Mallorca wie es sinkt und kracht. Die Fortsetzung…

14. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer) Brigitte Nielsen würde im Januar beim Aussteigen aus dem Ferienflieger in Palma de Mallorca rufen: „Was geht los da rein?“ ??? Die Antwort ist einfach: Nichts. Mallorca befindet sich im Winterschlaf. Dies ist nicht nur hinsichtlich wirtschaftlicher Bedingungen gemeint, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Es hat heftig geschneit, mitten im Kondratieff-Winter…

Der Autor dieser Zeilen hat sich wieder auf den Weg auf die Insel gemacht, um der deutschen Kälte zu entfliehen, was gründlich schief gegangen ist. Kalt ist es auch hier, nur 20 Grad wärmer als in heimischen Gefilden. Wenn die Sonne scheint, hat sie im Süden jetzt schon etwas mehr Kraft als zu Hause. Und sie hat noch viel mehr davon vor in diesem Jahr. In der Sonne zeigt das Thermometer gerade 30 Grad, etwas volatil und abhängig von Winden und Wolken.

Was hat sich seit seinem letzten Besuch 2011 hier verändert? Die Insel wurde von der größten Menge Schnee seit 1956 heimgesucht während die tiefste Rezession seit Ewigkeiten voran kommt. In Palma fielen 30 Zentimeter Schnee. Die Kinder waren ganz aufgeregt, Autos kamen von der Straße ab, der Gasverbrauch stieg auf Höchststände. In S’Illot wurde ein toter Fuchs-Hai an Land gespült. Ein Erdbeben mit einem Wert von 1,8 auf der Richterskala gab es auch noch. Willkommen auf Mallorca!

Zwischen den jetzt heller werdenden Tagen und der jetzt beginnenden Mandelblüte ist es überall still und beschaulich. Die Bauern sind in Sorge. Der Frost bis zu -6 Grad setzte den Frühkartoffeln zu. Am Abend hat es erneut geschneit. Arta versank in Graupelschauern. Keine gute Zeit für den Tourismus. Die Hotels haben geschlossen. Bis auf ein paar Radfahrer und verirrte Touristen verziehen sich die Leute hinter die eigenen vier Wänden. Viele davon gehören der Bank. Aus den Schornsteinen steigt Rauch auf. Die Leute verbrennen auf den Feldern Holzreste, was die Luft mit angenehmen Düften schwängert. Es riecht wie damals zu Hause auf meinem Dorf.

Auf dem Flughafen ist es ruhig. Rund 25.0000 Passagiere werden täglich durch die Hallen geschleust. Manchmal sind es weniger. Die Flugpreise sind ein besonderes Ärgernis. Sie haben sich in den letzten Jahren verdoppelt. 2011 wurden 22,7 Millionen Fluggäste gezählt, die dringend benötigtes Geld auf die Insel schafften. 4,6 Milliarden Euro erwirtschaftete der Hotelsektor mit seinen 64.000 Angestellten. Die Hoteliers können größere Umsätze gebrauchen. Ihnen rennen die Kosten davon. Städtische Gebühren für Trinkwasser, Strom und Müllentsorgung stiegen zwischen 2006 und 2010 um rund 40 Prozent. Investitionen in die Hotelanlagen mussten nicht nur deshalb verschoben werden. Wenn man genauer hinsieht, fehlt Geld bzw. die Kreditwürdigkeit. Jeder Euro ist willkommen.

Bald kommen sie wieder, die All-inclusive-Touristen. Viele von ihnen haben wenig Geld, großen Apettit und schlechte Manieren. Dort treffen sie auf schlechtes Essen, herunter gewirtschaftete Unterkünfte mies bezahltes Personal ohne Ausbildung.

Schlendert man durch den mit einigen Sonnenstrahlen durchfluteten Hafen von Portocolom, taucht die Frage auf, wo sich die Leute versteckt haben. Die meisten Geschäfte haben geschlossen, die Cafes entleert, die Preise sind oft unverschämt. Selbst Einheimische bleiben zu Hause. Keine Gäste, keine Kaufkraft.

Im letzten Quartal waren in 13 Prozent der Haushalte alle Personen arbeitslos bzw. 146.500 Menschen sind auf der Suche nach Beschäftigung. Das entspricht einer Quote von etwa 25 Prozent. Die Arbeitslosigkeit im gesamten Land liegt bei über 5 Millionen und ist damit so hoch wie nie. Jeder zweite junge Mensch hat sichts zu tun. Trotz aller Schwierigkeiten zeigt sich die Balearenregierung zuversichtlich- vor allem sollen große Hotelprojekte, Palmas neuer Kongresspalast und steigende Touristenzahlen für mehr Beschäftigung sorgen. Je schlechter die Lage, desto heißer die Hoffnung auf Besserung. Es ist eine Kunst, heute Optimismus zu verkaufen wie einer toten Kuh ein Ersatzeuter. Zweckoptimismus gibt es wie auch in Deutschland kostenlos. Umsonst ist er obendrein auch noch.

Dennoch könnte 2012 ein etwas glücklicheres Jahr werden. Die Frühbuchungs-Rate liegt derzeit zehn Prozent über dem Vorjahr. Von einzelnen Demonstrationen der Indignados (der Empörten) abgesehen, muss kein Urlauber mit Unruhen und Aufständen wie in Ägypten rechnen. Was für ein Glück für die Sonneninsel, die jetzt mehr Touristen anzieht.

