Mallorca – wie es sinkt und kracht. Die Krise macht Pause.

9. Oktober 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Herrliche Zeiten im Oktober auf Mallorca. Wie der Autor dieser Zeilen nimmt auch die spanische Grippe eine kleine Auszeit. Es gibt noch genug Beton und hohe Schuldenberge, an denen sie sich die Überschuldungskrise abarbeiten kann. Offizielle Statistiken sehen bei gutem Willen jetzt wirklich etwas besser aus. Nichts desto trotz schreitet die Bereinigung weiter voran – mal langsamer… mal schneller…

Ich betrachte das Geschehen auf den Balearen seit nunmehr zehn Jahren. Ein künstlich erzeugter Boom durch zu niedrige Zinsen wurde 2007 durch einen zwangsläufig stattfindenden Bust abgelöst. Ohne neue Schulden läuft gar nichts. Die Zentralbank kann Geld drucken. Sie kann jedoch immer noch keine Solvenz erzeugen, auch in Spanien nicht.

Diese Lektion steht im sechsten Jahr der Krise klarer denn je nicht nur in den Lehrbüchern, sondern auch im Gedächtnis aller geschrieben, die vom Aufschwung profitierten und der Bust ihnen jetzt als D-Zug entgegen kommt. Schade. Mit einem beständigen Ausweiten der Kredite und Defizit hätte die Blase noch etwas länger gelebt. es sollte aber anders kommen. Die EZB müsste jetzt schon die leerstehenden zwei Millionen Wohnungen und die Häuser aufkaufen, um zumindest die Immobilienpreise zu stabilisieren. Aber sag niemals nie, vor allem nicht in der Not und in der Herrschaftszeit der Weltverbesserer.

Sommer im Oktober

Ungeachtet der wirtschaftlichen Zusammenhänge gab es schon immer eine äußerst angenehme Konstanz auf den Balearen – das Wetter. Alles andere war, ist und bleibt im Wandel. 

Der Oktober ist für Urlauber perfekt. Sonnig, nicht zu heiß und nicht zu voll. Die Granatäpfel sind saftig, die Apfelsinen süß. Erste Mandeln werden geerntet. Die Kinder sind wieder in den Schulen. Die Insel richtet sich inzwischen auf die kommenden Monate ein – ohne die vielen Touristen. Dann gibt es hier gar nichts zu tun.

So eine Krise hat dennoch etwas Spannendes – zu beobachten, die Märkte in Echtzeit funktionieren. oder auch nicht (mehr) Zu Hochpunkt der Krise auf den Balearen lag ich manchmal ganz allein am Strand, ganz ungestört, vor allem im Oktober. In den Restaurants musste man keine Plätze reservieren. Die Flugpreise waren niedrig. Dieses Jahr aber scheint es einen Boom zu geben. Mit Mallorca weiß man, was man hat. Viele Kapazitäten sind inzwischen verschwunden. Der Strand ist voll. Das 24 Grad warme Wasser lockt Touristen aus ganz Europa an.

Auf der Insel ist es ruhig und sicher im Gegensatz zu Tunesien, Ägypten und anderen Ländern. Am Samstag gab es am Flughafen 638 Starts und Landungen mit insgesamt 110.000 Passagieren. Jeder Flieger ist statistisch gesehen mit 170 Leuten besetzt. Wie im Sommer ist der Himmel in diesem Jahr auch Anfang Oktober voller Flugzeuge – wie Fliegen über einem Hundehäufchen…

Zwischen Januar und August kamen 8,3 Millionen Urlauber auf die Insel. Mallorca kann jeden Euro gebrauchen. Die Balearen stehen offiziell mit rund fünf Milliarden Euro in der Kreide. Noch drängender werden Erfolgsmeldung von den Offiziellen verkündet. Sie werden nicht müde, selbst kleine, dürre und halbgrüne Sprossen als Wunder und großen Aufschwung zu verkaufen. Okay, dafür werden sie bezahlt… 

Im Vergleich mit dem Vorjahr ist auch die Arbeitslosigkeit gesunken, während sich die Qualität der neuen Jobs weiter verschlechtert hat. Das nächste Wunder! Die Ausgaben pro Tourist lagen mit 114 Euro pro Tag um vier Prozent höher als im letzten Jahr. Schaue ich genauer hin, entpuppt sich diese Zahl als Stagnation bzw. sogar als realer Rückgang. Die Preise steigen gefühlt wesentlich stärker als die offiziellen 1,63 Prozent im August. Aber nageln Sie mich nicht fest. Unterkunft, Supermarkt, Restaurant und auch alles andere… Mallorca war schon immer teuer. Und wenn ein Tourist vier Prozent mehr Geld pro Tag hier lässt, dann sieht es nominal nach mehr aus, aber nicht aber real. Bei ebenso steigenden Preisen wäre die Erfolgsmeldung bestenfalls eine Stagnation. Selbst in Krisenzeiten stiegen die Preise – nur nicht die für Immobilien. Die Einheimischen ertragen gerade die vierte Strompreiserhöhung. Plus zehn Prozent in diesem Jahr… 

Und dennoch, es geht aufwärts mit den Besucherzahlen. Der August brach alle Rekorde. Die Touristen brachten im August 2,3 Milliarden Euro auf die Insel, heißt es, und damit 15 Prozent mehr als im August 2012. Wohin fließt das Geld? Haben die Inselbewohner etwas davon? Das sehe ich nicht. Es bleibt in den Hotels hängen, aber nicht bei den Einheimischen. Die Saisonkräfte werden mindestens so schlecht bezahlt wie in den Jahren zuvor. Und jetzt geht der Insel langsam aber sicher die Sonne aus. Damit beginnt wieder die Hochsaison der Arbeitslosigkeit und der geringen staatlichen Unterstützung… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.