Mallorca wie es sinkt und kracht – Frühjahr 2013

5. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Habe ich Frühjahr geschrieben? Im Tramuntana-Gebirge ist vor einer Woche Schnee gefallen. Die Bauern sorgen sich um ihre Frühkartoffeln. Und überhaupt sind auf der Insel viele Sorgen unterwegs. Mallorca erlebt das fünfte Jahr der Krise. Der Markt hat schon etliches bereinigt. Jetzt steht ihm nur noch die Regierung im Weg…

Die letzte Woche war die Kälteste des Jahres. Sechs bis sieben Grad unter dem langjährigen Durchschnitt. Am Morgen habe ich die Eisbären aus dem Vorgarten verjagt. Unterdessen blühen die Mandelbäume und man rüstet sich für die bald einsetzende Urlauberflut. Wie viele Touristen kommen werden, lässt sich nicht sagen, aber sicherlich wird es wieder ein Rekordjahr. Der Optimismus der Wahrsager ist schon wieder auf Rekordhöhen. Auch ist unbekannt, wie viel Geld die Touristen auf der Insel lassen. Mallorca ist ein teures Pflaster und Tourismus die einzige Einnahmequelle – neben dem Anbau von Mandeln, Wein und Gemüse. Davon gibt es in Europa aber genügend. Ein Exportschlager sind sie nicht. Was exportiert wird, sind schlechte Nachrichten aus einer Region im Bereinigungs-Stadium.

Auch Mallorca spart. Im letzten Jahr waren es 634 Millionen Euro. Es reicht nicht. Das Defizit lag bei 1,8 Prozent des BIP und damit höher als erwartet. Weitere Anstrengungen seien nötig, sagt José Ramón Bauzá, der Inselchef. Ihm wird vorgeworfen, seine Nebeneinnahmen verschwiegen zu haben. Bauza behauptet, es wurden Strukturreformen umgesetzt, was bedeutet, man hat die Steuern und Abgaben erhöht und die Ausgaben verringert. Im Jahr 2011 lag das Defizit bei 4,2 Prozent.

Wer sich demnächst auf die Balearen aufmacht, dem wird Erstaunliches geboten. Trotz der Krise haben die Preise weit stärker zugelegt als in Deutschland. Die auf 21 Prozent gestiegene Mehrwertsteuer haben die Konsumenten zu tragen – mitten in der Depression. Nix Aufschwung, aber eine gigantisch schöne Landschaft. Und nette Menschen.

Vielleicht geht man in Madrid immer noch davon aus, dass man wie früher jeden Euro mehrfach ausgeben kann. Regierungen können das, nicht aber Konsumenten. Fünf Millionen von ihnen sind arbeitslos, was einer Quote von 27 Prozent entspricht. Dabei ging man immer wieder davon aus, dass sich die Lage bessern wird. Wie soll das gehen? Kein Wunder, wenn man jetzt schon wieder von einem Aufschwung im Herbst träumt. Vielleicht fallen dann die Blätter von den Bäumen, aber ohne Geldregen kaum die Arbeitslosigkeit. Auch wenn Wirtschaft angeblich zu 50 Prozent aus Psychologie besteht, bleibt es fraglich, ob man einen Aufschwung herbei reden kann. Vielleicht herbei drucken – aber das Jahr ist noch lang.

Als Urlauber bekommt man von den Sorgen und Nöten der Leute auf der Insel nicht viel mit, vor allem nicht hinter den Mauern der All-Inklusive-Hotels, wo die heile Welt tobt. Ansonsten beeindruckt der Zerfall der auf Pump gebauten Immobilien. Die Preise sind um ein Drittel seit ihrem Hoch eingebrochen. Die Kredite sind aber noch da…(Seite 2)

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3 Kommentare auf "Mallorca wie es sinkt und kracht – Frühjahr 2013"

  1. John Doe sagt:

    „Wo der Staat etwas holen kann, tut er das.“

    Der Staat tut nur das, was ihm der Markt vorher vorgemacht hat. Zu holen, was von den Immo-Schuldnern über den hoch gepuschten Preis (falsch bewertet, überbewertet, gehebelt, verpackt=Kosten) zu holen war!

    Kosten (gehebelt) + Gewinn (gehebelt)= Preis

    Wo der Private etwas holen kann, tut er das! Wieso darf der, aber jener nicht? Wie sonst ist z. B. Apple so reich geworden?

    Die Gläubiger der Banken durften ja nicht „enteignet“ werden. Deren Vermögen musste mit allerlei Verrenkungen=Rettungsmaßnahmen erhalten werden. Darunter sind auch viele franz. und deutsche Finanzunternehmen, die jetzt nicht „enteignet“ werden. Ihre Forderungen aus zweiseitigen Verträgen, mit tollen Renditeversprechen, gegen Finanzunternehmen sind einfach nur wertlos. Niemand will sie deshalb kaufen um daraus Derivate zu machen. Pech gehabt … auf die falsche Bank gesetzt …!

    Aber die Troika hat den Königsweg gefunden. Die naive Hoffnung, der Staat werde schon (weiterhin) zahlen wurde in die Wirklichkeit umgesetzt. Ein Fest für die Gläubiger, tragisch für die vielen am Casinobetrieb unbeteiligten Steuerzahler, wohl auch bald in D!

    SNL, Niederlande. Nein, der Staat springt nur nicht mehr für die bankrotte Bank ein. Die Anleihebesitzer werden nicht enteignet, sondern ihre Forderungen gegen die Bank sind wertlos. Es gibt niemanden mehr, der dafür noch zahlen würde. Wäre das der Fall, dann hätten die Anleihen einen Preis. Tragisch für die Gläubiger, business eben!

  2. spanien sagt:

    Na da hätte ich doch eine Lösung des Problems:Emir von Katar kauft Griechische Inseln. Vielleicht verkauft ja Spanien bald Mallorca, aber dann sind wohl die Deutschen sauer. Oder Katalonien, aber das hat er wahrscheinlich schon, jedenfalls Barça ist ja schon (ver)gekauft.
    http://spanienleben.blogspot.com.es/2013/03/emir-von-katar-kauft-griechische-inseln.html

  3. crunchy sagt:

    Bersani, dem im Wahlkampf noch hoffnungsvoll die europäische Fahne hochgehalten wurde, hat eingesehen, dass seinem Land Vortritt vor Schuldentilgung gewährt werden muss. Sein 8-Punkte-Plan sieht das jetzt ganz pragmatisch. Merkel und Steinbrück sind ganz stille. Nicht mal mehr der Pofalla bekommt, sorry, sind seine Worte, ´s Kotzen.
    Für Austerität ist´s jetzt zu spät. Komisch, dass „die Märkte“ das noch nicht gepeilt haben. Für die Spanier und die anderen Geschundenen
    bessert sich die Lage vielleicht etwas, für die anderen „Krisengewinnler“ geht der Teufelsritt nun richtig los.
    Bersani erkannte das Demokratiedefizit, ohne es den Deutschen anzulasten. Wohl, weil dieser alte Vorwurf aus Berlusconi´s Kloake (seine Beleidigung gg. Merkel) nur seiner Imagepflege, nicht seinem Demokratieverständnis diente. Ich hoffe, dass das Rad eine kleine, aber wesentliche Drehung zurückgedreht wird. Nicht, weil weitere Wahlen, siehe Stronach in Österreich, BRD am 22.9.13, uns dazu zwingen, sondern die EURO-Kraten mit ihrem Alptraum aus der Koje fallen.

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