Palma, die Inselhauptstadt, muss in diesem Jahr mit 385 Millionen Euro auskommen, etwa vier Prozent weniger als im Vorjahr. Das ist der kleinste Etat der letzten sechs Jahre. 2012 steht kein Geld für neue Investitionen zur Verfügung. Die auch hier ansässige Kommunikationsabteilung zur Verherrlichung unangenehmer Fakten hat viel zu tun. Trotz aller Kürzungen zeigt sich der Stadtrat zuversichtlich und sieht Palma als Motor für den Wirtschaftsaufschwung der Balearen – seit sechs Jahren schon – ein Motor mit Kolbenfresser oder ohne Benzin.

Ein Geheimtipp: Wirtschaftsdaten werden hier als hysterische Kunst gehandelt. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag…


Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , ,

9 Kommentare auf "Mallorca wie es sinkt und kracht. Die Fortsetzung…"

  1. Thomas sagt:

    „Städtische Gebühren für Trinkwasser, Strom und Müllentsorgung stiegen zwischen 2006 und 2010 um rund 40 Prozent. Investitionen in die Hotelanlagen mussten nicht nur deshalb verschoben werden. Wenn man genauer hinsieht, fehlt Geld bzw. die Kreditwürdigkeit. Jeder Euro ist willkommen.

    Bald kommen sie wieder, die All-inclusive-Touristen. Viele von ihnen haben wenig Geld, großen Apettit und schlechte Manieren. Dort treffen sie auf schlechtes Essen, herunter gewirtschaftete Unterkünfte mies bezahltes Personal ohne Ausbildung.“

    Genau das war auch mein Eindruck von Mallorca. Wir waren im Sommer 2011 auf der Insel. Ich geh sogar so weit und sage, dass die Hoteliers die Müllentsorgung an externe(Wer immer das sein mag :-))abgegeben haben. Oder kann mir sonst einer erklären, warum ich im Meer mir den Weg zwischen Plastiktüten, Kondomen und sämtlichen anderen Schrott freimachen muss.
    Eine absolute Drecksbrühe war das. (Wir waren übrigens an drei unterschiedlichen Stränden -> Ergebnisse fast identisch).

    Das Essen in manch einem Vier-Sterne Hotel würde man nicht mal seinem Hund geben.
    Naja ein Hoch auf Malle!!!

  2. purity sagt:

    Ich war 1988 einmal auf Mallorca. Damals war es wohl üblich, dass der Müll ins Meer gekippt wurde, das war beim Baden immer sehr unschön.
    Die Preise für Immobilien sind in Spanien zur Zeit wohl sehr günstig. Wer es sich leisten kann, kommt jetzt wohl billig an ein Haus.

  3. Johannes sagt:

    Ist jetzt war OT bei diesem Artikel, aber wenn ich mal die Möglichkeit zum Klugscheissen habe, dann nutze ich diese auch.

    Habe ja vor kurzem wegen der Ratingagenturen hier diskutiert und dabei gewettet, dass bis Sommer eine zweite Ratingagentur die Abstufungen von Frankreich/Österreich und Konsorten durchführen wird. Im Gegensatz zur USA. 😉

    Der erste Schritt dazu wurde getan und der Ausblick wurde für Österreich, Frankreich und andere Konsorten auf negativ gesetzt. Die Abstufungen dürften somit bis Sommer folgen.

  4. Mallorca wie es sinkt und kracht. Die Fortsetzung… | Rott & Meyer | Meeres Vermüllung (Betraege dritter) | Scoop.it sagt:

    […] background-position: 50% 0px; background-color:#222222; background-repeat : no-repeat; } http://www.rottmeyer.de – Today, 1:05 […]

  5. rolandus sagt:

    ..und ich sach noch: Flieg auf die Kanaren !

    Schön Gruß aus der Kälte in die Kälte
    rolandus

  6. RU sagt:

    10% mehr Frühbucher?
    Das passt ja, folgendes stand heute im focus.de im „Griechenland-Liveticker“:

    12:41 Uhr: Die Zahl der Griechenland-Buchungen deutscher Sommerurlauber liegt derzeit unter dem Vorjahresniveau. Mitten in der Hauptbuchungsperiode für den Sommer 2012 sei bei Reisezielen in Griechenland eine „klare Buchungszurückhaltung“ zu beobachten, sagte eine Sprecherin des Touristikkonzern TUI. Trotz Euro-Debatte und Sparprotesten in dem hochverschuldeten Land seien 2011 Griechenland-Urlaube „gut gelaufen“. Bei den Buchungen für den Sommer 2012 aber schwächele der südosteuropäische Staat. „Wir liegen klar unter dem Vorjahr.“

    http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/tid-25031/-liveticher-griechenlandkrise-xxx_aid_713469.html

  7. Marcus sagt:

    Prof. Otte berichtet, dass es in Spanien (nicht Mallorca) zu gezielten Schikanen gegen ausländische/deutsche Touristen und Expats kommt. Sicher etwas übertrieben, aber evtl ein Zeichen. Uns Deutschen bleibt bald nur noch Urlaub in Non-EUR Laendern zu machen, was nicht wirklich ein Problem ist. Aber eine Immobilie kann man in den EUR-Länder zur Zeit – leider – nicht kaufen. Schade, denn Mallorca finde ich eigentlich schoen, vielseitig, erreichbar – einfach toll.

  8. Frank Meyer sagt:

    Hallo Marcus, hier ist es sehr ruhig. Davon gelesen habe ich noch nichts. Ich hatte aber danach gesucht und bin nicht fündig geworden, denn das Thema treibt mich auch um. Hier ist alles sehr freundlich. Aber es ist auch kaum jemand hier um diese Zeit…

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.