Mallorca wie es sinkt und kracht: Herbst 2014

6. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Während in Neapel die EZB-Geldgötter tagten und sich Bundeswehrflugzeuge doch flugfähiger erwiesen als Raketenaktien, bin ich wieder mal auf Mallorca. 26 Wochen gab es keinen Regen, klagen Einheimische. Geldregen gab es hier schon lange nicht mehr, obwohl in Frankfurt kräftig Geld verteilt wird… aber an die Falschen…

Es war das beste Jahr ever… ever… ever… jubelt der Tourismusverband. Die Schutzpatrone der Ballerburgen jubeln immer, selbst wenn es im Tramuntanagebirge monatelang schneien sollte. Dann werden Ski-Lifte in Brüssel beantragt und eifrig losgelegt. Schon lange arbeiten die Zentralplaner für touristische Highlights seit dem Ausbruch der großen Krise daran, den Winter abzuschaffen. Scheitern gehört allerdings wie fast überall zu ihrem gut bezahlten Job.

Mallorca hat seinen ganz eigenen Reiz, ganz ohne Tourismus-Behörde. Es spricht sich rasend schnell herum, wenn das Wetter auf Mallorca besser ist als zu Hause. 26-28 Grad sind derzeit noch jeden Tag zu haben. Das zählt. Die Strände sind voll. Im Gegensatz zu heimischen Gefilden war der September auf den Balearen sechs Grad zu warm und damit der wärmste neunte Monat eines Jahres ever…ever…ever…

Trotz aller staatlichen Bemühungen, werden nach der Mandelernte die Temperaturen gegen Ende Oktober nur noch selten über 20 Grad klettern. Die Insel wird sich dann erholen können, sich voll Wasser saugen und in wenigen Wochen ein grünes Gewand zugelegt haben. Vielleicht blühen schon Ende Dezember die Mandelbäume. Mallorcinische Mandeln spielten früher eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. Heute dienen sie größtenteils einem touristischen Zweck. Ich glaube, Mallorca benötigt gar keinen Tourismusverband. Die Insel ist ohne diese Geldverschwender hübsch genug, selbst in den kühleren Monaten Januar und Februar, wenn das neue Licht des Jahres die Balearen verzaubert.

Ein kleines kostenloses Schmierblatt berichtete, Mallorca wäre der korruptesten Teil Spaniens. Statistisch gesehen kommen pro 1.000 Einwohner 31 Korruptionsfälle in der Zeit zwischen 1984 und 2013 zusammen. Ich kann das nicht einschätzen.

Man liest auch, dass 2014 offiziell wieder ein gutes Jahr war, wenn nicht das erfolgreichste überhaupt. Davon sieht man nur so wenig. Die Leute spüren das nicht im Geldbeutel, obwohl allein im August 3,7 Millionen Touristen auf die Baleareninsel kamen. Sie ließen 2,7 Milliarden Euro hier, so die Statistiker. Im letzten Jahr ließ jeder Tourist noch rund 1.000 Euro auf Mallorca. Im August waren es nach o.g. Rechnung statistische 729 Euro. Seltsam. Woher man diese Zahl so genau kennt, weiß ich nicht. Statistik ist inzwischen biegsam wie eine Palme im Herbststurm. Statistik mag die Welt schöner machen, aber nicht besser erklärt.

Sonst gab es nichts wirklich Neues. Die Tage sind jetzt so lang wie die Nächte und werden kürzer. Mallorca beginnt sich von den Touristen zu erholen.



Eimerverbot zum Wohle der Staatskasse

Seitdem neue Sitten und Verhaltensregeln eingeführt wurden, findet das Sangria-Saufen aus Eimern nur noch in Hinterzimmern statt wie Roulette, Poker und Geldwäsche – oder künftig in Bulgarien. Tausende Polizisten überwachen die neue Ordnung und haben der Staatskasse tatsächlich über 18.000 zusätzliche Euronen beschert, bei Kosten von… ach lassen wir das. Es hat sich jedenfalls gelohnt, titelte eine Medienagentur. Viele werden „abwandern“.

Die Insel macht in der Tat einen etwas zivilisierteren Eindruck als in den Jahren zuvor. Dazu trägt vor allem aber bei, dass sich der All-Inklusive-Tourismus hauptsächlich hinter den Hotelmauern verschanzt, sehr zu meiner Freude, aber zum Leidwesen des Einzelhandels.

Urlaub im Angesicht der Armut

Das Schöne auf Mallorca im Urlaub ist, man bekommt so wenig aus der Heimat mit, außer dass auch die Spanier über die Schrott-Bomber der Bundeswehr lachen. Sonst gibt es ja wenig zu lachen für die Einheimischen. Bei Monatslöhnen von 1.200 Euro und ähnlich hohen Preisen wie in Deutschland, sollte das kaum verwundern. Im September waren 65.500 Leute arbeitslos, zehn Prozent weniger als vor einem Jahr. In ganz Spanien waren im September 4,5 Millionen Arbeitslose gemeldet. Das Erschreckende ist nur, dass lediglich 8,5% der neu vergebenen Stellen unbefristet sind. 91,5% aller neuen Arbeitsverträge sind befristet und damit schwingt die Angst mit, früher oder später zu den 4,5 Millionen Arbeitslosen zu gehören.

Wie so oft sind die Nachrichten über die Insel voller erstaunlicher Neuigkeiten. Die EZB hat angekündigt, Euros im Billionenbereich herzustellen. Davon wird nichts bei den Leuten hier ankommen, obwohl sie diese wirklich gebrauchen könnten. Während der Konsum und die Wirtschaft wieder anspringen sollen, macht die EZB nur den Banken verlockende Angebote. Sie kauft ihnen Finanzmüll gegen neues Geld ab und wird selbst zur Schrotthalde. Dabei könnte sich die EZB ganz einfach ein Konto bei Ebay anlegen und sämtlichen Müll den privaten Leuten für Höchstpreise aufkaufen. Davon liegt hier genügend in den Seitengräben herum. Natürlich geht das nicht, denn man muss sich anstrengen, um an das Geld zu kommen, von dem man permanent abhängig ist.

Helikopter im Anflug?

Im Gegensatz zu den Deutschen hat man weder Spaniern oder Italienern oder Griechen gesagt, ihr Geld wäre sicher bzw. stabil. Aus diesem Grund liegt wohl die Eigentumsquote an Immobilien weit höher als in Deutschland. Die Deutschen werden das noch lernen müssen, jetzt, da in Europa die südeuropäische Geldpolitik regiert. Der Süden kann mit Inflation umgehen, auch wenn sie offiziell nicht auftaucht. Sparen wird hier anders definiert, nämlich immer noch im Ausgeben. Nur sind die Summen dafür statistisch gesehen kleiner geworden.

Am Strand fand ich einen Wal. Er lag da so herum. Als ich ihm näher kam, entpuppte er sich als ein schnarchender Engländer. Wahrscheinlich wurde er vergessen. Ich war beide so erschrocken, dass ich nicht näher darüber schreiben möchte. Einige von ihnen laufen derzeit auch noch auf der Insel herum. Trotz dieser Wal-Plage und auch etlicher Mücken ist Mallorca immer noch eine der schönsten Inseln der Welt. Aber nur für Urlauber.



 

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Ein Kommentar auf "Mallorca wie es sinkt und kracht: Herbst 2014"

  1. Michael sagt:

    Europa ist gefangen hinter schwäbischen Gardinen.

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