or Häääääm, die von ewig lächelnden Flugbegleiterinnen kundennah aus dem Brotkorb geworfen, pardon, gereicht werden. Dazu Tomatensaft, denn die Geschmacksnerven sind da oben in der Luft völlig durcheinander, liest man.

Dann beginnt schon die Landung, die inmitten einer Horde klatschender Fluggäste ihrem ersten Höhepunkt zustrebt. Kurz danach werden die Applaudierenden per Bus in ihre Unterkünfte gefahren, welche sie in den nächsten zwei Wochen kaum verlassen. Warum auch? Für Speis und Trank ist gesorgt. Wer sich an Massenverpflegungen wie zur Hochzeit des FDGB-Urlaubs in der DDR nicht stört, kann vergnügliche Tage am Pool mit Animation und Disco-Gehämmer verbringen. Das haben wir uns verdient. Wirklich! (Seite 2)

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8 Kommentare auf "Mallorca, wie es sinkt und kracht (Teil 1)"

  1. stonefights sagt:

    …wenn der Deutsche mit der Umhängetasche auch noch Fotos macht, womöglich noch das Notizblöckchen für den blog zückend, da kann ich mir gut die Panik der Eisverkäuferin über den möglichen Michelin-Verlust vorstellen…
    Gedanken wie „Was werden die Leute über uns erzählen…“, (auf dem blog oder in ntv), können einen schon die Rabatt-Perlen ins Gesicht treiben und die Kugeln freiwillig in die Waffel hüpfen lassen 🙂

    Vor paar Tagen hatte ich noch gedacht, warum rennst du im Hamster-Rädchen, anstatt wie der blogwart (nochmal) das Leben zu geniessen.
    Wenn noch mehr solche für mich „sadistischen“ 🙂 Urlaubs-Berichte hier erscheinen, paddel ich rüber, wenns sein muss ! Die Sehnsuchtszunge schleift stündlich mehr auf dem Boden…

    Viel Spass noch mit den Kugeln !
    lg, stonefights

  2. wolfswurt sagt:

    Die Entwicklung auf Sylt ist ähnlich.
    Im Jahr 2001 standen 70% der Gastro und Hotelbetriebe bei Banken „unter Wasser.
    Und heute?
    Ein Blick bei immonet.de unter Hausverkauf auf Sylt ab einem Preis von 1.000000,-€ aufwärts spricht Bände!

    TUI&Co boomen auf Sylt und bringen nun die Ballermannschichten Al-inklusiv der Nebenwirkungen.

  3. rolandus sagt:

    Vielen Dank für den Lagebericht und welcome back im „Wunderland“. Also wenn Du 2 Stunden mehr Flug investieren willst, ein Zimmer für 30 Euro 20 Meter vom Meer und KEINE All inclusive Briten und co dann kenne ich da ein wesentlich ruhigeres Plätzchen bei gleicher „Malleschönheit“….

    http://www.radioclm.com/es/la-playa.html

    Tja, was wird aus Spanien werden? Vielleicht werden ja die Balearen und Kanaren eigene Länder ?

    Schön Gruß in die alte Heimat
    rolandus

  4. timo sagt:

    Ich hatte heute wieder mal ein Streitgespräch mit meinem Vater, der so überzeugt von seinen Mainstreaminformationsquellen ist und nur irritiert die Augen verdreht, wenn ich ihm ein paar alternative Infos und Gedanken kundtun möchte. Er fragt mich dann immer, was ich davon hätte, wenn ich das wisse, was ich weiß. Da war ich es dann, der die Augen verdrehte und das Gespräch abbrach, um mir lieber bei Frank und Co. etwas aus dem wirklichen Leben durchzulesen.

    Denn das, was gestern beim Mainstream-T-Online Portal aktuell über Mallorca zu lesen war, zeigt mir nur wieder, daß ich bei Dir Frank, wohl mit am besten aufgehoben bin:

    Gestern auf T-Online: Touristenandrang auf Mallorca

    http://reisen.t-online.de/touristenandrang-auf-mallorca/id_48025592/index

    Beste Grüsse Timo

    • Frank Meyer sagt:

      Hi Timo, die Leute verschwinden alle in den AI-Hotels. Viele kommen nur für wenige Tage und sind dann wieder weg. Seltsam. Gestern habe ich gehört, man könne eine AI-Reise vomn Schlimmsten inkl. allem drum und dran für 140 Euro buchen. Dann steigt man in den Flieger, meldet sich vor Ort im Hotel ab und kommt dann zum Abflug wieder zurück. Ich frage mich, wie die davon leben können. Das ist billiger, als ein ganz normaler Flug. Hmmm…

  5. blaueelise110 sagt:

    Da flieg ich doch lieber nach Gran Canaria…. Da kann ich wählen zwischen Schicken oder Basta…..:-)Besonders sehenswert dort die Centro Comercials. Wenn man da am Nachmittag ein T-Shirt für 15 Teuro kauft, dann kann es passieren das der Besitzer nicht wechseln kann, weil man der Erste Kunde des Tages war. Verfall allerorten…..

  6. Jochen sagt:

    Hallo,

    vielleicht ist es ein Trend zu beobachten, dass in anderen, näher der Heimat gelegenen Regionen Preisschübe eingesetzt haben. In Holland, direkt am Meer im beschaulichen Norden, klettern die Preise in gängigen Unterkünften seit 3-4 Jahren kontinuierlich. Übernachtung mit Frühstück locker im Bereich von 80 €.Für eine durchschnittlich verdienende Familie sehr happig, höchstens für den Familientyp ‚DINK‘ noch locker machbar.

  7. Maria sagt:

    Meine spanische Freundin hat eine kleine Boutique in Paguera.
    Mittlerweile weiss sie nicht mehr, wie sie sich und ihre Tochter durchbringen kann –
    den Laden aufgeben – geht ja auch nicht, andere Jobs gibts nicht.
    Die Turisten wollen am Liebsten Alles geschenkt oder für ein oder 2 Euro –
    klar wenn bei KIK hier ein T-Shirt 2 Euro kostet.

    Wertschätzung für die Ware/das bezahlte Eigentum anderer und die einzige Einnahmequelle – das gibts auch nicht mehr- Dank an Primark und Konsorten, an Handelsabkommen und
    Sonderregelungen für giftige Chinaware, …

    Alles wird angetatscht und zerknuddelt.
    Der Verfall ist angekommen – JA, auch mitten in Deutschland,
    den die Deutschen nun nach Malle tragen und in die Welt.

    Das Land der Dichter und Denker, der Kunst und Muße

    Ja, Deutschland schafft sich ab, bzw. wird durch die Regierung abgeschafft
    und die Menschen sehen still zu, wie auch in Griechenland, Portugal, Spanien, …

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