Mallorca, wie es sinkt und kracht – Sommer 2013

26. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Ich habe mich wieder auf die Suche nach den Aufschwung auf Mallorca gemacht. Er sollte schon längst auf der Insel angekommen sein. Irgend scheint ihn aufgehalten zu haben. Nun wird 2014 mit seiner Ankunft gerechnet. Doch 2013 gibt es erste Hoffnungsschimmer…

Das Prinzip Hoffnung wohnt hier schon seit längerem. Einen Lichtblick liefert 2013 der Tourismus – aber nur, weil es in anderen Urlaubsgebieten mal wieder kracht…

Das Wetter ist wieder prächtig. Im Gegensatz zum letzten Jahr ist die Insel wesentlich besser besucht. Was für ein „Glück“ für die Balearen, dass es in der Türkei „scheppert“. Wer mag dort jetzt noch gerne Urlaub machen? Oder in Griechenland? Und so zieht es die Urlauber 2013 verstärkt an Mallorcas Strände. 2,5 Millionen Passagiere kamen allein im Mai, 6,3 Millionen in den ersten fünf Monaten, was einem Plus von 0,5% entspricht. Für das Gesamtjahr wird ein Rekord erwartet. Die Frage wird sein, wieviel jeder Tourist auf der Insel lassen wird. Im letzten Jahr waren es durchschnittlich 1.000 Euro, heißt es. Dem schließt sich die Frage an, woher die Touristen wiederum ihr Geld nehmen.

Die Insel befindet sich weiter im Umbruch. Konsum und Hausbau auf Pump fanden 2008 ein jähes Ende. Nachschuldner nicht in Sicht. Die Immobilienpreise sind in Spanien in den letzten sechs Jahren um fast 40 Prozent gesunken. Entsprechend stapeln sich die faulen Kredite in den Bankbüchern. Was für ein „Glück“, dass der ESM künftig auch diese Banken direkt stützen darf. Womöglich sind Erholungen in dem Sektor, auch wenn sie nicht stattfinden sondern nur erwünscht sind, ein Übergangsphänomen. Die Auswirkungen aller Sparanstrengungen der spanischen Regierung haben dazu geführt, dass in den Haushalten der Inselbewohner seit Jahren schon die Depression haust.

Die Geburtenrate in Spanien sank seit 2008 um fast 13 Prozent. Auf Mallorca wurden im letzten Jahr 11.001 Kinder geboren, ein Minus von 2,3 Prozent. Dafür wird mehr gestorben, 6,1 Prozent mehr im Vergleich zu 2011 – obwohl der Konsum von Zigarettenschachteln sich im Vergleich zu 2003 mehr als halbiert hat. Möge es an den Rauchergesetzen liegen, an der Verdopplung der Preise oder einfach daran, dass sich immer weniger Leute Zigaretten leisten können. Der Konsum sank von 204 Millionen Schachteln im Jahr 2003 auf 96 Millionen Packungen im letzten Jahr.

Oder spielt die Angst vor den immer längeren Wartezeiten für eine Operation eine Rolle? Seit Ausbruch der Krise ist diese um 84% auf 122 Tage angestiegen. Krank werden sollte man besser nicht auf der Sonneninsel. Und auch die Armenspeisung in Palma steht in der Kritik. Hungrige Menschen wurden in diesen Tagen mit angebissenen oder schimmlig gewordene Brote abgespeist. Milch und Mehl gab es nicht mehr… (Seite 2)

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